Aktualisiert 17.07.2016 09:10

Couchepin über Erdogan«Er war eher kühl. Kalt sogar. Ein harter Mann»

Das Bild, das Alt-Bundesrat Pascal Couchepin vom türkischen Präsidenten Erdogan zeichnet, ist wenig schmeichelhaft.

von
rub
Als Bundespräsident auf Staatsbesuch in der Türkei: Pascal Couchepin (l.) wird vom damaligen türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan in Ankara begrüsst. (11. November 2008)

Als Bundespräsident auf Staatsbesuch in der Türkei: Pascal Couchepin (l.) wird vom damaligen türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan in Ankara begrüsst. (11. November 2008)

Keystone/AP Photo/Burhan Ozbilici

Für den früheren FDP-Bundesrat Pascal Couchepin ist der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nur an der Türkei und an seiner eigenen Macht in der Türkei interessiert. Dreimal hat Couchepin Erdogan getroffen, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt. Zweimal am World Economic Forum (WEF) in Davos und 2008 bei einem Staatsbesuch in der Türkei.

«Er war nicht sehr sympathisch als Gesprächspartner. Eher kühl. Kalt sogar», lässt sich Couchepin in der «Schweiz am Sonntag» zitieren. Erdogan sei «wirklich ein harter Mann», der kein Interesse für die menschliche Situation zeige. Der Alt-Bundesrat vergleicht Erdogan mit Putin. «Deshalb glaube ich, dass sie sich gut verstehen werden.»

Auf die Frage, ob er es selbst in drei Begegnungen nicht geschafft habe, eine persönliche Beziehung aufzubauen zu Erdogan, sagt Couchepin: «Das ist praktisch unmöglich.» Kein Politiker dieser Welt, der Erdogan getroffen habe, spreche danach von «meinem Freund Erdogan». Er sei nur interessiert an sich selbst. «Der Palast, den er gebaut hat, drückt das aus.»

EU-Mitgliedschaft in weiter Ferne

Dennoch glaubt Couchepin, es gäbe «keine Wahl»: «Man muss die Regierung als demokratisch gewählte Regierung akzeptieren.» Man müsse aber auf die Menschenrechte pochen.

Solange die Türkei hier keine Verbesserungen erreiche, könne sie nicht Bestandteil der europäischen Wertegemeinschaft werden. Das sieht Couchepin aber nur als einen ersten nötigen Schritt, eine Voraussetzung für eine künftige Integration in die EU: «Wohlverstanden: Ich spreche hier nicht von der EU. Bis dahin ist es ein noch weiterer Weg.» Er hoffe, Erdogan realisiere, «dass es keine andere Wahl gibt als eine gewisse Versöhnung auch unter den Türken».

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