Krieg in der Ukraine : «Er war erst 19 Jahre alt» – Angehörige von Moskwa-Besatzung sind verzweifelt

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Krieg in der Ukraine «Er war erst 19 Jahre alt» – Angehörige von Moskwa-Besatzung sind verzweifelt

Nachdem der russische Kreuzer Moskwa gesunken ist, suchen Angehörige verzweifelt nach ihren Liebsten. Oder zumindest nach Antworten. Doch diese erhalten sie von offizieller Seite wohl nie. 

von
Philippe Coradi
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Die Moskwa, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, bei der Einfahrt in die Bucht von Sewastopol.

Die Moskwa, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, bei der Einfahrt in die Bucht von Sewastopol.

AFP
Der Kreuzer wurde von zwei ukrainischen Raketen getroffen, bevor er im Schwarzen Meer sank.

Der Kreuzer wurde von zwei ukrainischen Raketen getroffen, bevor er im Schwarzen Meer sank.

REUTERS
Besatzungsmitglieder des gesunkenen Raketenkreuzers Moskwa stellen sich für ein Treffen mit dem Chef der russischen Marine, Admiral Nikolai Jewmenow, in Sewastopol auf der Krim auf. Das Bild stammt aus einem am 16. April 2022 veröffentlichten Video.

Besatzungsmitglieder des gesunkenen Raketenkreuzers Moskwa stellen sich für ein Treffen mit dem Chef der russischen Marine, Admiral Nikolai Jewmenow, in Sewastopol auf der Krim auf. Das Bild stammt aus einem am 16. April 2022 veröffentlichten Video.

via REUTERS

Darum gehts 

  • Russland hat das Kriegsschiff Moskwa im Kampf verloren. 

  • Wie viele Besatzungsmitglieder dabei gestorben sind, ist unklar. 

  • Nun suchen Angehörige von den Seeleuten nach Antworten. 

Russlands Präsident Wladimir Putin hat letzten Donnerstag sein Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte – die  Moskwa – verloren, der Raketenkreuzer ist gesunken. US-Angaben zufolge waren bis zu 500 Besatzungsmitglieder an Bord. Nach dem Untergang hat das Verteidigungsministerium in Moskau ein Video veröffentlicht, das Mitglieder der Besatzung zeigen soll.

Doch haben Hunderte russische Familien von Besatzungsmitgliedern noch nicht erfahren, ob ihr Familienmitglied im Dienst den ukrainischen Raketenangriff überlebt hat. Sofern sie überhaupt wissen, dass diese auf der Moskwa gedient haben. Nach offizieller russischer Darstellung ist auf der Moskwa ein Munitionslager in Brand geraten. Beim Abschleppen des Schiffs sei es in einem Sturm gesunken. Davor seien alle Besatzungsmitglieder evakuiert worden.

Informationen, die keine sind

Der «Guardian» schildert die Verzweiflung einer Mutter, der zwar mitgeteilt wurde, dass ihr Sohn gefallen ist, doch mehr Information erhält sie vom Verteidigungsministerium nicht. «Er war erst 19 Jahre alt, er war Wehrpflichtiger», sagte sie gegenüber der Zeitung. «Sie haben mir nichts weiter gesagt, auch nicht, wann die Beerdigung stattfinden würde. Ich bin sicher, dass er nicht der Einzige ist, der gestorben ist.»

Auch weitere Angehörige sind sich sicher, dass ihnen über die Umstände des Todes nicht die Wahrheit gesagt wurde. Darum fordern Familienangehörige von Seeleuten, die an Bord der Moskwa dienten, Antworten. 

Aufruf an die Öffentlichkeit

Einige Familien gehen noch einen Schritt weiter und  haben sich sogar an die Öffentlichkeit gewandt. Der Vater eines 21-jährigen Sohnes, der als Schiffskoch gearbeitet hat, bittet Nutzerinnen und Nutzer der sozialen Medien, seinen Hilferuf nach mehr Informationen zu teilen. Andere Eltern haben sich zusammengeschlossen und fordern «schriftliche Antworten auf unsere Fragen nach dem Verbleib unserer Kinder, keine Textnachrichten mit Bildern und Gebetswünschen». 

Konkrete Antworten werden sie wohl nie erhalten. Im Gegenteil, die Gesamtzahl der Toten, Verwundeten und Vermissten bleibt wohl ein Staatsgeheimnis.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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