Aktualisiert 02.09.2015 15:36

Julian Assange

Er treibt das Botschafts-Personal in den Wahnsinn

Fische und Gäste stinken nach drei Tagen. Geleakte Dokumente zeigen: Das gilt erst recht für Julian Assange, der seit Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt.

von
sut
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Seit über drei Jahren hält sich WikiLeaks-Gründer Julian Assange als Asylant in der Botschaft Ecuadors in London versteckt. Dort empfängt er Prominenz aus aller Welt. Bild: mit dem amerikanischen Schwarzenführer Jesse Jackson (links) am 21. August 2015.

Seit über drei Jahren hält sich WikiLeaks-Gründer Julian Assange als Asylant in der Botschaft Ecuadors in London versteckt. Dort empfängt er Prominenz aus aller Welt. Bild: mit dem amerikanischen Schwarzenführer Jesse Jackson (links) am 21. August 2015.

epa/yui mok
Bei seinen Wutausbrüchen kann sich Assange schwer kontrollieren. Laut internen Berichten stiess er im September 2012 im sicheren Kommunikationsraum der Botschaft Computer um.

Bei seinen Wutausbrüchen kann sich Assange schwer kontrollieren. Laut internen Berichten stiess er im September 2012 im sicheren Kommunikationsraum der Botschaft Computer um.

Ecuadorianischer Regierungsbericht via Buzzfeed
Im nachfolgenden Januar krachte in Assanges Zimmer das Büchergestell zu Boden - selbsttätig, behauptet der Botschaftsgast.

Im nachfolgenden Januar krachte in Assanges Zimmer das Büchergestell zu Boden - selbsttätig, behauptet der Botschaftsgast.

Ecuadorianischer Regierungsbericht via Buzzfeed

Am Anfang mag Julian Assange in der Londoner Botschaft Ecuadors ein gern gesehener Gast gewesen sein. Doch seit der Gründer der Wikileaks-Enthüllungsorganisation im Juli 2012 dort Asyl erhielt, hat das Botschaftspersonal die weniger angenehme Seite des «Flüchtlings» kennengelernt.

Die ecuadorianischen Diplomaten halten das tägliche Leben mit dem prominenten Aktivisten in minutiösen Berichten fest. Buzzfeed-Reporter verschafften sich Einblick in die Protokolle – und machten den Chef der Enthüllungsplattform selbst zum Gegenstand einer Enthüllung.

Zwei Zusammenstösse erscheinen den Reportern typisch. Der erste trägt sich laut den Dokumenten am 6. September 2012 zu, drei Monate nach Beginn des Daueraufenthalts. Um 20.30 Uhr dringt Assange ohne Erlaubnis in den für ihn gesperrten Raum mit Kommunikationsgeräten ein. Als er sich an den Sicherheitseinrichtungen zu schaffen macht, versucht ihn ein Wachmann daran zu hindern, was zu einem Handgemenge führt.

Neigung zu Wutausbrüchen

Der Wächter berichtet, Assange habe einen Computermonitor umgestossen und ihn dann am Hemd gepackt. Assange behauptet, vom Wachmann herausgefordert worden zu sein. Ein anwesender Filmemacher gibt später zu Protokoll, Assange sei «ausser Kontrolle» gewesen, wutentbrannt und auf Beleidigungen aus.

In einem späteren Bericht über den Zwischenfall heisst es: «Wir können nicht zulassen, dass solche Ereignisse sich wiederholen und es zu weiteren Angriffen auf Botschaftspersonal kommt.» Der Bericht halte auch fest, dass Assange unter der Belagerung der Botschaft durch über zwanzig britische Polizisten und Agenten leide, schreibt Buzzfeed.

Büchergestell, von selbst gekippt?

Ein ähnlich unkontrolliertes Verhalten zeigte Assange am 4. Januar 2013. Laut dem Protokoll wacht «Mr. Gast» – so das interne Alias des Asylanten – um 06.05 Uhr auf. Fünf Minuten später hören Sicherheitsleute einen lauten Krach in Assanges Zimmer. Als sie anklopfen, stellt sich Assange in die Türöffnung, so dass sie nicht hineinsehen können. Später geht der Wikileaks-Chef für längere Zeit mit dem Laptop auf die Toilette, und ein Wachmann kann das Chaos im Zimmer fotografieren: ein grosses Büchergestell liegt auf dem Boden, dieser ist übersät mit Büchern und anderen Gegenständen.

Assange erzählte später, das Büchermöbel sei von allein umgekippt. Damit räumte er die Sicherheitsbedenken der zuständigen Diplomaten nicht aus. Buzzfeed zitiert einen Bericht, wonach der Gast zu Selbstgesprächen und lautem Schreien neige. Das habe nicht nur mit seiner Stresssituation als Eingeschlossener zu tun, heisst es. Assanges «Natur» sei es, «offensichtliche Wut» und «ein Gefühl der Überlegenheit» zu zeigen. Das wiederum versetze die Menschen um ihn herum in Stress – «insbesondere das Botschaftspersonal, vor allem die Frauen».

Die Mühen machen klar, dass die Botschaft Assange am liebsten längst loshaben und nach Ecuador verfrachten würde. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Auf dem diplomatischen Territorium Ecuadors entzieht sich der Wikileaks-Mann dem Zugriff der schwedischen Staatsanwaltschaft, die ihn aufgrund eines Vergewaltigungsvorwurfs einvernehmen will. Assange sagt, er fürchte, von US-Fahndern aufgegriffen zu werden.

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