12 Jahre Gefängnis: «Er stach den Mann heimtückisch von hinten in den Kopf»

Publiziert

12 Jahre Gefängnis«Er stach den Mann heimtückisch von hinten in den Kopf»

Das Kantonsgericht St. Gallen hat im «Wattwiler Zugfall» die Verurteilung des heute 33-jährigen Beschuldigten wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren bestätigt. Der Beschuldigte hat nach Auffassung des Gerichts besonders skrupellos gehandelt.

So berichtete 20 Minuten nach der Tat. 

Darum gehts

  • Am Bahnhof Wattwil kam es im Frühling 2021 in einem Zug des Voralpen-Express zu einem Messerangriff.

  • Nach dem Kreisgericht Toggenburg hat nun auch das Kantonsgericht den 33-jährigen Täter verurteilt. 

  • Er muss für zwölf Jahre ins Gefängnis und wird danach ausgeschafft. 

Der Beschuldigte hatte am 26. März 2021 am Bahnhof Wattwil im Eingangsbereich eines stehenden Zuges mit einem Fleischmesser mit einer Klinge von rund 25 Zentimeter mehrfach auf das Opfer eingestochen. Der Nigerianer überlebte mit verschiedenen, nicht lebensgefährlichen Verletzungen.

Beschuldigter beantragte Revision des Urteils

Das Kreisgericht Toggenburg verurteilte den Beschuldigten, einen Mann aus dem Sudan, am 24. März 2022 wegen versuchten Mordes, geringfügiger Sachbeschädigung und mehrfachem Betäubungsmittelkonsums zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und einer Busse. Zudem verwies es ihn für zwölf Jahre des Landes und verpflichtete ihn, dem Opfer eine Genugtuung von 25'000 Franken zu bezahlen. Mit Berufung beantragte der Beschuldigte eine Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung anstatt wegen Mordversuchs, die Reduktion der Freiheitsstrafe auf fünf Jahre und der Landesverweisung auf zehn Jahre sowie eine geringere Genugtuung. Die Staatsanwaltschaft und das Opfer beantragten je die Abweisung der Berufung

Es war versuchter Mord

Wie das Kreisgericht ist das Kantonsgericht der Ansicht, dass das Verhalten des Beschuldigten den Tatbestand des versuchten Mordes und nicht nur der versuchten vorsätzlichen Tötung erfüllt. «Beim Einsteigen in den Zug behändigte der Beschuldigte das zuvor versteckte Fleischmesser, stach dem ahnungslosen Opfer unvermittelt und heimtückisch von hinten in den Kopf, streckte es mit einem weiteren Stich in den Bauch nieder und stach weitere drei Male zu, als dieses bereits wehrlos am Boden lag», schreibt das Gericht in einer Medienmitteilung am Donnerstag. «Wegen der Nichtbezahlung einer angeblichen Schuld von 650 Franken fühlte sich der Beschuldigte in seiner Ehre verletzt und wollte sich am Opfer rächen.» In einem Akt der Selbstjustiz wollte er dem Opfer somit aus völlig nichtigem Anlass das Leben nehmen, kam das Kantonsgericht zum Schluss. Sowohl die Art der Ausführung der geplanten Tötung als auch der Beweggrund des Beschuldigten sind als besonders verwerflich zu qualifizieren.

1 / 4
Am Bahnhof Wattwil SG griff am 26. März 2021 ein Mann einen anderen Mann mit einem 25 Zentimeter langen Messer an.

Am Bahnhof Wattwil SG griff am 26. März 2021 ein Mann einen anderen Mann mit einem 25 Zentimeter langen Messer an.

BRK News
Er verletzte ihn dabei.

Er verletzte ihn dabei.

BRK News
Das Opfer, ein nigerianischer Staatsbürger, musste damals ins Spital geflogen werden.

Das Opfer, ein nigerianischer Staatsbürger, musste damals ins Spital geflogen werden.

BRK News

12 Jahre Gefängnis und Landesverweis

Die von der Vorinstanz für diese Tat ausgesprochene Freiheitsstrafe sowie die angeordnete Landesverweisung von je zwölf Jahren erweisen sich ebenso als angemessen wie die Genugtuung von 25'000 Franken. Die Strafkammer des Kantonsgerichts hat den Entscheid des Kreisgerichts deshalb vollumfänglich bestätigt.

Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von häuslicher, psychischersexualisierter oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Beratungsstellen für gewaltausübende Personen

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

(jeb)

Deine Meinung