Zürcher Polizistin fast zu Tode gefahren – «Er schrie ‹gönd weg, verpisst euch›, dann gab er Gas»
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Zürcher Polizistin fast zu Tode gefahren «Er schrie ‹gönd weg, verpisst euch›, dann gab er Gas»

Ein heute 20-jähriger Mann hat vor knapp zwei Jahren auf dem Strichplatz in Zürich eine Polizistin angefahren und schwer verletzt. Im Januar muss er sich dafür vor Gericht verantworten.

von
Stefan Hohler
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Auf dem Strichplatz in Zürich-Altstetten bei der Europabrücke kam es im Februar 2020 beinahe zu einer tödlichen Raserfahrt. 

Auf dem Strichplatz in Zürich-Altstetten bei der Europabrücke kam es im Februar 2020 beinahe zu einer tödlichen Raserfahrt.

20 min/hoh
Ein junger Mann hatte eine Stadtpolizistin, welche ihn kontrollieren wollte, angefahren und 16 Meter weit mitgeschleppt. 

Ein junger Mann hatte eine Stadtpolizistin, welche ihn kontrollieren wollte, angefahren und 16 Meter weit mitgeschleppt.

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Der Lenker war mit seiner Freundin und drei Kollegen auf dem Strichplatz und sie filmten verbotenerweise die Sexarbeiterinnen. 

Der Lenker war mit seiner Freundin und drei Kollegen auf dem Strichplatz und sie filmten verbotenerweise die Sexarbeiterinnen.

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Darum gehts

  • Ein 20-jähriger Schweizer ist angeklagt, auf dem Strichplatz im Februar 2020 eine Stadtpolizistin angefahren und 16 Meter weit mitgeschleppt zu haben.

  • Die Polizistin wurde lebensgefährlich verletzt und leidet heute noch massiv an den Folgen der Tat.

  • Der Staatsanwalt verlangt wegen versuchten Mordes und weiteren Delikten eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren.

  • Der Prozess findet Mitte Januar vor dem Bezirksgericht Zürich statt.

Der Prozess gegen den Schweizer mit Wurzeln aus dem Kosovo findet zwar erst im kommenden Januar statt, am Montag ist aber seine damalige Freundin vor dem Bezirksgericht als Zeugin befragt worden. Sie sass neben dem Beschuldigten, auf der Hinterbank des Wagens waren noch drei weitere Kollegen. «Ohne Drogen und Alkohol wäre es nicht so weit gekommen», sagte die heute 18-jährige Frau dem Richter.

Sie seien alle gut drauf gewesen, bis die beiden Polizisten den Wagen kontrollieren wollten. «Gönd weg, verpisst euch» habe ihr Freund geschrien und eine Wischbewegung gemacht. Dann habe er Gas gegeben und sei losgerast. Laut der Freundin hat die Polizistin noch eine Bewegung zur Waffe gemacht, dann sei sie «weggespickt». Nach der Tat fuhren die fünf jungen Leute nach Hause, wo sie weiter Gras, Kokain und Alkohol konsumierten.

Verbotenerweise Sexarbeiterinnen gefilmt

Die fünf jungen Leute waren an jenem 28. Februar 2020 kurz nach 23 Uhr auf den Strichplatz in Zürich-Altstetten gefahren und hatten dabei die Sexarbeiterinnen gefilmt. Als eine der Frauen dies den anwesenden Polizisten sagte, wollten zwei von ihnen das Auto kontrollieren. Der Beschuldigte hielt laut Anklageschrift kurz an, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr schnell zurück. Ein ebenfalls hinzugetretener Mitarbeiter der SIP Züri konnte sich in letzter Sekunden mit einem seitlichen Sprung in Sicherheit bringen.

Nach einigen Metern Rückwärtsfahrt stoppte der Beschuldigte brüsk, legte den Vorwärtsgang ein und gab Vollgas. Der Wagen erfasste die Polizistin, welche auf der linken Seite des Wagens stand. Ihr rechtes Bein verkeilte sich im Radbereich und die Frau wurde vom Auto knapp 16 Meter weit mitgeschleift. Ein Fussgänger und eine Prostituierte, die ebenfalls dort waren, konnten sich mit Sprüngen auf die Seite vor dem Auto retten.

Die damals 38-jährige Stadtpolizisten erlitt schwerste Verletzungen und leidet heute immer noch massiv unter den Folgen. Sie erlitt einen komplexen Schädelbasisbruch, Bein- und Knieverletzungen und schwebte in akuter Lebensgefahr. Sie dürfte gemäss Anklageschrift noch jahrelang an Kopfschmerzen und eingeschränkter Leistungsfähigkeit leiden und hat ihren Geruchssinn irreversibel verloren. Sie kann zeitlebens ihren Freizeitbeschäftigungen wie Schwimmen, Fahrradfahren, Spaziergängen mit Hunden nicht mehr nachgehen und als Polizistin nicht mehr im Frontdienst arbeiten.

Innerorts mit 110 Stundenkilometern unterwegs

Der junge Mann, welcher keinen Beruf hat und in der Stadt Zürich wohnt, hatte zudem diverse Fahrten mit dem Wagen seines Vaters gemacht, obwohl ihm das Strassenverkehrsamt den Lernfahrausweis verweigert hatte. So raste er mit über 110 Stundenkilometern innerorts und filmte sich dabei. Auf seinem Handy fand die Polizei auch illegale Filme mit Gewaltdarstellungen.

Die Staatsanwalt fordert für den 20-Jährigen eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren wegen mehrfachen versuchten Mordes, Gefährdung des Lebens und weiteren Verkehrsdelikten. Der Prozess findet Mitte Januar 2022 vor dem Bezirksgericht Zürich statt.

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