Aktualisiert 30.05.2006 15:09

Erdbeben: Wettlauf gegen die Zeit

Angesichts von schätzungsweise 200 000 Obdachlosen wird im Katastrophengebiet auf Java der Ausbruch von Krankheiten befürchtet.

Drei Tage nach dem Beben hatten Einsatzkräfte kaum mehr Hoffnung, unter den Trümmern noch Überlebende zu finden.

Die Zahl der Toten wuchs auch am Dienstag weiter: Nach Angaben des indonesischen Sozialministeriums kamen bei dem Erdstoss der Stärke 6,2 mindestens 5698 Menschen ums Leben.

Die meisten Todesopfer gab es im Bezirk Bantul südlich der Stadt Yogyakarta mit allein fast 3600 Toten. Etwa 10 700 Menschen wurden nach Angaben des Ministeriums verletzt, drei Viertel von ihnen schwer.

Aufgeweichte Strassen erschweren Hilfe

«Viele Patienten mit komplizierten Brüchen und Kopfverletzungen müssten dringend operiert werden, aber es fehlt an Personal und Geräten», sagte ein Helfer in Yogyakarta. Auf dem Flughafen der Stadt landeten erneut Maschinen mit Hilfsgütern.

Die UNO richtete ein Koordinierungszentrum ein, um die Verteilung der eintreffenden Hilfsgüter abzustimmen. Die Hilfe sei «schnell und wirkungsvoll» angelaufen, weil alle Beteiligten schon für andere Einsätze vor Ort gewesen seien, sagte eine UNO- Sprecherin in Genf.

Überlebende in abgelegenen Regionen des Erdbebengebiets klagten jedoch, dass Nahrungsmittel sie nur schleppend erreichten. Hilfsorganisationen räumten ein, dass nach starken Regenfällen einige Gegenden wegen aufgeweichter Strassen schwer mit Fahrzeugen zu erreichen seien.

Angst vor Epidemien

Zehntausende Menschen hatten die dritte Nacht in Folge trotz Regens im Freien verbracht, weil sie ihr Dach über dem Kopf verloren oder Angst vor neuen Erdstössen haben. Angesichts des Heeres von Obdachlosen sind die hygienischen Verhältnisse schwierig.

Die Menschen seien äusserst anfällig für Epidemien, sagte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO. Entscheidend sei die ständige Überwachung und eine schnelle Reaktion, sollten Krankheiten ausbrechen.

Präsident Susilo Bambang Yudhoyono sagte bei seinem Besuch im Katastrophengebiet, die medizinische Hilfe sei jetzt am wichtigsten, «um so viele Leben wie möglich zu retten».

Neues Erdbeben - Merapi etwas ruhiger

Den östlichsten Teil Indonesiens erschütterte am Dienstag ein weiteres Erdbeben. Die Erdstösse in der Provinz Papua erreichten eine Stärke von 6,0 auf der Richterskala, wie das Geophysische Institut in Jakarta mitteilte. Berichte über Opfer lagen nicht vor.

Mit dem Beben am Samstag hatte sich auch die Aktivität des seit Wochen brodelnden Vulkans Merapi nochmals verstärkt, so dass befürchtet wurde, ein grosser Ausbruch könne die Not in der Region noch verschlimmern. Es bleibe ungewiss, wie sich das Beben auf den Vulkan auswirke, sagte ein Experte der nationalen Vulkanwarte.

Im Vergleich zum Montag habe sich der Merapi etwas beruhigt. Allerdings schleudere er noch immer heisse Asche bis zu drei Kilometer hoch in den Himmel. Die Behörden hielten die höchste Alarmstufe um den Berg aufrecht.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.