Operation Olivenzweig: Erdogan will Flüchtlinge nach Afrin schaffen
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Operation OlivenzweigErdogan will Flüchtlinge nach Afrin schaffen

Die türkische Militäroffensive im syrischen Afrin richtet sich gegen die syrisch-kurdische Miliz YPG. Der türkische Präsident Erdogan verfolgt aber noch ein weiteres Ziel.

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gux
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Türkische Truppen in der Nähe von Afrin im Norden Syriens. (28. Januar 2018)

Türkische Truppen in der Nähe von Afrin im Norden Syriens. (28. Januar 2018)

AP
Die Türkei hatte im Januar mit der «Operation Olivenzweig» begonnen, um die syrisch-kurdische Miliz YPG aus der syrisch-kurdischen Enklave Afrin zu vertreiben.

Die Türkei hatte im Januar mit der «Operation Olivenzweig» begonnen, um die syrisch-kurdische Miliz YPG aus der syrisch-kurdischen Enklave Afrin zu vertreiben.

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Allein am Samstag kamen nach offiziellen Angaben elf türkische Soldaten ums Leben, es war der bislang opferreichste Tag für die türkischen Truppen.

Allein am Samstag kamen nach offiziellen Angaben elf türkische Soldaten ums Leben, es war der bislang opferreichste Tag für die türkischen Truppen.

AP/Emre Tazegul

Mit der Militäroffensive in Afrin will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen die syrisch-kurdische Miliz YPG vorgehen. Er will auch syrische Flüchtlinge aus der Türkei nach Afrin schaffen, wie die «NZZ am Sonntag» (Printausgabe) schreibt.

Daraus macht der türkische Staatschef auch kein Geheimnis: Zu Beginn der Offensive kündigte Erdogan die Repatriierung der Syrer nach Afrin an und bekräftigte dies jetzt erneut: Die Flüchtlinge könnten nicht ewig in der Türkei bleiben. Deswegen werde die Türkei in der syrisch-kurdischen Enklave Siedlungen und öffentliche Einrichtungen für sie bauen.

Derzeit leben in der Türkei rund 3,4 Millionen Syrer. Die wenigsten haben eine Stelle oder dann arbeiten sie für wenig Geld und ohne Versicherungs- oder Kündigungsschutz. Zunehmend fühlt sich die türkische Bevölkerung um ihre Jobs gebracht, und die Ressentiments gegenüber den Flüchtlingen wachsen. Obwohl die Regierung lange Zeit eine Politik der offenen Tür betrieben hatte, befürworten mittlerweile 82 Prozent der AKP-Wähler die Rückkehr der Flüchtlinge, wie eine Umfrage der Bilgi-Universität ergab.

Geschaffene Fakten im faktisch besetzten Gebiet

Angesichts der gekippten Stimmung in der eigenen Wählerbasis «heizt Erdogan die ausländerfeindliche Stimmung nach Kräften an», wie die «NZZ am Sonntag» weiter schreibt. Was für Afrin geplant ist, geschieht bereits im faktisch besetzten Gebiet weiter östlich von Afrin entfernt: Wohnsiedlungen, öffentliche Einrichtungen und Moscheen wurden dort bereits aus dem Boden gestampft.

Andererseits hat die Türkei seit dem Flüchtlingsabkommmen mit der EU die Grenze nach Syrien offenbar dicht gemacht. Menschenrechtsorganisationen werfen der türkischen Regierung sogar vor, Grenzwächter würden auf Zivilisten schiessen, um sie am Übertritt zu hindern. Ankara bestreitet dies.

31 getötete Soldaten

Die Türkei hatte am 20. Januar mit der «Operation Olivenzweig» begonnen, um die syrisch-kurdische Miliz YPG aus der syrisch-kurdischen Enklave Afrin zu vertreiben. Die Regierung in Ankara stuft die YPG als verlängerten Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit ebenfalls als Terrororganisation ein.

Für die USA und andere westliche Staaten war die Gruppe hingegen in den vergangenen Jahren ein entscheidender Verbündeter im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Seit Beginn der Operation wurden 31 türkische Soldaten getötet. Allein am Samstag kamen nach offiziellen Angaben elf Soldaten ums Leben, es war der bislang opferreichste Tag für die türkischen Truppen.

«Verluste haben und für Verluste sorgen»

Am Samstag stürzte ein türkischer Militärhelikopter bei der Offensive im Norden Syriens ab. Das türkische Militär teilte mit, zwei Soldaten seien getötet worden, als ihr Helikopter in den Mittagsstunden abgestürzt sei.

Nach Angaben von Präsident Erdogan wurde er abgeschossen. Die syrisch-kurdische Miliz YPG nannte Erdogan nicht beim Namen, sagte aber, die Verantwortlichen würden dafür zahlen. «Wir befinden uns in einem Krieg. Wir werden Verluste haben, aber wir werden auch für Verluste sorgen», sagte Erdogan.

YPG-Sprecher Mustafa Bali, bestätigte, dass seine Kämpfer den Helikopter in Raju im Nordwesten der Enklave Afrin zu Boden gebracht hätten.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte in der westtürkischen Provinz Mugla, die Absturzursache sei noch unklar und Ermittlungen liefen. Es gebe noch keine Beweise für Einfluss von aussen, sagte er entgegen der Angaben Erdogans.

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