Aktualisiert 24.05.2007 10:33

Erfinder der Ursuppe gestorben

Stanley Miller, berühmter Chemiker und Erfinder der künstlichen Ursuppe, ist tot. Er starb im Alter von 77 Jahren am Sonntag, wie die Universität von San Diego (US-Staat Kalifornien) gestern mitteilte.

Miller hatte als Student 1952 in einem Experiment gezeigt, dass die Grundbausteine des Lebens aus einfachen chemischen Verbindungen in einem Glaskolben zusammengekocht werden können. Damit lieferte er viel beachtete Hinweise auf den möglichen Ursprung des Lebens und begründete einen neuen Zweig der Wissenschaft.

Die Zeitungen überschlugen sich, als das Experiment am 15. Mai 1953 durch die Veröffentlichung im Journal «Science» bekannt wurde. Miller hatte im Labor die Verhältnisse auf der unwirtlichen Urerde nachgeahmt.

Der Student konstruierte mit ein paar Glasgeräten einen Kreislauf, in dem er Wasser und die Gase Methan, Ammoniak und Wasserstoff zusammenbrachte.

Blitze gebildet

Darin liess Miller Wasser kochen, dessen Dampf sich mit dem Gasgemisch vermengte. Ein elektrischer Funkenschlag bildete Blitze nach. Bereits nach einer Woche fanden sich unter anderem Glyzin und weitere Aminosäuren in dem Kolben.

Der Student hatte eine Art Ursuppe aus einfachen, anorganischen Verbindungen zusammengekocht und darin einige Bausteine des Lebens erzeugt.

Inzwischen bezweifeln Geowissenschaftler zwar, dass die Bedingungen der Urerde jenen im Glaskolben von Stanley Miller glichen. Einige Forscher nehmen stattdessen an, dass organische Verbindungen mit Meteoriten auf die junge Erde gelangten.

Grundbausteine des Lebens

Dennoch behalten Millers Experimente ihre Bedeutung, zeigten sie doch, dass aus anorganischen Zutaten Grundbausteine des Lebens entstehen können. Der Forscher erhielt zahlreiche Auszeichnungen und war unter anderem Mitglied der angesehenen US-Akademie der Wissenschaften.

Die Bedeutung des «Science»-Artikels ging weit über akademische Kreise hinaus. Besonders faszinierend waren dabei die elektrischen Blitze, unter deren Einfluss die biochemischen Substanzen in der Ursuppe entstanden waren.

Die Öffentlichkeit konstruierte daraus eine Verbindung zwischen Strom und Leben, ein Motiv, das es auch schon zuvor bei Mary Shelleys Frankenstein gab. Die Ursuppe fand - ausser in die Lehrbücher - schnell Eingang in Comic-Strips, Filme, Geschichten und Romane.

(sda)

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