Mit Drohne und Wärmebildkamera - Er steht jeden Tag drei Stunden früher auf, um Rehkitze zu retten
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Mit Drohne und WärmebildkameraEr steht jeden Tag drei Stunden früher auf, um Rehkitze zu retten

Bereits zehn Rehkitze konnte Remo Kohler diese Saison vor dem Mähtod bewahren. Dafür fliegt er mit seiner Drohne die Wiesen in Meilen jeden Morgen für rund drei Stunden ab.

von
Monira Djurdjevic
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Das Rettungsteam setzt sich immer aus einem Jäger und einem Drohnenpiloten zusammen. Auf dem Bild sind Drohnenpilot Remo Kohler und Jäger Bruno Jörg zu sehen. 

Das Rettungsteam setzt sich immer aus einem Jäger und einem Drohnenpiloten zusammen. Auf dem Bild sind Drohnenpilot Remo Kohler und Jäger Bruno Jörg zu sehen.

Diese Saison hat Remo Kohler zusammen mit seinem Team in Meilen mittels Drohne und Wärmebildtechnik zehn Rehkitze entdeckt und sie so vor dem Tod durch Mähmaschinen bewahrt.

Diese Saison hat Remo Kohler zusammen mit seinem Team in Meilen mittels Drohne und Wärmebildtechnik zehn Rehkitze entdeckt und sie so vor dem Tod durch Mähmaschinen bewahrt.

Remo Kohler steht zurzeit jeden Tag um 4.15 Uhr auf und fliegt für rund drei Stunden mit einer Drohne die Felder und Wiesen in Meilen ZH ab.

Remo Kohler steht zurzeit jeden Tag um 4.15 Uhr auf und fliegt für rund drei Stunden mit einer Drohne die Felder und Wiesen in Meilen ZH ab.

Darum gehts

  • Jedes Jahr sterben zahlreiche Rehkitze den Mähtod.

  • Freiwillige wie der Meilemer Remo Kohler wollen dies mittels Drohne und Wärmebildtechnik verhindern.

  • Dafür standen laut dem Verein Rehkitzrettung Schweiz letztes Jahr rund 211 Rettungsteams schweizweit im Einsatz.

Remo Kohler steht zurzeit jeden Tag um 4.15 Uhr auf und fliegt vor seiner Arbeit als Software-Entwickler für rund drei Stunden mit einer Drohne die Felder und Wiesen in Meilen ZH ab. Das Ziel: Mittels Wärmebildkamera möglichst viele Rehkitze vor dem Mähtod bewahren. «Durch den sogenannten Drückinstinkt bleiben die Rehkitze in den ersten Wochen nach ihrer Geburt bei Gefahr auf dem Boden liegen und rühren sich nicht», erklärt Kohler. Die Rehkitzrettung mit Wärmebildtechnik wird laut Kohler kurz vor der Dämmerung bis zum Sonnenaufgang betrieben. «Sobald ein Feld durch die Sonne beschienen wird, wird es schwierig bis unmöglich, verlässliche Resultate zu erzielen.»

Entdeckt der 45-Jährige ein Tier mit Hilfe seiner Drohne, deckt der Jäger das Rehkitz mit einer Holzkiste ab und markiert die Fundstelle mit einer Fahnenstange. «So kann der Landwirt einen Bogen um die Stelle machen.» Alternativ könne der Jäger das Rehkitz auch an den Feldrand bringen. «Da das Rehkitz nicht mit blossen Händen berührt werden darf, weil es die Rehgeiss sonst verstossen könnte, nimmt es der Jäger mit einem grossen Grasbüschel auf und legt es an einem geschützten Ort ab.» Laut Kohler setzt sich das Rettungsteam immer aus einem Jäger und einem Drohnenpiloten zusammen.

1410 Rehkitze vor der Mähmaschine gerettet

In der Region Pfannenstiel kommt diese Art der Rehkitzrettung seit 2019 zum Einsatz. Die Idee hinter dem Projekt, das auf Freiwilligenarbeit basiert, stammt vom Verein Rehkitzrettung Schweiz. Die Saison findet normalerweise von Mitte April bis Mitte Juni statt. Für Kohler ist es bereits die dritte Saison, wie er sagt. «Seit Anfang dieser Saison hat das Team in Meilen mittels Drohne und Wärmebildtechnik zehn Rehkitze entdeckt und sie so vor dem Tod durch Mähmaschinen bewahrt.»

Laut Ann Schärer, Medienverantwortliche beim Verein Rehkitzrettung Schweiz, melden die Landwirte die Felder, die sie nächstens mähen möchten entweder der örtlichen Jägerschaft oder direkt auf der Webseite des Vereins. Danach plane die örtliche Jägerschaft die einzelnen Einsätze. Seit 2017 versucht man so schweizweit möglichst viele Regionen während der Mähsaison abzudecken. «Letztes Jahr waren rund 211 Rettungsteams im Einsatz.» Etwa 1410 Rehkitze hätten so vor der Mähmaschine gerettet werden können.

«Rettet die jungen Wildtiere»

Im Kanton Aargau organisiert die Stiftung Wildtiere Aargau zusammen mit Jagd Aargau seit zehn Jahren das Projekt «Rettet die jungen Wildtiere». Neben den traditionellen Verblendungsmassnahmen zum Aufspüren der Rehkitze kommen mittlerweile auch Drohnen zum Einsatz. Laut einer Mitteilung hat die Stiftung vor rund zwei Jahren eine Ausbildung von Jägerinnen und Jägern zu Drohnenpiloten ermöglicht. In Zusammenarbeit mit Rehkitzrettung Schweiz seien inzwischen so rund 30 Jägerinnen und Jäger als Drohnenpilotinnen und -piloten für die Rehkitzrettung ausgebildet worden. Für die Anschaffung von Drohnen mit Wärmebildkameras sowie die notwendige Ausbildung der Bedienerteams habe die Stiftung grosse Investitionen getätigt.

«Wir sind immer auf der Suche nach Freiwilligen und bieten für einen Unkostenbeitrag eine Ausbildung für die Rehkitzrettung mit Drohnen an», sagt Schärer. Für dieses Jahr seien bereits alle Kurse ausgebucht. Man könne sich aber für die Kurse im Jahr 2022 anmelden. Die Ausrüstung, Drohne plus Wärmebildkamera, müsse jeder Drohnenpilot und jede Drohnenpilotin selbst organisieren und finanzieren. Die Kosten belaufen sich auf 7000 bis 10000 Franken.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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