Biobauer extrem: Er tötet seine Tiere mitten auf der Weide
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Biobauer extremEr tötet seine Tiere mitten auf der Weide

Ein Biobauer aus Küsnacht ZH darf seine Rinder auf der Weide töten – das Zürcher Veterinäramt erlaubt dies erstmals in der Schweiz. Ein Plus fürs Tierwohl und die Fleischqualität.

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Von seinem Hochsitz aus nimmt Biobauer Nils Müller eine Kuh ins Visier.

Von seinem Hochsitz aus nimmt Biobauer Nils Müller eine Kuh ins Visier.

Keystone/Gabriela Mueller
Das Tier ist dabei in ihrer vertrauten Gruppe...

Das Tier ist dabei in ihrer vertrauten Gruppe...

Keystone/Gabriela Mueller
...wenn sie von Müller mit einem gezielten Kopfschuss betäubt wird.

...wenn sie von Müller mit einem gezielten Kopfschuss betäubt wird.

Keystone/Gabriela Mueller

Schnelligkeit ist das A und O: Hat Biobauer Nils Müller aus Küsnacht ZH am frühen Morgen auf der Weide ein Rind geschossen, muss er innert 90 Sekunden die noch lebenden Rinder wegtreiben. Dann wird das geschossene Tier am Traktor mit Ladevorrichtung aufgehängt und mit zwei Schnitten am Hals in einer bereitstehende Wanne ausgeblutet.

Das enge Zeitfenster ist vom Zürcher Veterinäramt vorgegeben. Vor wenigen Wochen hat es schweizweit einmalig eine befristete Teilbewilligung für Weideschlachtung ausgesprochen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Bislang war dies nur für Wild, das im Gehege lebt, und Bisons erlaubt.

Kein Muskelkater

Müllers Rinder werden so vor ihrem Tod nicht aus ihrem gewohnten Umfeld herausgerissen, auch erleiden sie keinen Muskelkater während des Transports zum Schlachthof und sie müssen sich dort keinen neuen Platz in der Rangordnung erkämpfen. Das wirke sich nicht zuletzt auch auf die Fleischqualität aus. Denn Stress hemme die dafür wichtige Milchsäureproduktion.

Für die Bewilligung hat Müller jahrelang zusammen mit Eric Meili, Berater beim Forschungsinstitut für Biologische Landwirtschaft, gekämpft. Er ist selber auch Rinderzüchter, Initiator des Labels Bio-Weidebeef und sagt über Müller: «Er ist ein Glücksfall für die Sache. Extrem konzentriert und fokussiert auf das Wesentliche.» Support erhalten die beiden von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten.

So funktioniert die Weideschlachtung

Klein- statt Grosskaliber

Erschossen werden die Rinder mit einem Kleinkalibergewehr mit Rotpunktvisier. Das ist weniger gefährlich, weil die aus wenigen Metern entfernte Kugel an der Schädelhinterwand des Tieres stecken bleibt. Ein Querschläger ist gemäss dem Bericht praktisch ausgeschlossen. Ursprünglich hatten die Behörden auf Grosskalibergewehre gesetzt, mit denen man «auch Elefanten» hätte töten können, wie Meili als Scherz sagt.

Beim Bauernverband und sogar beim Schweizer Tierschutz (STS) stösst die neue Praxis allerdings auf Skepsis. «Ein Weideabschuss kann mit Tierschutzargumenten nur schwer gerechtfertigt werden», sagt etwa Hansueli Huber vom STS. So berge dieser die Gefahr von Fehlschüssen. Diese könnten viel mehr Tierleid bringen als der Tod im Schlachthof.

Tavolata im Besenzbeizli

Der ehemalige Vegetarier Müller verkauft das Fleisch von seinen Bio-Angusrindern im eigenen Laden des Hofes Zur Chalte Hose auf der Forch. Und wer nicht selber kochen mag, der kann im dazugehörenden Besenbeizli für gehobene Ansprüche einmal im Monat an einer Tavolata Platz nehmen. Dann steht Müller, der auch schon Spitzenkoch war, mit seiner Frau persönlich hinter dem Herd und zaubert etwas Gutes.

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