Aktualisiert 13.08.2014 11:06

Doktor Sex

«Er verbietet mir, auswärts Sex zu haben!»

Sandra bekommt von ihrem Mann zu wenig Sex. Ihre Idee, sich ausserhalb der Beziehung weiteren Sex zu besorgen, hat er empört abgelehnt. Soll sie nun heimlich fremdgehen?

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Werden sexuelle Bedürfnisse vom Partner einfach ignoriert, kann dies eine tiefe Vertrauenskrise auslösen. (Symbolbild: Colourbox.de)

Werden sexuelle Bedürfnisse vom Partner einfach ignoriert, kann dies eine tiefe Vertrauenskrise auslösen. (Symbolbild: Colourbox.de)

Frage von Sandra (43) an Doktor Sex: Ich kriege von meinem Mann zu wenig Sex. Wenn es hochkommt, kümmert er sich vielleicht einmal pro Monat um mich. In einem gemeinsamen Gespräch hat sich herausgestellt, dass dies seinen Bedürfnissen gerecht wird. Mehr braucht er seinen Aussagen zufolge nicht. Auf meine Frage, ob ich mir in diesem Fall zusätzlichen Sex ausserhalb der Beziehung holen dürfe, reagierte er aufgebracht – und verbot es mir strikt. Seither bin ich ratlos, denn ich brauche einfach mehr Körperlichkeit. Soll ich ihn nun halt einfach heimlich betrügen, oder wäre es besser, noch einmal mit ihm darüber zu sprechen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Sandra

So wie du die Frage stellst, scheint es nur zwei Wege zu geben, um in dieser Situation weiterzukommen. Aber ich bin sicher, dass dir ohne grossen Denkaufwand noch weitere Möglichkeiten einfallen, die ebenfalls eine Veränderung der Situation herbeiführen könnten.

Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass Reden in einer Beziehungskrise eigentlich immer ein wichtiges und hilfreiches Instrument ist. Damit meine ich aber weder end- und ergebnislose Diskussionen über die immer gleichen Themen noch lautstark geführte und hochemotionale Beziehungskriege. Sondern Gespräche, in denen echte Verständigung das Ziel ist – zum Wohl aller Beteiligten.

Wenn dein Partner ein striktes Verbot ausspricht, ist für mich diese Voraussetzung nicht gegeben. Ihm scheint es mehr um sich selber und die Macht zu gehen, die er über dich hat. Dies zeigt allein schon die Tatsache, dass ihn deine Bedürfnisse in keiner Weise zu interessieren scheinen.

Es spielt hier keine Rolle, wer in welcher Rolle steckt, also ob die Frage von dir als Frau oder ob sie – wie dies in der Vergangenheit häufig der Fall war – von einem Mann gestellt wird. Meine Perspektive ist immer die gleiche: Es hat niemand das Recht, einen Menschen zu etwas zu zwingen oder seine eigenen Interessen egoistisch gegen diejenigen eines anderen durchzusetzen. Tut jemand dies trotzdem, erteilt er damit seinem Gegenüber automatisch das Recht, sich symmetrisch und damit letztlich genauso rücksichtslos zu verhalten.

So gesehen wäre heimliches Fremdgehen durchaus gerechtfertigt. Trotzdem scheint es mir angebracht, wenn du weiterhin das Gespräch suchst – auch dann, wenn du dich zu Sex ausserhalb der Beziehung entschliesst. Denn auf Dauer wird die heimliche Befriedigung deiner Bedürfnisse kaum eine befriedigende Lösung sein. Versuche im gemeinsamen Gespräch, deinen Mann für deine Situation zu sensibilisieren und zeige ihm Möglichkeiten auf, die auch ihn und sein Verhalten dir gegenüber mit einschliessen. Also zum Beispiel eine Weiterentwicklung der Paarsexualität, ein gemeinsamer Tantrakurs oder ein sexy Wellnesswochenende.

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