Keine harmlose Gehilfin: Erfahrene Kriminaltouristin verurteilt
Aktualisiert

Keine harmlose GehilfinErfahrene Kriminaltouristin verurteilt

Zusammen mit drei Landsleuten hat eine rumänische Profidiebin in Lachen und Rapperswil Bargeld und Waren für über 128 000 Franken gestohlen. Am Donnerstag setzte sich die Verteidigung der erwischten Osteuropäerin vergeblich für eine Senkung einer hohen Freiheitsstrafe von 40 Monaten ein.

von
Attila Szenogrady

Es war am 20. Januar 2011, als die Zürcher Polizei eine heute 38-jährige Rumänin festnahm. Die Ermittlungen ergaben, dass den Fahndern ein grosser Fisch ins Netz geschwommen war. So war die Kriminaltouristin zwischen Herbst 2009 und Sommer 2010 an mindestens 22 Trick-Diebstählen einer rumänischen Bande massgeblich beteiligt. Dabei hatten sich die Langfinger vor allem die Gemeinden Lachen, Pfäffikon (SZ) und Rapperswil als Jagdgebiet ausgesucht.

Als Ablenkerin oder Abschirmerin aktiv

Die Frau gab alle Vorwürfe der Anklage zu. Auch ihre Rolle als Ablenkerin und Abschirmerin. Zum Beispiel am 14. Mai 2010, als die Rumänen beim Oberseecenter in Lachen auftauchten und einer abgelenkten 36-jährigen Schweizer das Portemonnaie aus der Handtasche fischten. Da sie zuvor auch den PIN-Code beim Eintippen abgeschaut hatten, konnten sie kurz darauf mit ihrer Kreditkarte 6000 Franken erbeuten.

In Rapperswil fiel auf, dass mehrere Opfer den PIN-Code gleich im Portemonnaie mitführten und es damit der professionellen Täterschaft sehr leicht machten.

Fest steht, dass die Bande innerhalb eines Jahres Bargeld und Waren für über 128 000 Franken erbeutete.

Sie will nur Gehilfin gewesen sein

Im Oktober 2011 musste sich die Rumänen zuerst am Bezirksgericht Zürich verantworten. Die in der Schweiz, Oesterreich und Italien einschlägig vorbestrafte Beschuldigte kassierte wegen gewerbsmässigen sowie bandenmässigen Diebstahls eine hohe Freiheitsstrafe von 40 Monaten.

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am Donnerstag vor Obergericht eine deutliche Strafsenkung auf noch 16 Monate Freiheitsentzug. Zudem die sofortige Haftentlassung ihrer Klientin. Hauptgrund für diesen Antrag: Rechtsanwalt Marc Engler zeigte sich überzeugt, dass seine Mandantin bloss eine untergeordnete Gehilfin gewesen sei. Diese habe alleine schon die Aufteilung der Beute gezeigt. So sei die beschuldigte Befehlsempfängerin mit ein paar tausend «Fränkli» abserviert worden.

Gemeinsame Komplizin: 40 Monate bestätigt

Das Obergericht sah es anders und folgte der Anklage. «Die Beschuldigte war keine Gehilfin, sondern klar eine gemeinsame Komplizin», führte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti aus. Sie sei jedes Mal mit dem Willen zum Diebstahl in die Schweiz eingereist, fuhr Marti fort. Aufgrund der zahlreichen und teils weit zurückliegenden Vorstrafen kam für die Oberrichter ein Strafrabatt nicht mehr in Frage. Sie betätigten die unbedingte Freiheitsstrafe von 40 Monaten einstimmig. Die Diebin, die vor den Schranken einen antriebslosen bis depressiven Eindruck hinterliess, hat bereits 463 Tage der Strafe verbüsst. «Ich will nur noch zurück in meine Heimat», sagte sie in ihrem Schlusswort.

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