Aktualisiert 06.03.2010 15:32

Armenien-FrageErdogan empört über Resolution

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Armenien-Resolution eines US-Kongressausschusses als «Komödie» und «Parodie» bezeichnet. Die Türkei werde sich davon nicht abschrecken lassen, sagte Erdogan in einer Rede vor Wirtschaftsvertretern in Istanbul.

Mit der Einstufung der türkischen Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als «Völkermord» hatte der Ausschuss des Repräsentantenhauses am Donnerstag heftige Proteste in der Türkei ausgelöst.

Die Resolution des Auswärtigen Ausschusses im Repräsentantenhaus sei das Ergebnis einer «verfehlten Politik», hielt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag fest. «Lassen Sie mich sehr deutlich sagen, dass uns diese Resolution nicht schaden wird. Aber sie wird die zwischenstaatlichen Beziehungen, die Interessen zweier Länder und ihre Vorstellungen von der Zukunft belasten.»

Der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu forderte die Regierung von US-Präsident Barack Obama auf, die Armenien-Resolution zu blockieren, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern nicht zu gefährden.

Resolution nicht vor US-Kongress

Diese Forderung schien in den USA Gehör zu finden: Wie die «Washington Post» berichtete, soll die umstrittene Resolution im US- Kongress nicht ins Plenum kommen. Darauf hätten sich die Regierung von Präsident Barack Obama und führende Abgeordnete geeinigt, schreibt das Blatt am Samstag.

US-Aussenministerin Hillary Clinton hatte bereits Entgegenkommen signalisiert. Die US-Regierung werden sich dafür einsetzen, dass die Resolution nicht im Plenum des Repräsentantenhauses zur Abstimmung gestellt werde, hatte Clinton angekündigt.

Die Türkei und Armenien streiten seit Jahrzehnten über den Umgang mit den Massakern und Vertreibungen im Osmanischen Reich, bei denen zwischen 1915 und 1917 nach armenischen Angaben mehr als 1,5 Millionen Armenier getötet wurden.

Die Türkei spricht von 250 000 bis 500 000 armenischen Todesopfern und lehnt die Einstufung der Verbrechen als Völkermord ab. Ankara argumentiert, dass die Armenier damals den Kriegsgegner Russland unterstützt und ihrerseits zehntausende Türken getötet hätten.

(sda)

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