Aktualisiert 26.07.2011 07:17

Zimmermädchen spricht

«Er verhielt sich wie ein Verrückter»

Das Zimmermädchen, das dem Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn versuchte Vergewaltigung vorwirft, hat sich erstmals persönlich zum Vorfall geäussert – und fast jegliche Schuld von sich gewiesen.

von
uwb

In einem ungewöhnlichen Schritt hat sich das Zimmermädchen Nafissatou Diallo im Fall Dominique Strauss-Kahns in den Medien zu ihren Vergewaltigungsvorwürfen gegen den früheren IWF-Chef geäussert. Nachdem sie knapp zwei Monate geschwiegen hatte, schilderte sie jetzt im US-Nachrichtenmagazin «Newsweek» und dem Fernsehsender ABC News ihre Sicht der Geschehnisse, wie sie sich am 14. Mai in einem New Yorker Hotelzimmer abgespielt haben sollen.

Strauss-Kahn habe sie gepackt und «wie ein Verrückter» angegriffen, sagte die 32-jährige Klägerin laut Auszügen aus den Interviews, die am Sonntag im Internet veröffentlicht wurden. Sie habe ihn geschubst, sagte die Frau dem Magazin «Newsweek». Sie sei aufgestanden. «Ich wollte ihm Angst einjagen. Ich sagte 'Sehen sie, dort ist mein Vorgesetzter, gleich dort'.» Strauss-Kahn habe entgegnet, dass niemand in Hörweite sei, sagte sie weiter. Sie habe ihn mehrmals weggeschoben, «allerdings habe ich aufgepasst, denn ich wollte ihn nicht verletzen. Ich hatte Angst, meinen Job zu verlieren.»

Anschliessend habe er ihr Kleid hochgerissen, ihre Strumpfhose zerrissen und sie gewaltsam zwischen den Beinen gepackt. Der Franzose habe nach ihrem Kopf gegriffen und sie zum Oralsex gezwungen, erklärte die Frau. Dabei habe er leise gestöhnt. Nach dem Oralsex sei sie aufgestanden,habe das Sperma ausgespuckt, sei sofort aus dem Zimmer gerannt und habe sich auf dem Flur versteckt. Das Ganze habe etwa 15 Minuten gedauert, vielleicht auch weniger.

«Ich will, dass er ins Gefängnis geht»

Die Interviews der Klägerin kommen zu einem Zeitpunkt, wo sich der Fall gegen Strauss-Kahn in der Schwebe befindet: Anfang Juli war bekannt geworden, dass die mit dem Fall betraute Staatsanwaltschaft an der Glaubwürdigkeit der 32-jährigen Hotelangestellten zweifelt. Die aus Guinea stammende Frau habe bei Angaben zu ihrem Lebenslauf gelogen, hiess es. Zudem habe es Widersprüche in ihrer Aussage darüber gegeben, was sie unmittelbar nach dem vermeintlichen sexuellen Übergriff getan habe.

Sie wolle, dass Strauss-Kahn zur Verantwortung gezogen werde, erklärte die 32-Jährige in den Interviews. Sie wende sich an die Öffentlichkeit, um eine Geschichte zu erzählen, die nie unschlüssig gewesen sei. Sie wolle irreführenden Darstellungen ihrer Person entgegentreten und auf Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit eingehen, sagte sie. «Ich will, dass er (Strauss-Kahn) ins Gefängnis geht. Ich will, dass er weiss, dass es einige Orte gibt, wo alle Macht und alles Geld einem nichts nutzt», sagte sie «Newsweek».

Strauss-Kahn-Anwälte kritisieren Interview

Die Anwälte Strauss-Kahns warfen der Klägerin vor, hinter Geld her zu sein und bezeichneten die Interviews als einen «ungehörigen Zirkus», der dazu diene, die öffentliche Meinung anzuheizen. Die 32-Jährige führe eine Medienkampagne durch, «um einen Staatsanwalt dazu zu bewegen, einer Anzeige gegen eine Person nachzugehen, von der sie (die Frau) Geld will», sagten die Verteidiger Benjamin Brafman und William Taylor III.. Sie wollen, dass das Verfahren gegen Strauss-Kahn eingestellt wird.

Der Anwalt der 32-jährigen Klägerin, Kenneth Thompson, beschuldigte die Verteidiger des Ex-IWF-Direktors einer «beispiellosen Schmutzkampagne gegen das Opfer eines gewaltsamen sexuellen Angriffs».

«Ich will nie in der Öffentlichkeit stehen, aber ich habe keine Wahl», sagte die 32-Jährige laut ABC News. «Gott ist mein Zeuge, ich sage die Wahrheit.»

Ob ihr Gang vor die Presse ihrem Ziel, Strauss-Kahn ins Gefängnis zu bringen, helfen oder schaden wird, ist unklar. Rechtsexperten erklärten, die Entscheidung der Frau, sich in den Medien zu äussern, sei für einen Kläger oder eine Klägerin an diesem Punkt in einem Strafverfahren ein ungewöhnlicher und riskanter Schritt.

Der US-Fernsehsender ABC kündigte an, ab Montag in drei Teilen ein Interview mit der Frau zu senden. Darin wird sie sich auch zu ihrer eigenen Zukunft äussern. Sie möchte gerne wieder im Hotel arbeiten, «vielleicht in der Wäscherei» sagt Diallo. Denn Job als Hausmädchen dagegen wolle sie nicht mehr. Sie wolle nie mehr an eine Türe klopfen müssen und «hallo, Zimmermächen» rufen.

(Video: ABCNews) (uwb/sda)

Zimmermädchen will sich gegen Presse wehren

Das Zimmermädchen will gegen diejenigen vorgehen, die ihrer Ansicht nach falsche Darstellung über ihre Person verbreiteten. «Wegen Dominique Strauss-Kahn nennen sie mich eine Prostituierte», sagte die Frau. Sie verklagt die Zeitung «New York Post», weil diese Berichte abgedruckt hatte, in denen sie anonyme Quellen zitierte, die aussagten, die Frau habe Sex gegen Geld verkauft.

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