Die wichtigsten Antworten - Erdbeben im Fussball – gewinnt PSG kampflos die Champions League?
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Die wichtigsten AntwortenErdbeben im Fussball – gewinnt PSG kampflos die Champions League?

Zwölf Topclubs wollen eine Superliga gründen. Die Fans, Uefa und Fifa wüten. Der Streit eskaliert. Die Uefa droht den grössten Clubs der Welt mit dem Ausschluss. Steht die Champions League vor dem Abbruch?

von
Nils Hänggi

In der diesjährigen Champions League traf Manchester City auf Gladbach. Nun will City mit elf anderen Clubs eine Superliga gründen.

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Darum gehts

  • Zwölf Topclubs wollen eine Superliga gründen.

  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen – und geben Antworten.

  • Denn klar ist: Die Pläne, sie lösen einen heftigen Streit aus.

  • Fans, Fifa und die Uefa sind nämlich gar nicht happy mit den Plänen.

Diese Pläne lösen das Erdbeben aus

Die Gründung einer neuen Superliga sorgt für ein Erdbeben im internationalen Fussball. Zwölf Topclubs aus Italien, Spanien und England haben sich zusammengeschlossen und wollen eine europäische Superliga gründen. Es geht um viel Geld – und angeblich auch um die Fans.

Deshalb wollen die Top-Clubs eine Superliga

Das Hauptargument ist die weltweite Nachfrage nach Fussball. Damit argumentieren die Verantwortlichen der Topclubs. Etwa Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez, der meint: «Wir werden dem Fussball auf jedem Level helfen und ihn zu seinem rechtmässigen Platz in der Welt bringen. Fussball ist der einzige globale Sport auf der Welt mit mehr als vier Milliarden Fans, und unsere Verantwortung als grosse Clubs ist es, auf deren Begehrlichkeiten zu reagieren.» Pérez soll als «Chairman», also als Vorstandsvorsitzender fungieren.

Aber um Geld geht es doch sicherlich auch?

Ja, natürlich. Die Gründungsvereine werden mit viel, sehr viel Geld gelockt. So sollen zunächst 3,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen – bei einer Einlage von, so geht aus der Mitteilung des börsennotierten Clubs Juventus Turin hervor, zwei Millionen und, falls nötig, bis zu weiteren acht Millionen Euro je Gründungsmitglied. Das ergibt pro Mitglied 233 Millionen. Die Verantwortlichen der Superliga versprechen zudem ein deutlich grösseres Wirtschaftswachstum und stellen Solidaritätszahlungen von 10 Milliarden Euro in Aussicht.

Woher das Geld kommen wird, ist nicht ganz klar. Der grösste Teil der Einnahmen soll wohl wie üblich aus der Vermarktung der TV-Rechte kommen. Im vergangenen Oktober soll zudem die US-Bank JP Morgan gebeten worden sein, die finanziellen Möglichkeiten einer Superliga zu prüfen. Es heisst nun, JP Morgan stelle 6 Milliarden Euro bereit.

Wird PSG am Grünen Tisch Champions-League-Sieger?

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Getty Images

Von welchen Clubs reden wir denn?

Wir reden von zwölf Gründungsvereinen. Sechs Vereine aus der englischen Premier League – Manchester United, Manchester City, Liverpool, Arsenal, Chelsea und Tottenham Hotspur – gehören zu ihnen, zusammen mit den spanischen Vereinen Real Madrid, Barcelona und Atlético Madrid und den italienischen Clubs Inter Mailand, Juventus und die AC Milan. Weitere Clubs sollen folgen. Die Liga soll insgesamt 20 Clubs beinhalten.

Auch Bayern München und Borussia Dortmund wurden dazu eingeladen als Gründungsmitglied der Super League zu fungieren. Die beiden Bundesligisten lehnten jedoch ab, genauso wie Paris Saint-Germain.

Und so soll der Modus aussehen

In der Superliga sollen – wie erwähnt – 20 Vereine aus ganz Europa teilnehmen (15 Gründungsmitgliedern und fünf Vereine, die sich jährlich qualifizieren müssen). Jeweils zehn Clubs spielen pro Saison in zwei verschiedenen Gruppen im «Jeder gegen Jeden»-Modus mit Hin- und Rückspiel gegeneinander. Die ersten drei jeder Gruppe sind für die Viertelfinals qualifiziert, die Teams auf den Rängen 4 und 5 machen in einem Playoff die zwei übrigen Plätze im Viertelfinal aus. Der Beginn ist auf August angesetzt. Gespielt wird unter der Woche. Der Final findet im Mai statt. Alle Vereine werden weiterhin in ihren nationalen Ligen spielen und an Cup-Wettbewerben teilnehmen.

So schnell als möglich soll auch eine Super League für die Frauen eingeführt werden.

Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez freut sich: «Wir werden dem Fussball auf jedem Level helfen und ihn zu seinem rechtmässigen Platz in der Welt bringen. Fussball ist der einzige globale Sport auf der Welt mit mehr als vier Milliarden Fans, und unsere Verantwortung als grosse Clubs ist es, auf deren Begehrlichkeiten zu reagieren.»

Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez freut sich: «Wir werden dem Fussball auf jedem Level helfen und ihn zu seinem rechtmässigen Platz in der Welt bringen. Fussball ist der einzige globale Sport auf der Welt mit mehr als vier Milliarden Fans, und unsere Verantwortung als grosse Clubs ist es, auf deren Begehrlichkeiten zu reagieren.»

AFP

Was ist die Meinung der Uefa und der Fifa?

Die sind gar nicht happy. Ohne die Superliga beim Namen zu nennen, brachte der Weltfussballverband Fifa noch in der Nacht in einer Stellungnahme seine «Missbilligung» zum Ausdruck über alle Pläne, welche die «Grundprinzipien Solidarität, Inklusivität, Integrität und gleichberechtigte finanzielle Umverteilung» nicht widerspiegeln. Die Uefa will gar sämtliche Clubs von allen weiteren Wettbewerben ausschliessen. Und: Die Spieler dürfen nicht mehr für ihre Natis spielen.

Und die Fans?

Die sind wütend. Als die Ankündigung kam, da schliefen die meisten europäischen Fans bereits – im Gegensatz zu Anhängern in den lukrativen Märkten in Nordamerika und Asien. Doch als die Fussball-Fans in Europa aufstanden und von den Superliga-Plänen hörten, da waren viele fassungslos. Ja, sie wüteten im Netz.

«Endlich zeigt der ganze Zirkus und sein wahres Gesicht. Zwölf Clubs gründen Super League: Bekanntgabe erschüttert europäischen Fussball», schreibt etwa ein User auf Twitter. Andere zweifeln an ihrem Verstand. So fragt ein User: «Hatte ich nicht überall gelesen, dass die #Corona-Pandemie demütiger, bescheidener macht???», ein anderer schreibt einfach nur: «Der Fussball schafft sich gerade selbst ab.» Und dann gibt es noch die Fans, die versuchen, das Ganze mit Humor zu nehmen. «Schalke 04 hat sich gegen die Beteiligung an der Superliga entschieden», schreibt jemand auf Twitter.

Hat sich ein Club gemeldet, der nicht dabei ist?

Ja, Dortmund zum Beispiel. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat betont, dass der BVB und der FC Bayern München sich über die Ablehnung der geplanten europäischen Superliga im Fussball einig sein. Watzke erklärte in einer Mitteilung seines Vereins, dass «beide deutsche Clubs, die im ECA-Board vertreten sind, der FC Bayern München und Borussia Dortmund, in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten haben».

Grundsätzlich betonte der BVB-Boss noch einmal. «Die Mitglieder des Boards der European Club Association haben sich am Sonntagabend zu einer virtuellen Konferenz zusammengeschlossen und bekräftigt, dass der Board-Beschluss vom vergangenen Freitag nach wie vor Gültigkeit hat. Dieser Beschluss besagt, dass die Clubs die geplante Reform der Uefa Champions League umsetzen wollen. Es war die klare Meinung der Mitglieder des ECA-Boards, dass man die Pläne zur Gründung einer Superliga ablehnt.»

Die Champions League läuft ja derzeit. Was ist mit den Halbfinals?

Die Uefa scheint gewillt zu sein, ihre Position mit allen Mitteln zu verteidigen. Das könnte auch heissen, dass drei der Teilnehmer die angekündigten Sanktionen schon in unmittelbarer Zukunft zu spüren bekommen. Mit Chelsea, Real und City haben sich drei Teams für das Halbfinale der Champions League qualifiziert. Paris Saint-Germain ist der einzig verbleibende Verein, der sich gegen eine Teilnahme an der Super League ausgesprochen hat. Es gehen bereits Gerüchte um, PSG könnte also schon am Montag am Grünen Tisch zum Champions-League-Sieger gekrönt werden.

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