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Aufklärung im AuslandEr will Geld für Kampagne gegen rumänische Diebe

Damit junge Rumänen nicht als Kriminaltouristen in die Schweiz kommen, hat ein Bezirksrichter eine Kampagne vor Ort gestartet. Bund und Kantone lassen ihn jedoch im Regen stehen.

von
Laly Zanchi
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Michael Derrer begleitet Schweizer Unternehmen bei der Expansion nach Osteuropa. Daneben unterrichtet er Wirtschaft an der Hochschule Luzern. Als Laienrichter ist er an rund zwei Tagen pro Monat am Bezirksgericht Rheinfelden tätig. Daneben dolmetscht er für die Justiz.

Michael Derrer begleitet Schweizer Unternehmen bei der Expansion nach Osteuropa. Daneben unterrichtet er Wirtschaft an der Hochschule Luzern. Als Laienrichter ist er an rund zwei Tagen pro Monat am Bezirksgericht Rheinfelden tätig. Daneben dolmetscht er für die Justiz.

ZVG
Derrer kennt Rumänien bereits seit über 25 Jahren. Er hat ein Jahr dort studiert und auch die Sprache gelernt.

Derrer kennt Rumänien bereits seit über 25 Jahren. Er hat ein Jahr dort studiert und auch die Sprache gelernt.

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Seine Kampagne, um Kriminaltouristen vor einer Reise in die Schweiz abzuhalten, findet in Rumänien offenbar Anklang. Bereits haben diverse Medien darüber berichtet.

Seine Kampagne, um Kriminaltouristen vor einer Reise in die Schweiz abzuhalten, findet in Rumänien offenbar Anklang. Bereits haben diverse Medien darüber berichtet.

Screenshot ordineazilei.ro

Derzeit wird am Bezirksgericht in Yverdon der Fall eines Rumänen verhandelt, der mit zwei Kollegen bei Detailhändlern Whiskey und Uhren im Wert von über 11'000 Franken erbeutet hat. Dem Mann drohen bis zu 16 Monate Haft und wohl auch die Wegweisung. Vor dem Richter sagte er laut «24 heures»: «Als ich das erste Mal erwischt wurde, bekam ich nur eine Busse. Also dachte ich mir, es sei wohl nicht so schlimm.»

«Es gibt viele ähnliche Fälle», sagt der Aargauer Bezirksrichter Michael Derrer: «Dass die Strafe bei organisierter Kriminalität hier strenger ausfällt, ist manchen rumänischen Delinquenten gar nicht bewusst.» Oft werde den Tätern auch von kriminellen Banden vorgegaukelt, dass die Justiz in der Schweiz extrem lasch sei, sagt Derrer. Wenn sie dann doch geschnappt werden, würden sie aus allen Wolken fallen. «Die Dauer und strenge Reglementierung der Untersuchungshaft überrascht viele.»

Kampagne in Rumänien gestartet

Derrer hat darum auf eigene Faust ein Präventionsprojekt in Rumänien gestartet. «Ich räume in den rumänischen Zeitungen mit dem Vorurteil der zahnlosen Schweizer Justiz auf. »

Er ist überzeugt, dass Aufklärung manche rumänische Kriminaltouristen von einer Reise in die Schweiz abhalten könnte. Die Kampagne sei in Rumänien auf fruchtbaren Boden gefallen. Sie wurde schon in über 30 rumänischen Zeitungen abgedruckt. Nun würde Derrer das Projekt gerne fortführen und ausbauen. Er plant unter anderem eine Studie über die genaue Herkunft der Kriminaltouristen. «Dann können wir die Information noch direkter an die gefährdeten Personen vermitteln.»

Weil viele der Kriminaltouristen sehr jung sind, will Derrer zudem ein Informationsvideo für Youtube produzieren. Dieses soll zeigen, dass die Schweizer Justiz Kriminaltouristen konsequent bestraft.

Keine Unterstützung erhalten

Derrer sucht nun nach Geldern für sein Projekt. Sowohl beim Bundesamt für Polizei (fedpol) als auch bei der Kantonalen Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD) blitzte er aber ab. Beim Bund hiesse es, Diebstähle und Einbrüche gehörten in die Kompetenz der Kantone. Auf Kantonsebene sei ihm gesagt worden, dass für Projekte im Ausland der Bund zuständig sei.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Fedpol-Sprecherin Lulzana Musliu, dass die Gesetzesgrundlage für die Finanzierung von Kampagnen im Ausland fehlt. Und KKJPD-Generalsekretär Roger Schneeberger sagt: «Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass das Projekt eine positive Wirkung haben könnte.» Doch die Kantone seien nicht zuständig. Er habe Derrer darum an das Staatssekretariat für Migration verwiesen. Da die Budgets der Behörden im Moment sehr knapp seien, sei es aber generell schwierig, für neue Projekte Kredite zu bekommen.

Niemand fühlt sich zuständig

Bei Derrer stösst dies auf Unverständnis; «Bereits mit 50'000 Franken könnte man in Rumänien wirksame Präventionsarbeit leisten.» Dies sei identisch mit den Kosten, die ein einzelner Kriminaltourist bei einer Festnahme und sechs Monaten Untersuchungshaft verursachen würde. Polizeifahndung, Gefängnisaufenhalt und der Pflichtverteidiger verschlängen nämlich Unsummen.

Dass sich niemand zuständig fühlt, frustriert ihn. « Wenn man einfach von einer Stelle an die andere verwiesen wird, gehen gute Vorschläge unter.».

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