Aktualisiert 13.02.2009 14:42

GenetikErbgut des Neandertalers entschlüsselt

Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Anthropologie haben das Genom des Neandertalers rekonstruiert: Es gelang ihnen, mehr als eine Milliarde DNA-Fragmente aus drei Neandertaler-Fossilien zu sequenzieren.

Damit wurde die erste Version des gesamten Neandertaler-Genoms rekonstruiert, wie am Donnerstag in Leipzig mitgeteilt wurde. Insgesamt decken die Fragmente mehr als 60 Prozent des gesamten Neandertaler-Genoms ab.

Das Team um Svente Pääbo griff bei seinen Untersuchungen auf DNA zurück, die aus 38 000 Jahre alten Knochen gewonnen worden war. Die Neandertaler-Genomsequenz wird nach Angaben der Wissenschaftler dazu beitragen, die evolutionäre Beziehung von Menschen und Neandertalern zu klären. So wird erwartet, dass die Forschungsergebnisse die genetischen Veränderungen erklären helfen, die den heutigen Menschen in die Lage versetzten, sich vor etwa 100 000 Jahren von Afrika ausgehend über die gesamte Welt zu verbreiten.

Genetischer Austausch zwischen Mensch und Neandertaler?

Pääbo erklärte, mit dem Vorliegen des Neandertaler-Genoms könne man sich nun auch der Frage näher widmen, ob es zwischen den Vorfahren des heutigen Menschen und den Neandertalern einen Austausch von Erbgut gegeben hat. Dabei gehe es um die Frage, ob es noch heute in den Menschen genetische Spuren der Neandertaler gebe. Er vermutete, dass dies, wenn überhaupt, in äusserst geringem Umfang der Fall sei. Für die Wissenschaft sei jetzt aber erstmals die Möglichkeit gegeben zu erforschen, ob im Neandertaler genetische Hinterlassenschaften der frühen Menschen zu finden sind.

Man werde vermutlich niemals erfahren, inwiefern es tatsächlich soziale Kontakte zwischen den Neandertalern und den Vorfahren der Menschen gegeben habe, sagte Pääbo. Ob es zum Beispiel zu so etwas wie Zusammenarbeit gekommen sei, werde man mit dem jetzt gefundenen Neandertaler-Genom nicht beantworten können. Dies müssten andere Zweige der Wissenschaft erforschen, etwa die Archäologie.

Die Neandertaler waren den Angaben nach die nächsten Verwandten der heutigen Menschen. Sie lebten hauptsächlich in Europa, aber auch in Teilen Asiens, bevor sie vor etwa 30 000 Jahren ausstarben. Bevor die Wissenschaftler die Neandertaler-DNA-Sequenzen verlässlich mit denen von Menschen und Schimpansen vergleichen können, mussten sie herausfinden, an welchen Stellen chemische Veränderungen an alter DNA auftreten und wie sich diese auf die Sequenzierung auswirken. Zudem war es nötig, die DNA-Fragmente des Neandertaler-Genoms von denen von Mikroorganismen zu unterscheiden, die über die Jahrtausende in die Knochen eingedrungen waren.

Vergleich mit anderen Neandertaler-Proben

In einem nächsten Schritt sollen Ergebnisse der DNA-Untersuchungen der kroatischen Neandertaler mit denen anderer Neandertaler verglichen werden. Dafür haben die Forscher auch mehrere Millionen Basenpaare von Neandertalern anderer Fundorte bestimmt. Diese stammen von 43 000 Jahre alten Knochen aus Spanien, aus einem bis zu 70 000 Jahre alten Knochen aus dem Kaukasus und einer Probe des 40 000 Jahre alten Skeletts, das im Jahre 1856 etwa 10 Kilometer östlich von Düsseldorf im Neandertal gefunden wurde und dem Neandertaler seinen Namen gab. (dapd)

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