Krise in Ägypten: Erdogan gibt Israel die Schuld am Umsturz
Aktualisiert

Krise in ÄgyptenErdogan gibt Israel die Schuld am Umsturz

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will Beweise dafür haben, dass Israel hinter dem Sturz von Ägyptens Staatschef Mursi steckt. Das Weisse Haus in Washington reagierte umgehend.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Israel vorgeworfen, hinter dem Sturz von Ägyptens islamistischem Staatschef Mohammed Mursi zu stecken. «Wir haben dafür Beweise», sagte Erdogan in einer am Dienstag ausgestrahlten TV-Ansprache vor Vertretern seiner Partei AKP.

Dabei verwies er auf ein Treffen zwischen einem israelischen Justizminister und einem Intellektuellen in Frankreich, das vor den Wahlen in Ägypten im Jahr 2011 stattfand. Der Gelehrte habe darin erklärt, so Erdogan, dass die Muslimbruderschaft auch dann nicht an die Macht käme, wenn sie Wahlen gewinnen würde.

Scharfe Kritik aus Israel und Washington

Ein Gefolgsmann Erdogans sagte später der Nachrichtenagentur AP, dass es sich bei dem besagten Videobeleg um eine Pressekonferenz der heutigen israelischen Justizministerin Zipi Livni und des französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy handele. Darin erklärt der Intellektuelle: «Wenn die Muslimbruderschaft in Ägypten ankommt, werde ich nicht sagen, die Demokratie will das so, also soll die Demokratie voranschreiten. Bei Demokratie geht es nicht nur um Wahlen, es geht um Werte».

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu reagierte empört auf die Vorwürfe von Erdogan. Diese seien «absurd», erklärte das Büro Netanjahus am Dienstagabend. Auch das Weisse Haus äusserte scharfe Kritik an den Worten des türkischen Regierungschefs. Dessen Andeutungen seien beleidigend, unbegründet und falsch, sagte US-Regierungssprecher Josh Earnest. Überdies lenkten Erdogans Einlassungen nur von der Notwendigkeit einer konstruktiven Zusammenarbeit aller Länder in der Region ab. (sda)

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