Aktualisiert 17.03.2009 16:14

Nur der Sieg zählt

Erdbeben in der Formel 1

Der Formel 1 widerfährt in der Saison 2009 eine einschlagende Änderung. Weltmeister ist nicht mehr derjenige, welcher am meisten Punkte sammelt, sondern der mit den meisten Siegen.

von
Reto Fehr

In Paris sorgte der FIA-Weltverband für eine kleine Revolution. Dabei wurde das Reglement für die Saison 2009 und 2010 besprochen. Wichtigste Änderung: Erstmals in der Geschichte der Königsklasse wird nicht mehr derjenige Fahrer Weltmeister mit den meisten Punkten, sondern der mit den meisten Siegen. Haben zwei Fahrer gleich viele Zähler auf dem Konto, zählen die insgesamt geholten Punkte. Die Änderung hatte sich wohl angekündigt, ist aber trotzdem ein Erdbeben im Formel-1-Zirkus.

Sechs Siege hätten 2008 zum Titel gereicht

Somit ist Konstanz nicht mehr entscheidend für den WM-Titel. Im letzten Jahr hätte Felipe Massa nach dem neuen Reglement mit sechs Saisonsiegen den Titel geholt. Konkret: Gewinnt ein Pilot beispielsweise die ersten sechs Grand Prix und scheidet danach jedes Mal aus, könnte er trotzdem Weltmeister werden. Im Extremfall ist die WM gar bereits am 12. Juli beim GP von Deutschland entschieden. Dann nämlich sind neun Rennen vorbei. Gewinnt bis dahin immer der gleiche Fahrer, kann er in den restlichen acht GPs nicht mehr überholt werden.

Punkteverteilung bleibt

Die WM-Punkte der ersten acht werden wie bisher vergeben: 10-8-6-5-4-3-2-1. Damit ging der Weltrat (das World Council) des Internationalen Automobilverbandes FIA auf seiner Tagung in Paris nicht auf den Vorschlag der Teamvereinigung Fota (Formula One Teams Association) ein. Diese hatte nämlich für eine neue Punkteverteilung plädiert, die den Sieg mehr belohnt: 12-9-7-5-4-3-2-1. Auch der von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone favorisierte Vorschlag, Medaillen wie bei Olympischen Spielen zu vergeben, wurde von der FIA abgeschmettert.

Nur Senna und Massa hätten einen Titel geholt

In den letzten 20 Jahren hätte damit nicht nur Massa den Titel 2008 gewonnen, sondern auch 1989 Ayrton Senna (sechs Siege) anstelle von Alain Prost. In den Saisons 2005 und 2006 hatten jeweils auch zwei Fahrer gleich viele Saisonsiege auf dem Konto. Beide Male hatte Fernando Alonso aber die Nase nach Punkten vorne. Diese wäre auch nach dem neuen Reglement so, denn Alonso hatte sowohl 2005 (gegenüber Räikkönen) und auch 2006 (gegenüber Schumacher) insgesamt ohne die Siege mehr Punkte herausgefahren.

Budgetobergrenze wird belohnt

Teams, die im nächsten Jahr mit einem Etat von maximal 33 Millionen Euro antreten, erhalten «grössere technische Freiheiten». Mit diesen heftigen Kostenreduzierungen sollen vor allem potenzielle Neueinsteiger angelockt werden. «Diese Regeln ermutigen zu intelligenten Entwicklungen», sagte FIA-Präsident Max Mosley.

Testfahrten präzisiert

Das Gremium präzisierte auch die Bestimmungen für die stark eingeschränkten Testfahrten. Künftig dürfen drei junge Fahrer nach dem letzten Grand Prix und dem 31. Dezember einen Tag lang testen. Diese dürfen aber in den zurückliegenden 24 Monaten nicht mehr als zwei WM-Läufe oder vier Testtage absolviert haben. Zudem können die Teams acht jeweils eintägige «Aerodynamiktests» zwischen dem 1. Januar und dem letzten Grand Prix 2009 fahren.

Freie Bahn für Brawn GP

Keine Steine legten die Delegierten Ross Brawn in den Weg. Der Brite darf mit dem von ihm übernommenen ehemaligen Honda-Rennstall als Brawn GP Formula One Team in die am 29. März in Melbourne beginnende Saison starten. Er muss auch nicht die bei einem Neuantritt sonst fällige Gebühr bezahlen.

(fox/si)

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