Italienkenner skeptisch: «Er wird einen Trick anwenden»
Aktualisiert

Italienkenner skeptisch«Er wird einen Trick anwenden»

SF-Korrespondentin Franziska
Ingold und Komiker Massimo Rocchi trauen der Rücktrittsankündigungen des «Cavaliere» noch nicht ganz. Bis zum Ende der Ära Berlusconi, sei es noch ein langer Weg.

von
sma
Franziska Ingold ist SF-Korrespondentin in Rom.

Franziska Ingold ist SF-Korrespondentin in Rom.

Frau Ingold*, ist die Ära Berlusconi in Italien endgültig vorbei?

Franziska Ingold: Ich glaube nicht, dass Berlus­coni zurücktreten wird. Ich bin überzeugt, dass er noch einen Trick anwenden wird, um an der Macht zu bleiben – solch ein Verhalten hat er in der Vergangenheit schon mehrmals gezeigt. Warum also nicht auch jetzt?

Er hat einen sehr schweren Stand. Im Parlament fehlt ihm die Mehrheit.

Dass er das absolute Mehr im Parlament verloren hat, wird ihm auf längere Sicht das Bein stellen. Er nahm dieses Ergebnis gestern sehr konsterniert zur Kenntnis. Für mich ist es ein Rücktritt auf Raten.

Wie haben die Italiener auf die Ankündigung Berlusconis reagiert?

Die Stimmung in Rom ist sehr depressiv. Auch hier können die Menschen wohl noch nicht richtig glauben, dass Berlus­coni tatsächlich Geschichte ist. Vielmehr fragen sie sich, wie es nun weitergeht.

Wie geht es denn weiter?

Das Sparpaket muss so ausgearbeitet werden, dass es im Parlament eine Mehrheit findet. Wenn Berlusconi das Gesetz durchbringt und dann tatsächlich abtritt, würde er das Gesicht zumindest nicht ganz verlieren. (sma/20 Minuten)

Rocchi will sich noch nicht freuen

Es ist noch ein langer Weg, bis die Ära Berlusconi vorbei ist. Davon ist Komiker Massimo Rocchi überzeugt. «Es braucht Zeit, bis aus einem Tier Salami wird. Dazu muss es zuerst geschlachtet werden», sagt der 54-Jährige und fährt mit einem Seitenhieb fort: «Ich wollte nicht das Wort Schwein benutzen, aber im Salami ist bestimmt auch Schweinefleisch.» Richtig freuen könne er sich erst, wenn alles amtlich sei. «Ich glaube aber, dass die Europäer glücklicher wären über einen definitiven Schlussstrich als die Italiener. Das Problem in Italien ist, dass es keine wirkliche Alternative gibt.» Für die Zukunft wünscht sich ­Rocchi, dass seine Landsleute Selbstverantwortung übernehmen: «Sie sollen die Hoffnung nicht in einen Menschen setzen, sondern in sich als Volk.»

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