«Er wollte töten, schlachten und essen»
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«Er wollte töten, schlachten und essen»

Der wegen Mordes angeklagte «Kannibale von Rotenburg», Armin Meiwes, hat nach der Tötung des 42-jährigen Berliners weitere potenzielle Opfer in seiner Gewalt gehabt.

Nach der Tat hätten noch andere Menschen bei Meiwes «im Schlachtraum am Haken gehangen», sagte sein Anwalt Harald Ermel der «Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen» (Mittwochausgabe). Unter anderem hätten dort ein Lehrer, ein Koch, ein Hotelmitarbeiter und ein Rentner ihre perversen Fantasien ausleben wollen.

Alle diese Männer habe der 41-jährige Meiwes im Internet kennen gelernt. «Der Lehrer hing nicht nur am Haken, sondern sass auch in einem Käfig und wollte gefüttert werden», sagte Ermel. Es sei weniger um Sex gegangen, als ums Schlachten. Das habe sein Mandant aber in allen Fällen abgelehnt. «Einer war ihm nicht sympathisch, ein anderer zu dick, ein dritter wollte dann doch nicht mehr», berichtete der Verteidiger, der den «Kannibalen» bereits jahrelang als Anwalt vertreten hatte, etwa in Verkehrssachen.

Der ehemalige Zeitsoldat Meiwes muss sich ab 3. Dezember vor dem Landgericht Kassel verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, einen Mann aus Berlin getötet und Körperteile des Opfers gegessen zu haben.

Diese Tötung war aus Sicht des Anwalts kein Mord oder Totschlag, sondern Tötung auf Verlangen. Dies ergebe sich aus dem Gespräch im Chat und der Videoaufzeichnung vor der Tat, sagte Ermel. «Der Berliner hat gesagt: Ich möchte getötet werden, ich möchte geschlachtet werden.» Während der stundenlangen Prozedur habe er nie darum gebeten, einen Arzt zu rufen, sondern dies sogar verboten.

Auf der anderen Seite habe natürlich auch Meiwes die Tat gewollt, sagte Ermel. «Er wollte töten, schlachten und essen». Meiwes habe das aber ausdrücklich davon abhängig gemacht, «dass der andere einwilligt und zustimmt».

Sein Anwalt berichtete, der Gutachter halte Meiwes nicht für verrückt, sondern für einsichtig und schuldfähig. Sein Mandant werde im Prozess ein umfangreiches Geständnis ablegen, sagte Ermel.

Das Meiwes seine Memoiren schreiben will, habe zwei Gründe: Zum einen wolle er mögliche Nachahmer abschrecken und zum anderen nach dem Gefängnis von irgendetwas leben und nicht der Sozialhilfe zur Last fallen. Meiwes sei «irgendwo abartig, aber kein Monster». (dapd)

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