Bankräuber von Lützelflüh: «Er wollte sich in Thailand ein schönes Leben machen»
Aktualisiert

Bankräuber von Lützelflüh«Er wollte sich in Thailand ein schönes Leben machen»

Der Bankräuber, der sich mit einer halben Million nach Thailand absetzte, soll laut Staatsanwältin für 4,5 Jahre in Haft. Der Verteidiger verlangt die Freilassung.

von
Sonja Mühlemann
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Am 16. Mai 2013 verhaftete die thailändische Polizei den Schweizer E. G. in der Stadt Hua Hin, rund 200 Kilometer südlich von Bangkok.

Am 16. Mai 2013 verhaftete die thailändische Polizei den Schweizer E. G. in der Stadt Hua Hin, rund 200 Kilometer südlich von Bangkok.

AP Photo/Apichart Weerawong
Dem damals 42-Jährigen wird vorgeworfen, Mitte März 2013 in Lützelflüh eine Bank überfallen und rund eine halbe Million Franken erbeutet zu haben. Danach habe er bei seiner Freundin in Thailand leben wollen.

Dem damals 42-Jährigen wird vorgeworfen, Mitte März 2013 in Lützelflüh eine Bank überfallen und rund eine halbe Million Franken erbeutet zu haben. Danach habe er bei seiner Freundin in Thailand leben wollen.

AP Photo/Apichart Weerawong
Laut Angaben der thailändischen Polizei haben die Beamten in der Villa 60'000 Franken sichergestellt. Ausserdem Goldschmuck im Wert von 8475 Franken und 19 Autos und Motorräder. Sein Haus in Hua Hin habe einen Wert von rund 160'000 Franken.

Laut Angaben der thailändischen Polizei haben die Beamten in der Villa 60'000 Franken sichergestellt. Ausserdem Goldschmuck im Wert von 8475 Franken und 19 Autos und Motorräder. Sein Haus in Hua Hin habe einen Wert von rund 160'000 Franken.

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«Läck, ist das ein geiler Kick», sagte der angeklagte Bankräuber E. G.* (heute 44) zu seiner damaligen Freundin B.*, als er am 18. März 2013 mit einer halben Million Beute zu ihr ins Fluchtauto stieg. Das Paar hatte zuvor die Bernerlandbank in Lützelflüh überfallen.

E. G. hatte maskiert einer Bankangestellten aufgelauert. Als diese die Filiale betrat, zückte er eine Softairgun, packte die Frau am Arm und zwang sie, ihm Geld auszuhändigen. «Ich hatte Todesangst», erinnerte sich das Opfer in einer Befragung. Sie habe um ihr Leben geschrien. B. stand derweil Schmiere und half E.G. bei der Flucht nach Thailand – seine Auslieferung machte international Schlagzeilen.

E.G. erschien am Mittwoch in blauem Anzug und roter Krawatte vor der Regionalgericht Emmental-Oberaargau und versicherte, er habe den Überfall schonend durchgeführt. «Ich wollte nicht, dass die Bankangestellte in den Waffenlauf schauen muss. Deshalb hielt ich die Airgun auch in der linken Hand – dabei bin ich Rechtshänder.»

Verteidiger: «Überfall war Plan von Kindern»

Er habe ein schlechtes Leben gehabt – seine Mutter habe ihn weggeben, beide Exfrauen hätten ihn betrogen. Nur seine neue thailändische Freundin liebe ihn. «Bevor ich in die Bank rein ging, habe ich mir ihr Foto auf dem Handy angeschaut. Ich wusste, dass der Überfall grundfalsch ist, aber ich wollte zu ihr – nach Hause.» Sein Verteidiger wertete den Überfall als Verzweiflungstat: «Es war ein Plan, wie ihn Kinder machen, wenn sie Räuber spielen», sagte Oliver Krüger. Er verlangt eine bedingte Strafe über 24 Monate – diese Zeit hat E. G. grösstenteils abgesessen und käme frei.

Die Staatsanwältin führte aus, dass das Paar den Überfall wochenlang geplant habe – sie spähten mehrere Banken aus und E. G. deckte vor der Tat seine auffälligen Tattoos im Gesicht ab. «Er wollte sich in Thailand ein schönes Leben machen – mit einem Haus mit Pool und einem Auto», so Eva Häberli. Sie verlangt eine Haftstrafe von 4,5 Jahren. E. G. lauschte den Ausführungen mit gesenktem Kopf, fast schien er in seinem zu grossen Anzug zu versinken.

Weil die Geliebte B. vor allem aus Liebe gehandelt habe sei eine einjährige unbedingte Strafe angemessen, so die Staatsanwältin. Die Pflichtverteidigerin fordert eine Geldstrafe.

«Ich war blind vor Liebe für ihn», sagte B. aus, «und ich wollte dabei sein, damit ihm nichts passiert.» Den Löwenanteil der Beute brachte ihm die heute 49-Jährige nach Thailand – selber behielt sie zehn Prozent.

Täter soll Geliebte gefährdet haben

E. G. will nach der Haft nach Thailand zurück: «Meine Freundin Cat ist von Gott, sie stellt nicht auf das Materielle ab.» Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, ob der Plan nicht unrealistisch sei – «schliesslich sind sie ein Schweizer Bankräuber und wurden aus dem Land geworfen» – sagte E. G., dass er sich abgesehen davon nichts zu Schulden habe kommen lassen.

E. G. ist auch wegen versuchter Verbreitung menschlicher Krankheiten angeklagt. Er hatte trotz seiner positiven HIV-Diagnose mehrfach ungeschützten Sex mit B.. Sie erfuhr von der Staatsanwältin davon. «Das war ein Chlapf ins Gesicht.» Er habe seine Geliebte nicht über seine Krankheit informiert, da er sie nicht habe «aufregen» wollen, so E. G.

Laut Staatsanwältin hat sich kürzlich eine weitere Ex-Geliebte des Angeklagten gemeldet – im Gegensatz zu B. wurde sie HIV-positiv getestet. Eine Klage wird derzeit geprüft.

Das Urteil soll am Freitag folgen.

*Namen der Redaktion bekannt

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