Aktualisiert 30.10.2016 11:18

PutschversuchErdogan entlässt 10'000 türkische Beamte

Erdogan setzt die «Säuberungen» im Staatsapparat fort. Dieses Mal trifft es Bedienstete des Bildungs-, Justiz- und Gesundheitsministeriums.

von
woz
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Will Parlament über Todesstrafe entscheiden lassen: Recep Tayyip Erdogan, hier bei einer Verantstaltung in Ankara. (29. Oktober 2016) (Bild: Keystone)

Will Parlament über Todesstrafe entscheiden lassen: Recep Tayyip Erdogan, hier bei einer Verantstaltung in Ankara. (29. Oktober 2016) (Bild: Keystone)

Seit Verhängung des Ausnahmezustands geht die türkische Führung mit grosser Härte gegen Regierungsgegner vor: Staatschef Recep Tayyip Erdogan in Ankara. (10. August 2016)

Seit Verhängung des Ausnahmezustands geht die türkische Führung mit grosser Härte gegen Regierungsgegner vor: Staatschef Recep Tayyip Erdogan in Ankara. (10. August 2016)

Keystone
Rund 7500 Soldaten wurden festgenommen - zudem wurden 149 Generäle und Admiräle aus der Armee entlassen: Während dem Putschversuch nahmen Zivilisten und Erdogan-Anhänger Soldaten fest.

Rund 7500 Soldaten wurden festgenommen - zudem wurden 149 Generäle und Admiräle aus der Armee entlassen: Während dem Putschversuch nahmen Zivilisten und Erdogan-Anhänger Soldaten fest.

Keystone/Sedat Suna

Dreieinhalb Monate nach dem Putschversuch in der Türkei sind mehr als 10'000 weitere Beamte aus dem Staatsdienst entlassen worden. Dies geht aus zwei Dekreten hervor, die am späten Samstagabend im offiziellen Amtsblatt veröffentlicht wurden. Betroffen sind demnach vor allem Bedienstete des Bildungs-, Justiz- und Gesundheitsministeriums. Zudem wurde die Schliessung von 15 Medien verkündet, die meisten davon pro-kurdisch.

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In den Monaten nach dem Putschversuch vom Juli 2016 ging die türkische Führung mit grosser Härte gegen Regierungsgegner vor: Präsident Erdogan bei einer Ansprache in seinem Palast in Ankara. (Symbolbild)

In den Monaten nach dem Putschversuch vom Juli 2016 ging die türkische Führung mit grosser Härte gegen Regierungsgegner vor: Präsident Erdogan bei einer Ansprache in seinem Palast in Ankara. (Symbolbild)

Keystone/Yasin Bulbul/AP
Rund 7500 Soldaten wurden festgenommen – zudem wurden 149 Generäle und Admiräle aus der Armee entlassen: Während dem Putschversuch nahmen Zivilisten und Erdogan-Anhänger Soldaten fest.

Rund 7500 Soldaten wurden festgenommen – zudem wurden 149 Generäle und Admiräle aus der Armee entlassen: Während dem Putschversuch nahmen Zivilisten und Erdogan-Anhänger Soldaten fest.

Keystone/Sedat Suna
Neben den Armeeangehörigen wurden circa 8000 Polizisten entlassen und der Ausnahmezustand ausgerufen: Die Polizei auf Patrouille in Istanbul. (21. Juni 2016)

Neben den Armeeangehörigen wurden circa 8000 Polizisten entlassen und der Ausnahmezustand ausgerufen: Die Polizei auf Patrouille in Istanbul. (21. Juni 2016)

Keystone/EPA/Deniz Toprak

Nach dem Putschversuch vom 15. Juli hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan massive «Säuberungen» im Staatsapparat angekündigt, sofort danach wurden bereits mehrere zehntausend Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, der Justiz, der Medien und des Bildungswesens aus dem Dienst entfernt. Nun kamen den im Amtsblatt veröffentlichten Dekreten zufolge nochmals 10'131 Staatsdiener hinzu.

Zudem wurden in den vergangenen dreieinhalb Monaten mehr als 35'000 Menschen verhaftet. Bei ihnen handelt es sich vor allem um Anhänger des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan als Drahtzieher des Umsturzversuchs betrachtet.

Parlament soll über Todesstrafe entscheiden

Das massive Vorgehen der türkischen Behörden gegen Gegner der Regierung führte zu Besorgnis in der Europäischen Union, die Ankara mehrmals zur Einhaltung der demokratischen Standards aufforderte. Das dadurch ohnehin gespannte Verhältnis wurde von Erdogan erst am Samstag nochmals schwer belastet: Der Präsident kündigte an, dass das Parlament über die Wiedereinführung der Todesstrafe entscheiden soll.

Die Regierung werde dem Parlament einen Gesetzentwurf über die Wiedereinführung der Todesstrafe übermitteln, sagte Erdogan. Er sei überzeugt, dass die Abgeordneten für die Todesstrafe stimmen werden. «Und ich werde sie ratifizieren», fügte Erdogan hinzu. Einwände der EU gegen sein Vorhaben wischte der Staatschef beiseite: Diese Kritik «zählt nicht», sagte er vor jubelnden Anhängern.

Die Europäische Union hatte in den vergangenen Wochen mehrmals gewarnt, dass eine Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei ein Ende der 2005 begonnenen Beitrittsverhandlungen bedeuten würde. (woz/afp)

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