Aktualisiert 21.04.2006 14:25

Erb-Pleite: Liquidator fordert über 3 Milliarden

Der Zusammenbruch des Erb-Imperiums hinterlässt allein in der Unifina Holding ein Loch von über 3 Milliarden Franken. Der Liquidator stellt auch nach einem Jahr Suche nach Vermögenswerten den Gläubigern kaum mehr als 2 Prozent Dividende in Aussicht.

Die Unifina ist eine von vier Holdinggesellschaften der Erb- Gruppe, die 2003 in einer der grössten Firmenpleite in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte zusammengebrochen war. Am Freitag legte der Liquidator Fritz Rothenbühler nun seinen ersten Rechenschaftsbericht vor.

Er führte die bereits in der Phase der Nachlassstundung begonnene Ermittlung und Verwertung von Aktiven weiter. Vollständig abgewickelt wurden dabei die Verkäufe der Beteiligungen an der Volcafé-Gruppe und der Erb Finanz & Leasing AG.

Unübersichtlich

Die Suche nach weiteren Vermögenswerten erwies sich angesichts der unübersichtlichen und verschachtelten Firmenstruktur als sehr aufwändig und komplex, wie Rothenbühler in seinem Bericht schreibt. Zudem seien verschiedenste Aktiven an zahlreiche Gläubiger verpfändet worden.

Es kam auch zu Verschiebungen von Aktiven und Begünstigungen kurz vor der Insolvenz der Erb-Gruppe. Diese Vorgänge würden jetzt detailliert untersucht. Die Suche nach Aktiven gehe weiter. Per Ende 2005 verfügte die Unifina über Aktiven von rund 83 Mio. Franken. Für die Deckung der Forderungen der Drittklassgläubiger stehen davon 73 Mio. zur Verfügung.

Angesichts der Forderungen von 3,062 Mrd. Fr. ergibt dies eine geschätzte Nachlassdividende von 2,38 Prozent, wie bereits an der Gläubigerversammlung im Herbst 2004 bekannt gegeben wurde.

Milliardenforderung an Erb-Brüder

Der Liquidator hat seinerseits Forderungen innerhalb der Erb- Gruppe geltend gemacht. So an die Herfina über rund 370 Mio. Franken und an die Hugo Erb AG über rund 175 Mio. Franken. Gegen die Erben des Firmengründers, Rolf und Christian Erb, wurden ebenfalls Forderungen geltend gemacht.

Bei Rolf Erb sind dies 2,973 Mrd. Fr. aus Verantwortlichkeit als Vizepräsident und Delegierter der Unifina und 46,5 Mio. Fr. für Verrechnungssteuerforderungen der Eidg. Steuerverwaltung. Bei Christian Erb sind es ebenfalls 46,5 Mio. Fr. aus denselben Forderungen.

Ob der Unifina aufgrund dieser Anmeldungen effektiv ein Erlös zufliessen wird, werde sich erst im weiteren Fortgang der Verfahren zeigen, schreibt dazu der Liquidator. Noch offen ist auch, ob und welche Zahlungen der Unifina an Gläubiger kurz vor dem Zusammenbruch angefochten werden können.

Kollokationsplan bis Ende Jahr

Ein Kollokationsplan sollte dem Gläubigerausschuss bis Ende 2006 zur Genehmigung unterbreitet werden können. Dies würde es erlauben, 2007 den Kollokationsplan aufzulegen und -verfügungen an die Gläubiger zu verschicken.

Das Erb-Imperium umfasste 82 Firmen in vier Holdinggesellschaften. In der Unifina Holding waren die Immobilien und das Kaffeehandelsgeschäft Volcafé der Erb-Gruppe angesiedelt. Es beschäftigte 4900 Angestellte, 2500 davon in der Schweiz. Anfang Dezember 2003 war die Gruppe zusammengebrochen.

Wichtige Unternehmensteile konnten herausgelöst und gerettet werden. So etwa der Fenster- und Türenhersteller EgoKiefer und der Küchfabrikant Bruno Piatti. Der grösste Brocken, das Autogeschäft, ging noch Ende 2003 an die belgische Firma Alcopa.

(sda)

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