Aktualisiert 08.03.2013 09:31

GerichtsfallEr wollte dem Vater als Dealer Eindruck machen

Kiloweise hat der Zürcher Clubbesitzer Danilo P.* «Gras» gezüchtet und verkauft. Er habe damit auch seinem Vater imponieren wollen. Nun wurde der 28-Jährige verurteilt.

von
Roman Hodel
Der Zürcher Clubbesitzer Danilo P. baute vier Indoor-Marihuana-Anlagen (Symbolbild) auf.

Der Zürcher Clubbesitzer Danilo P. baute vier Indoor-Marihuana-Anlagen (Symbolbild) auf.

Einen schwunghaften Marihuanahandel betrieb der 28-jährige Danilo P. zusammen mit Komplizen. Dazu gehörten vier professionelle Indoor-Hanfanlagen in Egg ZH, Gränichen AG, Oberflachs AG und Büren BE. Der Teilhaber und Geschäftsführer eines Zürcher Clubs züchtete, verkaufte oder rauchte von 2009 bis 2012 rund 12 Kilogramm Marihuana. Und das alles während der Probezeit von zwei einschlägigen Vorstrafen. Im Februar 2012 flog das Ganze auf – die Polizei nahm ihn und weitere Personen fest, schloss die Anlagen, konfiszierte Tausende Hanfpflanzen und sperrte ein Konto von Danilo P. mit gegen 50'000 Franken Guthaben. Der Beschuldigte sass fünf Monate in Untersuchungshaft.

Gestern wurde der Schweizer vom Bezirksgericht Zürich wegen mehrfachen Verbrechens und mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz zu 22 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt – absitzen muss er diese nicht, sofern er sich in den nächsten vier Jahren nichts mehr zu Schulden kommen lässt. Damit folgten die Richter in grossen Teilen den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Bande oder nicht?

Strittig war vor allem, ob Danilo P. als Mitglied einer Bande handelte, was sich auf das Strafmass erhöhend auswirkt: «Die Bandenmässigkeit ist gegeben – bei allen Anlagen waren mehrere Personen aktiv», befand Staatsanwalt Thomas Keller. Zudem seien die Anlagen professionell gewesen und die kriminelle Energie des Beschuldigten mit Blick auf die einschlägigen Vorstrafen «im oberen Bereich».

Anders sah es dessen Verteidiger Martin Tobler, der auf 14 Monate Freiheitsstrafe plädierte: «Mein Mandat hat primär mit einer Person zusammengearbeitet, für eine Bande braucht es aber mindestens drei.» Zudem sei Danilo P. nicht profitorientiert vorgegangen. «Einen Teil des Marihuanas verschenkte er oder rauchte es selber.» Die Richter entschieden schliesslich in zwei von vier Fällen auf bandenmässiges Handeln. «Zwei Personen genügen laut Bundesgericht für eine Bande», so die Gerichtsvorsitzende.

«Habe mit Hanf abgeschlossen»

Vor Gericht sagte Danilo P.: «Ich bereue meine Fehler.» Er sei damals einfach in die Sache reingerutscht. «Ich mag diese Pflanze und rauchte gern und viel», begründete der gemäss Anklageschrift als Künstler tätige Beschuldigte den Aufbau mehrerer Indoor-Anlagen. «Zudem wollte ich meinem Vater beweisen, dass auch ich geschäftlich etwas erreichen kann.» Gewusst habe dieser – ein Schweizer, der laut Danilo P. im Ausland lebt – nichts vom Gras. Der wohlhabende Vater helfe ihm jetzt auch beim Abzahlen der Schulden. Und er beteuerte: «Mit Hanf habe ich definitiv abgeschlossen.»

Die Gerichtsvorsitzende mahnte ihn denn auch: «Sie sind jetzt happig vorbestraft – sollte es ein nächstes Mal geben, haben Sie gute Chancen, eine zünftige, unbedingte Strafe zu kassieren.»

*Name geändert

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