Urteil: Er wollte ins Gefängnis, doch er darf nicht
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UrteilEr wollte ins Gefängnis, doch er darf nicht

Ein Mann nahm ein Messer mit ins Sozialamt und wollte die Sozialarbeiterin erstechen damit er ins Gefängnis kommt. Die Richter sprachen ihn nun frei.

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Aus Angst, dass ihm die Sozialhilfe eingestellt und die Wohnung gekündigt wird, hat ein 34-Jähriger ein Messer ins Sozialamt in Luzern mitgenommen. Er wollte seine Sozialarbeiterin erstechen.

Aus Angst, dass ihm die Sozialhilfe eingestellt und die Wohnung gekündigt wird, hat ein 34-Jähriger ein Messer ins Sozialamt in Luzern mitgenommen. Er wollte seine Sozialarbeiterin erstechen.

Gerichte Luzern
«Ich habe darauf gehofft, dass ich ins Gefängnis komme. Dort hätte ich ein Dach über dem Kopf, und das Problem mit dem Sozialamt wäre auch weg gewesen», sagte der Beschuldigte.

«Ich habe darauf gehofft, dass ich ins Gefängnis komme. Dort hätte ich ein Dach über dem Kopf, und das Problem mit dem Sozialamt wäre auch weg gewesen», sagte der Beschuldigte.

Gerichte Luzern
«Ich war nervlich am Ende, wurde in die Enge getrieben vom Sozialamt. Da musste ich einen extremen Hilferuf rausschreien.»

«Ich war nervlich am Ende, wurde in die Enge getrieben vom Sozialamt. Da musste ich einen extremen Hilferuf rausschreien.»

Gerichte Luzern

Ein heute 34-jähriger Mann hatte im Februar 2017 ein Messer ins Sozialamt mitgenommen und sich vorgestellt, die Sozialarbeiterin zu erstechen, um ins Gefängnis zu kommen. Die Tat beging der langjährige Sozialempfänger aber nicht.

Der Staatsanwalt sah darin einen versuchten Mord oder versuchte vorsätzliche Tötung und wollte den Angeklagten für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis stecken lassen. Dieser hatte vor Gericht erklärt, er sei jahrelang vom Sozialamt schikaniert worden. Zum Tatzeitpunkt habe er eine erneute Einstellung der Sozialhilfe und den Verlust seiner Wohnung befürchtet.

Die Tat war ein Hilfeschrei

«Ich habe darauf gehofft, dass ich ins Gefängnis komme. Dort hätte ich ein Dach über dem Kopf, und das Problem mit dem Sozialamt wäre auch weg gewesen.» Daher trug er beim Treffen mit der Sozialarbeiterin ein verbotenes Schmetterlingsmesser auf sich.

Die Gedanken in seinem Kopf seien gekreist, er habe sich auch bildlich vorgestellt, die Frau in den Hals zu stechen. Gleichzeitig aber habe er gewusst, dass das falsch sei, deshalb habe er es auch nicht ausgeführt. Anschliessend ging er zur Polizei und wurde festgenommen. Sein Anwalt hatte das Vorgehen als Hilfeschrei verteidigt. «Fakt ist, dass der Angeklagte die Tat nicht ausführte», sagte er. Die Unschlüssigkeit seines Mandanten sei Zeichen von Hemmung und Skrupel.

Er hatte Ersatzkleidung fürs Gefängnis dabei

Seiner Forderung nach einem Freispruch vom Vorwurf des versuchten Mordes oder der versuchten vorsätzlichen Tötung kamen die Richter nun nach. Der Staatsanwalt hatte die Schwelle zum Versuch als überschritten taxiert, weil der Beschuldigte mit dem Messer das Büro der Sozialarbeiterin betrat. Zudem habe er im Vorfeld die Tat detailliert geplant und vorbereitet – so recherchierte er vorab etwa nach dem Strafmass für Mord, setzte seinen Computer neu auf und packte Ersatzkleidung für die Zeit im Gefängnis.

Dass er nicht zur Tat schritt, sei der unverhofften Anwesenheit einer Praktikantin am Gespräch zu verdanken, argumentierte der Staatsanwalt. Die Verteidigung relativierte, der Beschuldigte habe deren Teilnahme am Treffen selber zugestimmt.

10 Tagessätze à 10 Franken

Das Gericht beliess die Vorbereitungshandlung straffrei, weil der Täter diese aus eigenem Antrieb nicht zu Ende geführt habe.

Für das Tragen des Messers verhängten die Richter eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 10 Franken wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz. Er muss sich an den Verfahrenskosten beteiligen. Das Urteil liegt erst im Dispositiv vor und ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht ordnete zudem eine stationäre Massnahme an. Der Beschuldigte befindet sich bereits in einer psychiatrischen Klinik, wo er sich laut eigenen Angaben gut aufgehoben fühlt. Laut einem Gutachten leidet er an einer Persönlichkeitsstörung.

(SDA)

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