Doktor Sex – «Er steht auf Quickies und ich liebe Kuschelsex!»
Publiziert

Doktor Sex«Er steht auf Quickies und ich liebe Kuschelsex!»

Stephanie (26) ist verunsichert, da ihre sexuellen Bedürfnisse nicht mit denen ihres Freundes übereinstimmen. Was tun?

von
Bruno Wermuth
Stephanies Freund steht auf Quickies, ihr geht das aber zu schnell – sie will lieber Kuschelsex. (Symbolbild)

Stephanies Freund steht auf Quickies, ihr geht das aber zu schnell – sie will lieber Kuschelsex. (Symbolbild)

Unsplash / Neonbrand

Frage von Stephanie (26) an Doktor Sex

Ich und mein Freund haben total unterschiedliche Bedürfnisse beim Sex. Er hat spontan Lust und möchte dann jeweils sofort einen Quickie. Aber ich brauche Zeit, um in Fahrt zu kommen und stehe darum mehr auf Kuschelsex.

Diese Verschiedenheit hat dazu geführt, dass wir nach zwei Jahren Beziehung nur noch selten Sex haben. Der Druck, den ich von ihm spüre, turnt mich total ab und umgekehrt bremst ihn mein Zärtlichkeitsbedürfnis in seiner Lust.

Frustrierend ist insbesondere, dass er das Gefühl hat, ich würde gar nicht wirklich auf ihn stehen und dass ich von ihm denke , er gehe nicht wirklich auf mich und meine Bedürfnisse ein. Was können wir tun?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Stefanie

Dass ihr unterschiedliche Bedürfnisse habt, ist nicht erstaunlich. Wundern würde mich, wenn das Gegenteil der Fall wäre und ihr stets das gleiche möchtet. Stell dir vor, wie langweilig dies auf Dauer sein würde.
Guter Sex fällt nicht einfach vom Himmel. Und es ist auch nicht so, dass Menschen eine genetische Veranlagung haben dafür. Man muss ihn wollen und auch etwas dafür tun.

Ich denke, ihr steht genau am Punkt, wo die Bemühungen beginnen müssen. Denn sonst werdet ihr wohl bald aufgeben und euch trennen – in der Hoffnung, dass es da draussen jemanden gibt, der besser passt.
Die Wahrscheinlichkeit besteht zwar theoretisch, dass ihr eine solche Person findet, aber sie ist gering. Und es wäre schade, alles aufzugeben, was passt, nur weil ihr beim Sex an Grenzen gestossen seid.

Was könnt ihr tun?

Zuerst einmal solltet ihr euch darauf einigen, dass nun eine Zeit des Experimentierens beginnt, mit dem Ziel, die festgefahrene Situation aufzuweichen und etwas zwischen euch in Bewegung zu bringen. Reserviert euch dafür Zeiten, in denen es nur um euch und eure Körperlichkeit geht. Einigt euch darüber, wann die Begegnungen stattfinden und wie lange sie dauern sollen. Idealerweise habt ihr dabei keinen Stress.

In der ersten Begegnung erzählt ihr euch einfach mal in Ruhe, wie ihr euch körperlich erlebt beim Sex, was sich richtig anfühlt und warum, aber auch, wo ihr euch eingeschränkt fühlt. Feurige Quickies und zärtliches Kuscheln sind zwei Seiten derselben Medaille. Nicht selten hat die Ablehnung der einen Qualität auch mit Hemmungen und Ängsten zu tun. Es ist daher wichtig, sich darüber bewusst zu werden.

Alles weitere ist Ausprobieren. Lasst euch auf den Zugang eures Gegenübers ein und versucht, möglichst unvoreingenommen mit der Energie in Kontakt zu kommen, die damit verbunden ist.
Ihr werdet dabei erkennen, dass auch die bisher unbekannte und daher ungelebte Seite ihre Vorzüge hat. Viel Vergnügen beim Ausprobieren und alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex

Hast du eine Frage zu deinem Sexualleben? Leidest du an Liebeskummer, oder plagen dich Beziehungsprobleme? Bruno Wermuth hilft dir weiter!
Du kannst deine Frage per Formular oder per E-Mail an doktor.sex@20minuten.ch schicken.

Bild: Gian Losinger

Bild: Gian Losinger

Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch

Deine Meinung