Tötungsdelikt Buchs SG: «Er war impulsiv und wurde schnell aggressiv»
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Tötungsdelikt Buchs SG«Er war impulsiv und wurde schnell aggressiv»

N. O.* (24) soll am 23. Februar seine 22-jährige Verlobte L. G.* getötet haben. Nun packt ein Ex-Mitarbeiter von O. aus: Bei der Arbeit gehörte das aggressive Verhalten von O. zur Tagesordnung, sagt er.

von
Nathan Keusch
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N.O. (24) soll am 23. Februar seine 22-jährige Verlobte L.G. getötet haben.

N.O. (24) soll am 23. Februar seine 22-jährige Verlobte L.G. getötet haben.

In diesem Haus lebte das Paar mit ihrer 1,5-jährigen Tochter M.*. In der Pizzeria im Erdgeschoss arbeitete O. als Filialleiter. Ein Ex-Mitarbeiter beschreibt ihn als aggressiv und impulsiv.

In diesem Haus lebte das Paar mit ihrer 1,5-jährigen Tochter M.*. In der Pizzeria im Erdgeschoss arbeitete O. als Filialleiter. Ein Ex-Mitarbeiter beschreibt ihn als aggressiv und impulsiv.

Blick auf die Terrasse des Paares, wo das Kind der 22-jährigen Bündnerin oft spielte.

Blick auf die Terrasse des Paares, wo das Kind der 22-jährigen Bündnerin oft spielte.

Darum gehts

  • Am 23. Februar wurde in Buchs eine 22-jährige Bündnerin getötet.

  • Der mutmassliche Täter ist ihr Verlobter N.O.

  • Ein Ex-Mitarbeiter erzählt, dass O. bei der Arbeit schnell aggressiv wurde.

Nach dem Tötungsdelikt in Buchs SG meldet sich nun ein ehemaliger Mitarbeiter des mutmasslichen Täters zu Wort. Er sei bei der Arbeit mit seinem aggressiven Verhalten aufgefallen, sagt K.T.* der bis zum letzten Frühling als Pizzakurier in derselben Pizzeria wie N.O.* gearbeitet hat.

O. wurde am 23. Februar von der Polizei festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, seine Verlobte L.G.* getötet zu haben. Die 22-jährige Mutter wurde zwar reanimiert, erlag aber noch vor Ort ihren Verletzungen.

«Impulsiv und aggressiv»

Ehemalige Klassenkameraden beschrieben den mutmasslichen Täter als Klassenclown und Spassvogel, der nie negativ aufgefallen sei. Sein Ex-Mitarbeiter T. zeichnet aber ein ganz anderes Bild: «Er war impulsiv und zu Mitarbeitenden schnell aggressiv», sagt er zu 20 Minuten. «Da wurde schon bei Kleinigkeiten auf die Theke gehauen und es flogen Gegenstände durch die Küche.» Wenn Kunden im Lokal anwesend waren, sei O. aber stets ruhig und freundlich geblieben.

Hinter den Kulissen soll aber ein ganz anderer Ton geherrscht haben: «Fluchworte und Schreien gehörten zur Tagesordnung», erzählt der ehemalige Pizzakurier weiter. Dies sei so weit gegangen, dass er Mitarbeiterinnen zum Weinen gebracht hätte. Die Belegschaft habe sich immer vor dem nächsten Wutausbruch gefürchtet, sagt T. «Mit einem Ex-Angestellten hatte er gar eine Schlägerei vor der Pizzeria, weil er ihm den Lohn nicht auszahlen wollte.»

Ein anderer Vorfall ist T. besonders in Erinnerung geblieben: «Ein Kunde fragte nach einem Rabatt, da bei seiner letzten Lieferung etwas falsch war.» In Absprache mit dem Telefonisten habe T. die nächste Lieferung dann zu einem reduzierten Preis ausgehändigt. «Daraufhin explodierte O. und wollte den Namen des Kunden, um sich diesen ‹ganz gut zu merken›.» Der Filialleiter habe darauf bestanden, dass beim Kunden der volle Betrag einzuholen sei. «Um die Situation zu entschärfen, habe ich die Differenz dann aus der eigenen Tasche bezahlt.»

«Überarbeitet und gestresst»

O. wohnte gleich über der Pizzeria, in der er als Filialleiter gearbeitet hatte. «Er war dauergestresst und hatte praktisch nie Feierabend», sagt T. Letztes Jahr sei O. dermassen überarbeitet gewesen, dass ihm von der Geschäftsleitung Zwangsferien aufgebrummt worden seien. «Dieser Druck muss sich wohl auch ins Private übertragen haben.» Aufgrund von O.’s aggressiven Verhalten, sei T. nicht überrascht gewesen, als er vom Tod seiner Verlobten L.G. gehört hatte. «Trotzdem war ich schockiert», sagt der Ex-Mitarbeiter.

Wie die Staatsanwaltschaft St. Gallen auf Anfrage mitteilt, befindet sich O. weiterhin in U-Haft. Das Verfahren werde nun durch die Staatsanwaltschaft geführt und die Untersuchungen seien am Laufen. Weitere Aussagen seien momentan nicht möglich, sagt eine Sprecherin.

*Namen der Redaktion bekannt

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Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

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