Gefeuerter Seferovic: «Er wusste zuerst nicht, wer alles rausfliegt»
Aktualisiert

Gefeuerter Seferovic«Er wusste zuerst nicht, wer alles rausfliegt»

U17-Weltmeister Haris Seferovic erklärt, was bei seinem Rausschmiss beim FC Absurdistan von Neuchâtel vor sich ging und weshalb er froh ist, dass es jetzt passiert ist und nicht später.

von
Eva Tedesco
U17-Weltmeister Haris Seferovic beim Verlassen der Xamax-Geschäftsstelle nur wenige Minuten nach seiner Entlassung und kurz vor dem Start zur Vorbereitung der SL-Rückrunde. (Keystone/AP)

U17-Weltmeister Haris Seferovic beim Verlassen der Xamax-Geschäftsstelle nur wenige Minuten nach seiner Entlassung und kurz vor dem Start zur Vorbereitung der SL-Rückrunde. (Keystone/AP)

Der Auftakt zur Rückrundenvorbereitung endete für U17-Weltmeister Haris Seferovic und seine Mannschaftskollegen Stéphane Bésle, Javier Arizmendi und Verteidiger Vincent Bikana ohne eine einzige Trainingsminute. Xamax entliess die vier Spieler am Mittwoch. «Besser jetzt als Ende Januar», sagt Seferovic gegenüber 20 Minuten Online. Denn so hat er zumindest etwas mehr Zeit, sich nach einem neuen Arbeitgeber umzusehen, ehe das Transferfenster am 31. Januar wieder zugeht.

Haris Seferovic, wie geht es Ihnen heute mit einem Tag Abstand?

Haris Seferovic: Am Anfang war der Schock riesig, aber inzwischen bin ich irgendwie auch ein bisschen erleichtert und schaue nach vorne.

Erleichtert?

Die letzten Monate waren sehr schwierig für jeden von uns. Die Unsicherheit, das Chaos rund um den Klub und das Warten, ob die Löhne kommen oder nicht – es war nicht immer einfach, sich auf den Fussball zu konzentrieren. Jetzt hat für mich das Ganze wenigstens ein Ende. Wie sagt man: Lieber ein Ende mit Schrecken...

... als ein Schrecken ohne Ende. Wie kam es zur Entlassung, was ist passiert?

Ich weiss auch nicht viel. Die Mannschaft hat sich am Vormittag zu einer Unterredung im Stadion getroffen. Wir warten ja noch auf die November- und Dezember-Löhne. Wir haben diskutiert, ob es Sinn macht, überhaupt ins Trainingslager in Spanien einzurücken. Captain Stéphane Besle und Bastian Geiger sind danach ins Büro von Präsident Satujew gegangen. Wenige Minuten später kam er (Besle, Anm. d. Red.) zurück und sagte uns, dass er entlassen worden sei. Daraufhin sind wir Spieler ins Büro gegangen und da wurde uns nicht nur die Entlassung von Stéphane bestätigt, sondern auch gesagt, dass noch drei weitere Spieler entlassen werden.

Unter diesen waren dann auch Sie.

Ja, aber erst wollte er uns die Namen nicht sagen. Ich habe dann noch einmal nachgefragt. Er wusste es wohl nicht. Daraufhin hat er rumtelefoniert und uns erst dann die anderen Namen genannt. Darunter auch meinen. Ich habe den Kollegen dann noch «Tschau» gesagt und bin gegangen.

Wie geht es für Sie weiter?

Zum Glück bin ich ja noch bei Fiorentina unter Vertrag. So hänge ich nicht ganz in der Luft. Es ist noch zu früh zu sagen, wie es weitergeht. Alles kam so plötzlich. Ich werde mich sicher weiter fit halten, damit ich nichts von meiner Form verliere, und mich zusammen mit meinem Manager um einen neuen Verein bemühen, damit ich möglichst schnell wieder irgendwo anfangen kann. Ich denke, dass mich auch Fiorentina bei der Suche unterstützen wird. Juristisch hat mir die Profispielervereinigung SAFP ihre Hilfe angeboten, damit wir Spieler zu unserem Recht und Geld kommen. Ich lasse den Kopf nicht hängen. Es muss weitergehen.

Seferovic und Fiorentina warten noch auf viel Geld

Neuchâtel Xamax hat sich auf rüde Art von vier Spielern getrennt. Die Geldsorgen ist der Klub damit aber nicht los. Alleine Haris Seferovic und dessen Klub Fiorentina sollen die Neuenburger rund 250 000 Franken schulden.

Nach dem Rauswurf von Seferovic legte die «Neue Luzerner Zeitung» in ihrer Donnerstagsausgabe offen, dass Xamax dem 19-jährigen Stürmer zusammen mit den schon bekannten November- und Dezember-Löhnen auch Entschädigungen für Auto und Wohnung im Gesamtbetrag von 50 000 Franken schuldet. Zudem sei seinem Verein Fiorentina die Leihgebühr von rund 200 000 Franken noch nicht überwiesen worden. Es würde verwundern, wenn dies bei den übrigen Entlassenen anders wäre. (si)

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