Roman Protassewitsch - Er setzte sein Leben für den Kampf gegen die Diktatur ein –und könnte es jetzt verlieren
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Roman ProtassewitschEr setzte sein Leben für den Kampf gegen die Diktatur ein –und könnte es jetzt verlieren

Regimekritiker Roman Protassewitsch kämpfte schon ein Leben lang gegen den belarussischen Machthaber Lukaschenko. Doch wer ist er?

von
Nicolas Saameli
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Die Verhaftung des Aktivisten hat zu verschiedenen Protesten geführt.

Die Verhaftung des Aktivisten hat zu verschiedenen Protesten geführt.

AFP
Das letzte Lebenszeichen des Bloggers: In einem Video sagt Protassewitsch zwar, er werde «korrekt» behandelt – hat aber auch Flecken im Gesicht, die von Schlägen stammen könnten.

Das letzte Lebenszeichen des Bloggers: In einem Video sagt Protassewitsch zwar, er werde «korrekt» behandelt – hat aber auch Flecken im Gesicht, die von Schlägen stammen könnten.

VIA REUTERS
Die Anführerin der Opposition, Svetlana Tikhanovskaya, bei einer Pressekonferenz nach der Verhaftung von Aktivist Roman Protassewich. 

Die Anführerin der Opposition, Svetlana Tikhanovskaya, bei einer Pressekonferenz nach der Verhaftung von Aktivist Roman Protassewich.

AFP

Darum gehts

  • Am Sonntag wurde der Lukaschenko-Kritiker Roman Protassewitsch auf dramatische Weise verhaftet.

  • Zuvor hatte er die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja in Athen besucht.

  • Bei einer Anklage und Verurteilung wegen «Terrorismus» könnte dem Aktivist sogar die Todesstrafe drohen.

«Es war wahnsinnig cool, diese Erfahrung zu machen», schrieb Roman Protassewitsch am 16. Mai auf Twitter über seine Reise nach Griechenland. Er habe dort die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja bei ihrem Besuch in Athen begleitet und Bilder von ihr geschossen.

Seither blieb es auf dem Kanal des 25-jährigen Bloggers still.

Am 23. Mai bestieg Protassewitsch den Flug Ryanair 4978 von Athen nach Vilnius, wo er im Exil lebte. Kurz vor der litauischen Grenze wurde das Flugzeug aber von den belarussischen Behörden zurückgepfiffen und in Begleitung eines Kampfjets nach Minsk umgeleitet. Noch vor der Landung soll der 26-jährige Dissident dem Flugpersonal zugerufen haben: «Machen Sie das nicht, ich bin Flüchtling aus Weissrussland. Die bringen mich da um.»

Kurz vor der litauischen Grenze wurde das Flugzeug zurückgepfiffen.

Kurz vor der litauischen Grenze wurde das Flugzeug zurückgepfiffen.

REUTERS

Tatsächlich wurde er gleich nach der Landung verhaftet, wie Minsk am Montag bestätigte. Auf einem Video von ihm, das ein belarussischer Staatssender praktisch zeitgleich veröffentlichte, sagt er zwar, er werde «korrekt» behandelt – hat aber auch Flecken im Gesicht, die von Schlägen stammen könnten und spricht sehr schnell.

Den Zorn von Diktator Lukaschenko hat Protassewitsch als Chefredaktor eines Telegram-Kanals auf sich gezogen. Als die Demonstrationen gegen das Lukaschenko-Regime im Sommer 2020 immer grösser wurden, gründete er den Kanal NEXTA, der schnell zur wichtigen Organisationsplattform der Oppositionellen wurde.

Das alternative Medium zur Organisation von Strassenprotesten führt Protassewitsch mit seinem Kollegen Stepan Putilo alias Stepan Svetlov – sie wurden deswegen vom Autokraten Lukaschenko auf eine Art «Terroristen-Liste» gesetzt. Vergangenen November wurde der Dissident wegen Anstiftung zur öffentlichen Unruhe und sozialem Hass angeklagt.

Schon als Teenager Aktivist

Protassewitsch wurde von der Belarussischen Staatlichen Universität bereits im 2011 für die Teilnahme an einer Protestkundgebung ausgeschlossen. Wenn er im aktuellen Verfahren des Terrorismus angeklagt und verurteilt wird, könnte ihm sogar die Todesstrafe drohen.

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