Armstrong Doping-Sumpf: Erbt Alex Zülle den Tour-de-France-Sieg?

Aktualisiert

Armstrong Doping-SumpfErbt Alex Zülle den Tour-de-France-Sieg?

Die US-Anti-Doping-Behörde will Lance Armstrong die Tour-Siege aberkennen. Alex Zülle könnte so zu einem späten Triumph kommen. Der Schweizer Ex-Radprofi will aber nichts davon wissen.

von
F. Burkhard
Tour de France 1999: Der erstmalige Sieger Lance Armstrong (m.) mit Alex Zülle (l.) und Fernando Escartin.

Tour de France 1999: Der erstmalige Sieger Lance Armstrong (m.) mit Alex Zülle (l.) und Fernando Escartin.

Einst war Lance Armstrong der grosse amerikanische Sportheld. Viel ist von seinem Image als grosser Sportler und guter Mensch nicht mehr übrig. Kontinuierlich arbeitet die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA an der Demontage des einstigen Radüberfliegers. Die USADA will mit der Anklage gegen Armstrong eine lebenslange Sperre – auch im Triathlon, wo der Ex-Radprofi Wettkämpfe bestreitet – sowie die Aberkennung der sieben Tour-de-France-Siege bewirken.

Letzteres könnte auch Folgen für die Schweiz haben. Würde Armstrong tatsächlich seine Toursiege verlieren, dürfte ein Eidgenosse in die Bresche springen. Der St. Galler Alex Zülle belegte im Jahr 1999, als Armstrong zum ersten Mal das Maillot Jaune bis zum Schluss verteidigte, den zweiten Schlussrang. Und das, nachdem er selbst bereits einen riesigen Dopingskandal hinter sich hatte. Zülle wäre nach Ferdy Kübler (1950) und Hugo Koblet (1951) der erste dritte Schweizer Gesamtsieger der «Grande Boucle».

1998 gab der Schweizer Radprofi unter Tränen zu, dass er mit Medikamenten betrogen hatte. Zülle gehörte damals dem Festina-Team an, das bei der Tour de France den grössten Dopingskandal aller Zeiten lostrat. Die Gendarmen hatten den Schweizer in jenem Sommer in eine Zelle gesteckt, in der es nach Fäkalien stank. Er wurde angeschrien und musste sich ausziehen. Nur wenige Stunden später war er weichgekocht. Er gab zu, fast vier Jahre lang Blut-Doping betrieben zu haben. Bestraft wurde der ehemalige Radprofi mit einer Sperre von acht Monaten – die wurde später um vier Wochen gekürzt. Zülle war es damit problemlos möglich, bei der Tour 1999 anzutreten.

Für Zülle käme der Triumph zu spät

Es reichte damals nur für den zweiten Schlussrang. Rund 13 Jahre später könnte sein Triumph doch noch perfekt werden, indem er den Tour-Sieg von Armstrong erbt. Für den Schweizer ist ein allfälliger verspäteter Triumph nicht wirklich ein Thema. Die erste Reaktion des heute 44-Jährigen fällt dann auch deutlich aus: «Das interessiert mich überhaupt nicht.» Seiner Meinung nach ist es jetzt zu spät für eine Aberkennung von Armstrongs Toursiegen. «Das hätte man gleich damals machen müssen.» Er verfolge die Berichterstattung zu Armstrongs Fall gar nicht explizit. «Ich habe nur mal im Radio davon gehört», meint der Ex-Radprofi gegenüber 20 Minuten Online dazu.

Zülle ist sich bewusst, dass, für den Fall das ihm der Toursieg 1999 zugesprochen würde, wieder seine eigene Doping-Geschichte aufgegriffen werde. Dazu sagt er nur: «Ich habe einen Seich gemacht. Das weiss ich.» Er könne zusammenfassend nur betonen, dass mit seiner Karriere zufrieden sei – mit den Hochs und den Tiefs. Er würde deshalb keine Party feiern, sollte Armstrongs erster Tour-Sieg auf ihn übertragen werden. «Das Trikot müssten sie mir gar nicht zuschicken», fasst Zülle zusammen. «Die Siegerprämie könnten Sie mir aber bezahlen, dann würde ich sie an eine gemeinnützige Organisation spenden.»

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