Anthamattens Ex-Freundin: «Er sprach davon, mir die Kehle durchzuschneiden»
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Anthamattens Ex-Freundin«Er sprach davon, mir die Kehle durchzuschneiden»

Francine R. war drei Monate lang die Freundin von Fabrice Anthamatten. Als er ihr ein Messer an die Kehle setzte, machte sie mit ihm Schluss.

von
Simone Kubli/Marco Lüssi

Als Francine R. (Name der Redaktion bekannt) am letzten Freitag vom Tötungsdelikt an der Therapeutin Adeline M. erfuhr, fiel sie aus allen Wolken: Beim mutmasslichen Täter, dem Vergewaltiger Fabrice Anthamatten (39), handelt es sich um ihren Ex-Freund. Vor 17 Jahren, im Herbst 1996, waren Anthamatten und Francine R. drei Monate lang ein Liebespaar. Heute lebt die 35-jährige Bankangestellte und Mutter einer vierjährigen Tochter im Raum Zürich, damals wohnte sie noch in Genf. «Ich war 18 Jahre alt und lernte Fabrice im Restaurant eines Genfer Hotels kennen, wo er im Service arbeitete», erinnert sich R. «Er offerierte mir etwas zu trinken – so begann unsere Beziehung.»

«Er war sehr charmant und aufmerksam»

Sie habe mit dem damals 22-jährigen Anthamatten schöne Momente erlebt, so R. «Er war sehr charmant und aufmerksam», sagt sie. Zu einem gemeinsamen Besuch im McDonald's habe er eine Flasche Rotwein mitgebracht, um den Aufenthalt im Fastfood-Lokal etwas gediegener zu gestalten. Einmal habe er sie in ein Gourmetlokal ausgeführt. «Dort versteckte er einen Ring unter meiner Serviette, und er liess mir einen Kuchen in Herzform bringen.»

Doch neben dieser romantischen Seite blieb Francine R. auch Anthamattens dunkle Seite nicht verborgen. «Er sprach immer wieder davon, mir mit einem Messer die Kehle durchzuschneiden.» Fast bei jedem Treffen habe er dies beiläufig erwähnt und dann sofort wieder das Thema gewechselt. Natürlich hätten sie diese düsteren Andeutungen beunruhigt. «Doch dann war er jedes Mal sofort wieder liebevoll und fröhlich, so dass ich das Ganze nicht ernst nahm.»

«Er hielt mir ein Brotmesser an die Kehle»

Dies änderte sich an einem Abend, an dem sie gemeinsam mit Freunden in der Wohnung von Francine R. Fondue assen. «Ich stand in der Küche und schnitt Brot fürs Fondue, als er mir plötzlich das Brotmesser aus der Hand nahm und es mir an die Kehle hielt.» Zwar habe er sie nicht verletzt, doch der Vorfall in der Küche habe sie so sehr erschüttert, dass sie noch am gleichen Abend mit ihm Schluss gemacht habe. Anthamatten wollte dies nicht akzeptieren. «Er stand bis am nächsten Morgen vor meiner Tür und forderte mich auf, ihn reinzulassen.» Als sie dies nicht getan habe, habe er die Polizei gerufen. «Er glaubte offenbar, dass die Polizei ihm recht gibt und dafür sorgt, dass ich ihn reinlasse.» Stattdessen hätten die Polizisten ihn weggeführt und ihr angeboten, Anzeige zu erstatten. Darauf habe sie verzichtet. «Ich hoffte einfach, dass ich ihn nie wieder sehe.»

Fotos oder Briefe, mit denen sie ihre Beziehung zu Anthamatten belegen kann, hat Francine R. nicht mehr. Ihre Schwester bestätigt die Geschichte jedoch gegenüber 20 Minuten: «Ich habe ihn damals bei Francine kennengelernt. Er machte einen seltsamen Eindruck.»

«Es war ein Riesenschock»

Dass Fabrice Anthamatten drei Jahre nach ihrer Liebesbeziehung eine Frau vergewaltigte und danach ins Gefängnis kam, wusste Francine R. bis am letzten Freitag nicht. «Es war ein Riesenschock für mich, als ich davon erfuhr und realisierte, dass auch ich mich während unserer Beziehung in Gefahr befand, obwohl er mir gegenüber nie gewalttätig wurde.» Die zwanghafte Idee, einer Frau die Kehle durchzuschneiden, hat Anthamatten bei Adeline M. umgesetzt: Auf diese Weise hat er am Donnerstag seine Therapeutin in einem Wald in Versoix GE getötet.

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