26.10.2020 23:01

Heli-Absturz am Breithorn«Er war so stark unterkühlt, dass er nicht ansprechbar war»

Der Italiener Giorgio O. und sein Kollege Alfredo B. stürzten am Sonntagnachmittag mit dem Helikopter in den Walliser Bergen ab. Rettungsspezialist Anjan Truffer erzählt von der schwierigen Bergung.

von
Anna Meier

Die Rettungskräfte suchten zu Fuss im Schnee stundenlang nach dem verunglückten Helikopter. Das Gelände war für den Schneetöff unzugänglich.

AostaNews.it

Darum gehts

  • Am Sonntag gegen 16 Uhr stürzte ein Helikopter unweit von Chevinia ab.

  • An Bord befanden sich zwei Italiener, die sich auf dem Rückflug von einem Skitag befanden.

  • Nach einer schwierigen Suchaktion wurde das Wrack gefunden. Giorgio O. wurde stark unterkühlt, aber lebend geborgen.

  • Alfredo B. starb beim Absturz.

Er harrte in Eiseskälte und dunkler Nacht auf 3000 Metern Höhe aus: Giorgo O. wurde nach dem Helikopterabsturz am Breithorn am Sonntag lebend aufgefunden. «Dass er über sieben Stunden bei minus vier Grad überlebt hat, ist ein Glücksfall», sagt Rettungsspezialist Anjan Truffer von der Rettungszentrale in Zermatt. Der zweite Mann im Helikopter, Alfredo B., kam beim Absturz ums Leben.

Die beiden Italiener aus Brescia waren am Sonntag für einen Skitag nach Cervinia geflogen. Der Helikopter Robinson R44, mit dem sie die Lombardei verlassen hatten, war wie üblich an der Skistation parkiert. Das Unglück passierte auf dem Rückflug.

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Bei dem Helikopterabsturz am Sonntag kam Alfredo B. ums Leben.

Bei dem Helikopterabsturz am Sonntag kam Alfredo B. ums Leben.

Air Zermatt
Die Rettungskräfte konnten Giorgio O. aus dem Helikopter retten.

Die Rettungskräfte konnten Giorgio O. aus dem Helikopter retten.

Air Zermatt
Der Italiener lag über sieben Stunden im Schnee.

Der Italiener lag über sieben Stunden im Schnee.

Air Zermatt

Ungenaues GPS-Signal

Die Rettungsaktion gestaltete sich schwierig: Sie hätten die Opfer per GPS-Signal geortet, berichtet die Guardia di Finanza Cervinia auf Anfrage. «Die Ortung war schwierig, weil es neblig war.»

Um 19.45 Uhr ging der Alarm bei Air-Zermatt ein. Mit einem weiteren Rettungsspezialisten startete Truffer die Suchaktion mit einem Helikopter der Air-Zermatt. Unterstützt durch einen Super-Puma-Helikopter der Schweizer Armee mit Nachtsichtgeräten und Wärmebildkamera begaben sie sich zur vermuteten Unfallstelle am Breithorn.

Wrack bei Sessellift gefunden

Der dichte Nebel zwang das Rettungsteam, die Luftsuche zu unterbrechen und mit dem Schneetöff und zu Fuss weiterzusuchen. «Das war im tiefen Schnee und mit dem dichten Nebel sehr mühsam und dauerte lange», erzählt Truffer. Ungefähr gegen 23 Uhr erreichte das Einsatzteam die Absturzstelle beim Sessellift Lago Goillet unweit von Cervinia.

Im Wrack dann der tragische Fund: Alfredo B. hatte den Absturz nicht überlebt. Zu seiner Überraschung fand das Rettungsteam aber den zweiten Passagier, Giorgo O., lebend vor. «Er war bei Bewusstsein, aber so stark unterkühlt, dass er nicht richtig ansprechbar war», sagt Rettungsspezialist Truffer. Der Italiener habe unglaubliches Glück gehabt: Seine Körperkerntemperatur lag nur noch bei 31 Grad. Die Einsatzkräfte kümmerten sich um die Erstversorgung des Patienten und alarmierten den Rettungshelikopter. Dieser flog Giorgo O. umgehend ins Berner Inselspital, sein Zustand ist nach wie vor kritisch.

Da sich das Unglück auf italienischem Zuständigkeitsgebiet ereignete, übernahmen die italienischen Behörden nun die Abklärungen des Falls. Mittlerweile ist klar, dass der Helikopter gegen 16 Uhr abgestürzt ist, die Ursache ist noch nicht bekannt.

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