Jon Gnarr: Er war der coolste Bürgermeister der Welt
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Jon GnarrEr war der coolste Bürgermeister der Welt

Er verkleidet sich gern als Frau, ist Komiker, Punk – und war Bürgermeister von Reykjavik. Warum Jon Gnarr der mit Abstand lässigste Politiker war und warum er jetzt aufhört.

von
hum

Vor rund vier Jahren wurde der Komiker Jon Gnarr aus Versehen Bürgermeister von Reykjavik. Aus Frust über die damaligen Zustände in Island hatte er gemeinsam mit Musikerfreunden, Komikerkollegen und anderen die «Besti flokkurinn» – übersetzt «beste Partei» – gegründet. Sie versprachen nicht nur einen Eisbären für den Zoo, sondern auch offene Korruption, gratis Handtücher in allen Hallenbädern und weitere lustige Sachen. Sie versprachen zudem, dass Sie sämtliche Versprechen bei einer Wahl brechen würden. Reykjaviks Bürger waren offensichtlich genauso frustriert über die damalige Situation in Island wie Gnarr, denn die «beste Partei» gewann die Wahlen und ging eine Koalition mit den Sozialdemokraten ein.

Verfechter von Gay Pride

Da stand Jon Gnarr nun im Büro des Bürgermeisters und war selbst der Bürgermeister. Eines der ersten Dinge, die er in seinem neuen Büro aufhängte, war ein Druck des Streetart-Künstlers Banksy. Ausserdem liess er sich das Stadtwappen Reykjaviks auf den Unterarm tätowieren. Mit dabei war immer die ganze Welt. Denn Jon Gnarr hat alle per Social Media an seinem neuen Leben als Bürgermeister teilhaben lassen. Am Anfang noch auf Isländisch, dann ziemlich schnell auf Englisch, denn die Fangemeinde wurde immer grösser und internationaler. Mittlerweile zählt seine Facebook-Seite bereits mehr als 95'000 Fans, auf Twitter folgen ihm fast 10'000 Menschen.

Die besten Momente und Bilder aus vier Jahren Jon Gnarr als Bürgermeister von Reykjavik sind oben in der Bildstrecke gesammelt. Auch immer wieder lesenswert ist dieser Brief, den Gnarr an den Moskauer Bürgermeister schickte, als dort die Gay Pride abgeschafft wurde.

Lady Gaga gehört zu seinen Fans

Zudem hat Jon Gnarr ein Buch über seine Zeit als Bürgermeister geschrieben. Es heisst «Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!! Wie ich einmal Bürgermeister wurde und die Welt veränderte». Auf Amazon ist das Buch bereits ein Bestseller. Ob er die Welt wirklich verändert hat, bleibt abzuwarten, das sagt er auch selbst. Lady Gaga hat der Anarchist bereits von sich überzeugt: «Mehr Bürgermeister auf der Welt sollten wie Jon Gnarr sein.»

Zur Wiederwahl am letzten Mai-Wochenende hat sich Jon Gnarr nicht gestellt, denn: «Ich bin Künstler, kein Politiker.» Die Wahlen gewonnen haben nun die Sozialdemokraten. Die Schwester-Partei der «besten Partei», die «strahlende Zukunft», hat zwei von ehemals sechs Sitzen im Stadtrat halten können. Heute wird der neue Bürgermeister Reykjaviks das Büro beziehen. Ob der Banksy immer noch dort hängt?

Jon Gnarr wurde als Jón Gunnar Kristinsson geboren, liess sich aber später umbenennen. Als Jugendlicher besuchte er nach seinem Schulabbruch ein Internat für schwer Erziehbare. Er wurde früh Vater, seine älteste Tochter ist heute eine der bekanntesten Bodybuilderinnen Islands. Gnarr hat mehrere Bücher geschrieben und ist bekenntender Anarchist und Atheist.

Zu den grössten Erfolgen in seiner Bürgermeisterzeit nennt er die Tatsache, dass die beste Partei überhaupt überlebt hat, dass noch alle mit an Bord seien und, dass sie den angeschlagenen städtischen Energiekonzern gerettet haben. Dies fiel ihm laut eigenen Angaben nicht leicht, da auch Stellen gestrichen werden mussten. Zudem hat die Koalition erfolgreich den Staatshaushalt saniert.

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