Ekklat in Wien: Erdogan vergleicht Zionismus mit Faschismus
Aktualisiert

Ekklat in WienErdogan vergleicht Zionismus mit Faschismus

An einem Uno-Treffen in Wien forderte der türkische Premier, dass Islamfeindlichkeit verboten werde – wie Zionismus, Antisemitismus und Faschismus. Israel und die USA reagierten scharf.

Provozierte mit seinen Äusserungen internationale Kritik: Recep Tayyip Erdogan.

Provozierte mit seinen Äusserungen internationale Kritik: Recep Tayyip Erdogan.

Der türkische Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat mit Äusserungen über Zionismus und Faschismus Empörung hervorgerufen. Erdogan hatte bei einem UN-Treffen in Wien gesagt, Islamfeindlichkeit sollte «genau wie Zionismus, Antisemitismus und Faschismus» als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft werden. Israel und die USA reagierten mit scharfer Kritik.

US-Aussenminister John Kerry erklärte am Freitag bei einem Besuch in Ankara, die Äusserung mache den Friedensprozess im Nahen Osten nur noch komplizierter. Es sei «dringend notwendig, den Geist von Toleranz voranzubringen, und das betrifft alle öffentlichen Stellungnahmen aller politischen Führer», fügte er an.

«Lügnerisch»

Bei einem Gespräch mit seinem türkischen Kollegen Ahmet Davutoglu habe er dies sehr diskret angesprochen. Dasselbe werde er auch bei einem Treffen mit Erdogan selbst tun. Trotz Erdogans Kommentars hoffe er, dass die Türkei und Israel bald wieder so enge Beziehungen wie früher herstellen.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu wies die Äusserungen am Donnerstagabend als »lügnerisch« zurück. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Tommy Vietor, bezeichnete Erdogans Aussagen als «beleidigend und falsch». (sda)

Zionismus

Der Zionismus ist die ideologische Bewegung zur Errichtung eines jüdischen Nationalstaats in Palästina. Das Land Israel (Eretz Israel) ist demnach die Verwirklichung eines vorchristlichen Traums der Israeliten vom Zusammenleben in Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Zionismus vor dem Hintergrund eines zunehmenden Antisemitismus in Osteuropa und das Leben in der Diaspora durch Theodor Herzl zur politischen Kraft. Das Ziel eines eigenen Staats wurde 1948 mit der Gründung Israels erreicht.

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