Türkei: Erdogan lässt 758 Soldaten wieder frei
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TürkeiErdogan lässt 758 Soldaten wieder frei

Die türkischen Behörden haben staatlichen Angaben zufolge Soldaten freigelassen, die nach dem Putschversuch festgenommen worden waren.

von
foa
Lässt Häftlinge in die Freiheit ziehen: Der türkische Präsiden Recep Tayyip Erdogan hält in Ankara eine Rede zum Putschversuch und dessen Opfer. (29. Juli 2016)

Lässt Häftlinge in die Freiheit ziehen: Der türkische Präsiden Recep Tayyip Erdogan hält in Ankara eine Rede zum Putschversuch und dessen Opfer. (29. Juli 2016)

Keystone/AP Photo/Kayhan Ozer Presidential Press Service

Die Freihlassung sei am Samstag auf Empfehlung der Staatsanwaltschaft geschehen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Richter habe zugestimmt und die Festnahmen als unnötig bezeichnet. Seit dem Putschversuch Mitte Juli gehen die Behörden massiv gegen mutmassliche Unterstützer der Umstürzler vor. Fast 1700 Militärangehörige wurden unehrenhaft entlassen.

Insgesamt wurden nach einem Anadolu-Bericht vom Freitag bislang mehr als 66'000 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes ihrer Posten enthoben, darunter etwa 43'000 aus dem Bildungssektor. Mehr als 18'000 Menschen wurden zudem laut Innenministerium im Zusammenhang mit dem Putschversuch in Gewahrsam genommen. 50'000 Pässe wurden für ungültig erklärt.

Eine einmalige Geste

Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte am Freitag auch an, sämtliche Beleidigungsklagen zurückzunehmen. Hintergrund sei das Gefühl, dass die Gesellschaft nach dem gescheiterten Putsch zusammenstehe. Es handle sich um eine einmalige Geste.

Gegen mehr als 1800 Menschen wurden seit Erdogans Amtsantritt 2014 Beleidigungsverfahren eröffnet, wie das Justizministerium vor einiger Zeit mitteilte. Betroffen waren demnach Journalisten, Karikaturisten und auch Kinder. (foa/sda)

Türkei fing verschlüsselte Nachrichten ab

Die Türkei hat nach Angaben eines Behördenvertreters schon lange vor dem Putschversuch am 15. Juli verschlüsselte Nachrichten von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen abgefangen. Dadurch habe Ankara die Namen von zehntausenden Mitgliedern des Gülen-Netzwerks gehabt, sagte der ranghohe Behördenvertreter, der anonym bleiben wollte. Demnach begann der türkische Geheimdienst MIT bereits im Mai vergangenen Jahres damit, über die Handy-App ByLock versendete Nachrichten zu entschlüsseln. Darüber seien fast 40'000 Namen von Gülen-Anhängern, darunter die von 600 Militärangehörigen, identifiziert worden. Eine «grosse Anzahl» der auf diese Weise Identifizierten sei «direkt» in den Putschversuch verwickelt gewesen, sagte der Behördenvertreter weiter.

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