Opfer der S-Bahn-Schläger: Er wollte nicht wegschauen
Aktualisiert

Opfer der S-Bahn-SchlägerEr wollte nicht wegschauen

Dominik B., das Opfer der Münchner S-Bahn-Schläger, hatte einen grossen Sinn für Gerechtigkeit. Er kostete ihn das Leben. Die beiden Tätern können ein beachtliches Sündenregister vorweisen.

von
pbl

Der 50-jährige Dominik B. war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er war Mitglied der Unternehmensleitung der Elrus AG im bayerischen Ergoldsbach, dem grössten Hersteller von Dachziegeln und Schornsteinen in Deutschland. In München-Solln besass er einen Zweitwohnung, in der er gemäss «Münchner Merkur» oft gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin die Wochenenden verbrachte.

Am Samstagnachmittag war er offenbar auf dem Weg dorthin, als er in der S-Bahn Zeuge wurde, wie zwei jugendliche Schläger von vier Kindern Geld erpressen wollten. Dominik B., dem Mitarbeiter einen «grossen Drang zur Gerechtigkeit» bescheinigen, wollte nicht wegschauen, sondern einschreiten und helfen. Seine Zivilcourage bezahlte er mit dem Leben: Im S-Bahnhof Solln wurde er vom 18-jährigen Markus S. und vom 17-jährigen Sebastian L. mit Faustschlägen und Tritten totgeprügelt.

Nachträglich das Bundesverdienstkreuz?

In München ist das Entsetzen gross über die neuste Gewalttat von Jugendlichen, nachdem vor zwei Jahren ein Rentner in der U-Bahn und im Juni ein Geschäftsmann in der Innenstadt halb tot geschlagen wurden. Im Online-Forum der «Abendzeitung» forderten zahlreiche User, dass Dominik B. für sein «heldenhaftes Eintreten» posthum mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird. Dies wäre eigentlich nicht möglich, doch es gab Ausnahmen: 1977 wurde Jürgen Schumann, der von den palästinensischen Entführern erschossene Kapitän der Lufthansa-Maschine «Landshut», geehrt.

Bei den Schlägern handelt es sich keineswegs um Unschuldslämmer, ihr kurzes Leben war vielmehr «geprägt von Drogen, Verbrechen und Gewalt», so die «Bild»-Zeitung. Markus S. sei in diesem Jahr schon zwei Monate wegen schwerer räuberischer Erpressung im Gefängnis gesessen und habe damit sogar vor seinen Kumpels geprahlt. Auch sein älterer Bruder sitze im Knast. Markus S. habe zur Tatzeit rund eine Promille Alkohol im Blut gehabt.

Sebastian L. hingegen soll nüchtern gewesen sein. Er hat zwei Einträge im Strafregister wegen Diebstahl und Drogenbesitz. Beide Schläger haben laut «Bild» keine Ausbildung und sind arbeitslos. Der dritte festgenommene Jugendliche, der 17-jährige Christoph T., war nicht direkt an der Tat beteiligt, er soll seine Kumpels aber dazu angestachelt haben. Nachdem sie verhaftet wurden, soll er im Internet gehetzt haben: «Schiesst alle Bullen tot und holt den Basti und Markus raus!»

«Zivilcourage schützen und stärken»

Staatsanwalt Laurent Lafleur hat Haftbefehle wegen Mordes erlassen. Er ist auch zuständig im Fall der drei Zürcher Schüler, die die erwähnte Tat im Juni begangen hatten. Gegen sie soll demnächst Anklage erhoben werden, möglicherweise wegen versuchten Mordes. Nach dem neusten Fall werden zahlreiche Forderungen erhoben: mehr Videoüberwachung, mehr Sicherheitspersonal, härtere Strafen.

Auch die «Süddeutsche Zeitung» ruft in ihrem Kommentar nach mehr Polizeipräsenz. Die Täter hätten in München-Solln mit Dominik B. auch den bürgerlichen Mut erschlagen: «Es muss darum gehen, Zivilcourage zu schützen und zu stärken, ihr einen Halt zu geben.» Dazu brauche es die Hilfe eines Staates, dessen Sicherheitsdenken sich nicht auf Computerwanzen und Lauschaktionen kaprizieren dürfe: «Der Bürger fühlt sich nicht dann sicher, wenn der Staat Wanzen verschickt, sondern wenn er Beamte auf die Strasse schickt und in die S-Bahnen.»

Schweizer Schüler prügeln in München

Drei Schüler aus dem Kanton Zürich sitzen seit Mittwoch, 1. Juli, in München in Untersuchungshaft. Sie werden des versuchten Mordes und der schweren Körperverletzung beschuldigt. Am Abend zuvor tranken und kifften sie und gingen danach wahllos auf Passanten los. Einen verletzten sie lebensgefährlich. Die Jugendlichen befanden sich mit ihrer Klasse des 10. Schuljahrs der Weiterbildungs- und Berufswahlschule Küsnacht (WBK) in einer externen Kurswoche in München.

Deine Meinung