Aktualisiert 07.06.2012 13:00

Trauer in Bern«Er war mit Leib und Seele Politiker»

Der Tod von FDP-Nationalrat Otto Ineichen hat bei seinen Kollegen im Bundeshaus grosse Betroffenheit ausgelöst. Für sie ist klar: Die Politik hat einen grossen Macher verloren.

von
Jessica Pfister

Am Dienstag noch sass FDP-Nationalrat Otto Ineichen auf seinem Ratsstuhl in Bern, diskutierte mit Parteikollegen über neue Ideen und schmiedete Pläne. Seit Mittwoch ist klar: Der Unternehmer aus Sursee wird nie mehr auf seinen Platz zurückkehren. Für seine Parteifreunde ein Schock. Man habe zwar gewusst, dass Ineichen unter Herzproblemen litt, sagt Doris Fiala, die vier Jahre lang seine Sitznachbarin war. Doch mit einem so plötzlichen Tod habe niemand gerechnet. «Mit ihm verlieren wir einen Menschen, der mit Leib und Seele Politiker war», so die FDP-Nationalrätin.

Betroffen zeigt sich auch Ineichens freisinnige Kollegin Christa Markwalder. Die junge Nationalrätin beschreibt den 71-Jährigen als Macher, der auch immer mal wieder aneckte. «Er war sicher ein Querkopf. Doch durch diese Eigenschaft gelang es ihm immer wieder, breite Allianzen zu schmieden.» Dafür sei Geduld sicher nicht seine Stärke gewesen. Er sei es sich als Unternehmer gewohnt gewesen, Entscheide schnell zu fällen. Dass dies im Ratsbetrieb oft nicht möglich war, habe ihn geärgert. «Sein Humor half ihm dann aber über solche Momente hinweg.»

«Kannte keine Parteigrenzen»

Auch bei Weggefährten aus anderen Parteien ist man voll des Lobes für Ineichen. «Er war ein sehr charismatischer Politiker, der nicht nur viele Ideen hatte, sondern diese auch anpackte», sagt SP-Nationalrätin Prisca Birrer-Heimo, die wie Ineichen aus dem Kanton Luzern stammt.

Einer, den die Nachricht von Ineichens Tod besonders erschüttert hat, ist sein Luzerner Freund und CVP-Nationalrat Ruedi Lustenberger. «Es reut mich unheimlich um ihn - als Mensch und Politiker», sagt er sichtlich aufgewühlt. Wohl kein anderer habe so viele Ideen angerissen und mehrheitsfähige Lösungen gesucht. «Er war sicher kein Detaillist, aber die grossen politischen Würfe - da war er unschlagbar.»

Lustenberger nennt als Beispiel den Verein Energieallianz, den Ineichen 2008 gegründet hat mit dem Ziel, Projekte für den Energieverbrauch anzustossen und zu finanzieren. Dass er dafür von den Grünen bis zur SVP von jeder Partei jemanden mit ins Boot holen konnte, sei laut Lustenberger typisch gewesen. «Für Otto gab es keine Parteigrenzen, viel wichtiger war für ihn sein Weg - und den ist er bis zum Schluss beharrlich gegangen.»

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