Aktualisiert 11.10.2005 06:59

Erdbeben: Indien hilft dem Erzfeind Pakistan

Angesichts des verheerenden Erdbebens mit vermutlich mehr als 41'000 Toten stellen die Erzrivalen Pakistan und Indien ihre Differenzen in den Hintergrund.

Zum ersten Mal seit Menschengedenken wird Indien eine Hilfslieferung in Richtung des Nachbarlandes auf den Weg bringen, wie die indische Zeitung «The Telegraph» am Dienstag meldete.

Ein Transportflugzeug der Luftwaffe soll bereits in Kürze mit rund 25 Tonnen Hilfsgütern an Bord starten, darunter dringend benötigte Zelte, Decken, Medikamente und Nahrungsmittel.

Auch Tage nach dem Erdbeben der Stärke 7,7 finden Rettungskräfte unter den Trümmern noch immer Überlebende. Am Montagabend bargen Helfer eine Frau und ihre kleine Tochter aus dem Schutt eines eingestürzten Hochhauses in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Die Suche nach weiteren Überlebenden wurde auch in der Nacht fortgesetzt.

Keine gemeinsamen Einsätze

Während Pakistan das Hilfsangebot Indiens annahm, wird es gemeinsame Rettungseinsätze in der von beiden Staaten beanspruchten Kaschmirregion nicht geben, wie die pakistanische Zeitung «Daily Times» meldete. «Es gibt keine Möglichkeit für gemeinsame Hilfseinsätze auf beiden Seiten der Grenzlinie», sagte die Sprecherin des Aussenministeriums in Islamabad, Tasnim Aslam der Zeitung. Es gebe dort auch keine Bewohner, denen geholfen werden könnte.

Dem Zeitungsbericht zufolge sind unter den Opfern des Erdbebens allerdings auch viele Soldaten, die beiderseits der Grenzlinie zwischen den von Indien und Pakistan kontrollierten Teilen Kaschmirs stationiert waren. Seit ihrer Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft 1947 haben Indien und Pakistan drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um das geteilte Kaschmir.

Grosse Hilfsbereitschaft

Nach dem Erdbeben - dem stärken in der Region seit 100 Jahren - setzte rund um den Globus eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. Die USA sagten Pakistan Hilfen in Höhe von 50 Mio. Dollar zu. «Jede Stunde zählt», betonte UNO-Generalsekretär Kofi Annan.

Die Weltbank kündigte einen 20-Millionen-Dollar-Kredit zur Wiederaufbauhilfe an. Die EU will schon in den kommenden Tagen ihre angekündigte Erdbeben-Soforthilfe von zunächst 3,6 Mio. Euro erheblich aufstocken. Zugleich begannen erste Planungen für die Unterstützung des Wiederaufbaus. Pakistan bat auch die NATO um Hilfe. (sda)

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