Aktualisiert 08.12.2008 13:31

ProteinforschungErdnuss-Allergie bald Vergangenheit?

Ernüsse gehören in der Adventzeit einfach irgendwie dazu. Doch nicht zur Freude aller. Wer an einer Erdnuss-Allergie litt, musste sich bislang sehr in Hut nehmen. Doch Wissenschaftler schaffen jetzt Abhilfe.

Die Erdnuss (Arachis hypogaea) gehört zu den Schmetterlingsblütlern, wie die Gartenerbse. Viele Menschen reagieren allergisch auf sie. Dennoch essen auch sie gelegentlich unwissentlich die gefährlichen Nüsse, etwa versteckt in Sossen, in Schokoriegeln oder Süssigkeiten. Amerikanische Forscher haben nun zwei für Allergiker mitunter lebensgefährliche Proteine in Erdnüssen mit einem genetischen Trick gezielt ausgeschaltet. Damit weist das Wissenschaftler-Team um Peggy Ozias-Akins von der University of Georgia in Tifton womöglich einen neuen Weg zur Produktion sicherer Nahrungsmittel.

Der Erdnuss-Schock

Bei einigen Menschen können schon winzige Erdnussverunreinigungen von zwei Milligramm eine allergische Reaktion auslösen. Im schlimmsten Fall kommt es zum tödlichen, sogenannten anaphylaktischen Schock. In den USA sind 0,6 Prozent der gesamten Bevölkerung allergisch auf die Nüsse und bis zu 0,8 Prozent der Kinder, heisst es in dem Journal. Demnach gehen 80 Prozent der anaphylaktischen Schocks auf Erd- und andere Nüsse zurück, ein lebensbedrohendes Versagen des Herz-Kreislauf-Systems ist die Folge.

Peanut butter plötzlich geniessbar

Ozias-Akins und ihre Kollegen bedienten sich der sogenannten RNA-Interferenz (RNAi). Dafür wurden kurze «Schnipsel» aus der Erbsubstanz RNA, der Ribonukleinsäure, ins Genom der Erdnusspflanzen gebracht. Diese sind so konstruiert, dass sie sich an die Protein-Bauanleitungen für die beiden am stärksten Allergie auslösenden Proteine in der Erdnuss anlagern, Ara h 2 und Ara h 6. Die Konzentration der Proteine in den Samen war daraufhin bis zu 16-mal geringer als vorher, schreiben die Forscher im «Journal of Agricultural and Food Chemistry».

Diese Daten zeigen einen neuen Weg zur allergiefreien Erdnuss, heisst es bei Ozias-Akins. 80 bis 90 Prozent aller Erdnussallergiker haben Antikörper gegen Ara h 2 und Ara h 6 im Blut. In Reagenzglasversuchen mit Antikörpern von Betroffenen zeigte sich eine verringerte Bindung.

Weihnachten noch nicht sicher

Die US-Forscher erwarten derweil nicht, dass die experimentellen Pflanzen Ausgangspunkt von Produktionslinien werden. Dafür seien einerseits die Regeln für die Freisetzung solcher Pflanzen zu streng. Zum anderen sei nicht sicher, ob die beiden Gene durch RNAi dauerhaft stummgeschaltet blieben. Womöglich lassen sich Ara h 2 und Ara h 6 auf andere Weise ganz ausschalten. Zudem sind die beiden Proteine bei Weitem nicht die einzigen Allergie auslösenden Substanzen in den Samen.

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