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«Er war ganz ruhig und starb sofort»

Der ehemalige irakische Diktator Saddam Hussein ist im Morgengrauen gehängt worden. Während die Lage im Irak vorerst noch ruhig ist, steigt die Angst vor einer Explosion neuer Gewalt. Inzwischen zeigte das irakische Fernsehen Bilder von der Exekution und der Leiche Saddams.

Knapp zwei Monate nach dem Todesurteil wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit starb der irakische Expräsident in Bagdad den Tod durch den Strang. Die Hinrichtung verlief nach Aussagen von Augenzeugen schnell und ruhig. «Er machte einen ruhigen Eindruck und starb sofort», sagte ein irakischer Regierungsvertreter.

Saddam Hussein habe einen schwarzen Anzug getragen, keine Gefangenenkleidung, sagte der irakische Regierungsberater Sami al Askari. Saddam sei gefragt worden, ob er noch etwas zu sagen habe, und dies verneint. Er habe im Beisein eines sunnitischen Geistlichen ein Gebet nachgesprochen, sagte Al Askari. Am Galgen habe er sich geweigert, seinen Kopf bedecken zu lassen, und gerufen: «Gott ist gross. Die Nation wird siegen, und Palästina ist arabisch.» Die Hinrichtung erfolgte gegen 06.00 Uhr (04.00 Uhr MEZ).

Bilder von Saddams Leiche

Das irakische Fernsehen hat wenige Stunden nach der Hinrichtung Videobilder ausgestrahlt. Auf den Bildern war zu sehen, wie Saddam von zwei schwarz maskierten Henkern zum Galgen geführt wurde.

Der verurteilte Ex-Präsident war mit einem weissen Hemd und einer schwarzen Jacke bekleidet, die Augen waren nicht verbunden. Die Henker legten ihm einen Strick um den Hals. Danach endete die Übertragung. Bilder vom Todeskampf Saddam Husseins wurden nicht gezeigt.

Das irakische Fernsehen hat danach Bilder von der Leiche gezeigt. Der Mann, der von den Sendern Massar und Biladi als Saddam Hussein identifiziert wurde, lag bekleidet mit einem weissen Hemd auf einer Bahre. Sein Kopf war nicht bedeckt und sein Hals verdreht. Am Hals und Teilen des Leichenhemds schienen Blutflecken zu sehen. Die Augen der Leiche waren geschlossen.

Zum Tode verurteilt

Saddam Hussein war am 5. November wegen eines Massakers 1982 zum Tod verurteilt worden. In der Ortschaft Dudschail wurden damals 148 Schiiten offenbar als Vergeltung für einen Attentatsversuch auf Saddam Hussein getötet. Ein Berufungsgericht hatte das Urteil am vergangenen Dienstag bestätigt. Auch gegen den ehemaligen Geheimdienstchef Barsan Ibrahim - ein Halbbruder des 2003 gestürzten Präsidenten - und der frühere Vorsitzende des Revolutionsgerichts, Awad Hamed al Bandar, wurde die Todesstrafe verhängt. Diese Urteile seien aber noch nicht vollstreckt, berichteten sowohl Al Rubaie als auch Al Askari und der Richter Munir Haddad. Irakija hatte zuvor gemeldet, dass auch die beiden Mitangeklagten hingerichtet worden seien.

Die Anwälte Saddams bestätigten die Hinrichtung. Wie Anwalt Curtis Doebbler dem US-Sender CNN sagte, wolle die irakische Regierung den Leichnam Saddams nicht der Familie übergeben, sondern in einem anonymen Grab beisetzen.

Dagegen forderte eine Tochter Saddams die vorübergehende Beisetzung im Jemen. Wenn es die politischen Verhältnisse erlauben, solle ihr Vater dann später im Irak seine letzte Ruhe finden.

Nervenkrieg bis zuletzt

Saddam war wenige Stunden vor der Hinrichtung aus amerikanischem Gewahrsam den irakischen Behörden übergeben worden. Dies war eine Voraussetzung für die Vollstreckung des Urteils. In letzter Minute lehnte ein Bezirksgericht in Washington zudem einen Antrag der Anwälte Saddams ab, die einen Aufschub der Exekution anpeilten.

Saddam Hussein beherrschte den Irak als Staats- und Parteichef fast 24 Jahre lang mit harter Hand. Im April 2003 war er von einer US-geführten Streitmacht gestürzt worden.

Nach der Einnahme Bagdads versteckte er sich in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit, wo er erst im Dezember 2003 von US-Soldaten in einem Erdloch entdeckt wurde. Im Oktober 2005 wurde der Prozess gegen den gestürzten Diktator und sieben seiner Gefolgsleute vor dem Sondertribunal in Bagdad eröffnet.

Lage vorerst ruhig

In der Hauptstadt Bagdad herrschte in den ersten Stunden nach Bekanntgabe der Hinrichtung weitgehend Ruhe. Auch in den mehrheitlich schiitischen Stadtteilen habe es keine Freudenausbrüche gegeben, berichteten Augenzeugen. Nur vereinzelt seien unmittelbar nach Bekanntgabe Salutschüsse zu hören gewesen.

(sda/ap)

Saddams Leben

28.4.1937: Saddam Hussein al Tikriti wird im Dorf Uja nahe der Stadt Tikrit geboren.

1957: Beitritt zur Sozialistischen Baath-Partei, die damals im Untergrund agiert.

17.7.1968 Sturz des Militärregimes durch Mitglieder der Baath-Partei.

30.7.1968: Eintritt Saddam Husseins in die Regierung, verantwortlich für innere Sicherheit.

16.7.1979: Amtsantritt als Präsident, Beginn von Säuberungsaktionen in der Baath-Partei.

22.9.1980: Entsendung von Truppen in den Iran, Beginn des achtjährigen Krieges gegen das Nachbarland.

28.3.1988: Einsatz von Giftgas in der kurdischen Stadt Halabdscha; schätzungsweise 5.000 Bewohner werden getötet.

2.8.1990: Invasion in Kuwait.

17.1.1991: Beginn des von den USA geführten Golfkriegs zur Befreiung Kuwaits.

März 1991: Im Anschluss an die militärische Niederlage erheben sich die Schiiten im Süden und die Kurden im Norden. Die Aufstände werden gewaltsam niedergeschlagen, doch erlangen die Minderheiten unter dem Schutz eines alliierten Flugverbots faktische Autonomie.

17.4.1991: Saddam Hussein akzeptiert die Auflagen der UN-Resolution 687 zur Beendigung des Golfkriegs. Dazu gehören ein Verzicht auf Massenvernichtungswaffen und die Bereitschaft zu Inspektionen seitens der Vereinten Nationen.

16.12.1998: Amerikanische und britische Luftangriffe nach Abreise der UN-Inspekteure wegen mangelnder Zusammenarbeit mit der Regierung.

7.12.2002: Saddam Hussein erklärt den Vereinten Nationen, dass der Irak über keine Massenvernichtungswaffen verfügt. Die USA bezeichnen dies als unglaubwürdig.

20.3.2003: Invasion der US-Streitkräfte mit Unterstützung von Grossbritannien und weiteren Staaten, gleichzeitig Luftangriffe auf Bagdad und andere Städte.

9.4.2003: US-Truppen erobern Bagdad. Einwohner stürzen Statuen des Präsidenten um. Dieser taucht unter.

22.7.2003: Die Söhne Saddam Husseins, Kusai und Odai, werden in einem Gefecht mit US-Truppen getötet.

13.12.2003: Saddam Hussein wird in einem Erdloch in Adwar bei Tikrit von US-Soldaten gefangen genommen.

30.6.2004: Die USA übergeben Saddam Hussein der irakischen Justiz, die einen Prozess gegen ihn vorbereitet.

19.10.2005: Beginn des Prozesses wegen eines Massakers an Schiiten in den 80er Jahren.

5.11.2006: Saddam Hussein wird wegen dieses Massakers zum Tod durch den Strang verurteilt.

7.11.2006: Zwei Tage nach der Urteilsverkündung beginnt ein zweiter Prozess wegen Völkermords an irakischen Kurden.

26.12.2006: Ein Berufungsgericht bestätigt das Todesurteil gegen Saddam Hussein.

30.12.2006: Saddam Hussein wird hingerichtet. (ap)

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