14.09.2016 16:10

Renten-Abstimmung

Erfolg für linke «AHV plus» – dank SVP-Senioren?

Konservative Bürger und Senioren könnten bei der Renten-Abstimmung das Zünglein an der Waage spielen. Das zeigt eine Auswertung.

von
J. Büchi
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Viele SVP-Wähler wollen die AHV-plus-Initiative annehmen - trotz gegenteiliger Parole der Partei. Nationalrätin Natalie Rickli (hier im Gespräch mit Bürgern an einer Wahlveranstaltung) sagt: «Ich höre oft von meinen Wählern: Wenn wir Geld für die Asylbewerber haben, dann haben wir es auch für die Rentner.»

Viele SVP-Wähler wollen die AHV-plus-Initiative annehmen - trotz gegenteiliger Parole der Partei. Nationalrätin Natalie Rickli (hier im Gespräch mit Bürgern an einer Wahlveranstaltung) sagt: «Ich höre oft von meinen Wählern: Wenn wir Geld für die Asylbewerber haben, dann haben wir es auch für die Rentner.»

Keystone/Ennio Leanza
Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, die Initiative anzunehmen, dramatisch an: Will nur ein Viertel der 18- bis 34-Jährigen Ja stimmen, sind es bei den über 50-Jährigen fast zwei Drittel. «Weil ohnehin mehr alte als junge Bürger abstimmen gehen, könnte dieser Umstand an der Urne durchaus eine Rolle spielen», sagt Politologe Thomas Milic.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, die Initiative anzunehmen, dramatisch an: Will nur ein Viertel der 18- bis 34-Jährigen Ja stimmen, sind es bei den über 50-Jährigen fast zwei Drittel. «Weil ohnehin mehr alte als junge Bürger abstimmen gehen, könnte dieser Umstand an der Urne durchaus eine Rolle spielen», sagt Politologe Thomas Milic.

Keystone/Christian Beutler
Auch die Stimmbeteiligung spielt eine Rolle. Wenn sie tief ist, bleiben die Jungen eher zu Hause - die Dominanz der Älteren akzentuiert sich.

Auch die Stimmbeteiligung spielt eine Rolle. Wenn sie tief ist, bleiben die Jungen eher zu Hause - die Dominanz der Älteren akzentuiert sich.

Keystone/Alessandro Della Valle

Bei der AHV-plus-Initiative könnte es zum Fotofinish kommen: Gemäss der Tamedia-Abstimmungsumfrage sind das Ja- und das Nein-Lager derzeit exakt gleich stark: Es steht 49 zu 49 Prozent – bei zwei Prozent Unentschlossenen. Folgende Faktoren entscheiden, ob den Initianten die Sensation gelingt:

SVP-Wähler:

Trotz Nein-Parole der Partei gaben Anfang August noch 62 Prozent der SVP-Anhänger an, für die AHV-plus-Initiative stimmen zu wollen. Inzwischen ist dieser Anteil zwar auf 42 Prozent gesunken. Für eine Gewerkschaftsinitiative, die vor allem von linken Organisationen unterstützt wird, ist dieser Wert aber immer noch hoch. Laut Politologe Thomas Milic vom Forschungsinstitut Sotomo kommt es immer wieder vor, dass die SVP-Basis im Bereich Sozialpolitik gegen die Parteispitze stimmt. «Das dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass sowohl die Senioren als auch die tiefen Einkommensschichten in der SVP-Wählerschaft stark vertreten sind.»

Auch SVP-Nationalrätin und Initiativgegnerin Natalie Rickli sagt: «Ich höre oft von meinen Wählern: Wenn wir Geld für die Asylbewerber haben, dann haben wir es auch für die Rentner.» Wenn sich die Leute detaillierter damit auseinandersetzten, würden sie jedoch merken, dass die beiden Fragen nicht miteinander verbunden sind. «Ein Ja würde uns 5,5 Milliarden zusätzlich kosten.»

Ältere Stimmbürger:

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, die Initiative anzunehmen, dramatisch an: Will nur ein Viertel der 18- bis 34-Jährigen Ja stimmen, sind es bei den über 50-Jährigen fast zwei Drittel. Thomas Milic sagt, bei den meisten Abstimmungen spiele der Graben zwischen Jung und Alt zwar eine untergeordnete Rolle. «Wir wissen jedoch, dass die Bürger stark nach ihren eigenen Interessen stimmen, wenn sie einfach berechnen können, ob ihnen eine Vorlage kurzfristig nützt oder schadet.» Dies sei bei der AHV-plus-Initiative mit ihrer klaren Forderung nach 10 Prozent mehr Rente der Fall. «Weil ohnehin mehr alte als junge Bürger abstimmen gehen, könnte dieser Umstand an der Urne durchaus eine Rolle spielen.»

Thomas Zimmermann, Sprecher des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds, ist der Meinung, der Generationenkonflikt werde «primär von den AHV-Gegnern geschürt – unterstützt von den Medien». Auf der Strasse wolle man nun im direkten Gespräch auch die jüngeren Bürger von den Vorzügen der Initiative überzeugen. «Eine starke AHV nützt auch ihnen. Sonst müssen sie privat für das Alter sparen – das kostet sie viel mehr.»

Stimmbeteiligung:

Wie eine Anfrage bei den Abstimmungsbüros verschiedener Gemeinden zeigt, sind bisher leicht weniger Stimmcouverts eingegangen als das bei früheren Urnengängen zum selben Zeitpunkt. In der Stadt Zürich haben bis am Mittwoch 18,2 Prozent brieflich abgestimmt. Bei der Abstimmung über die Durchsetzungsinitiative im Februar waren es zum gleichen Zeitpunkt schon 34 Prozent, der Schnitt liegt etwa bei 20 Prozent.

Bei einer tiefen Stimmbeteiligung sind die älteren Semester laut Milic noch dominanter als ohnehin schon, weil die Jungen eher einmal einen Urnengang auslassen. «Das dürfte den Initianten tendenziell helfen.»

Ständemehr:

In der Romandie und im Tessin (60% Ja) ist die Zustimmung zur AHV-plus-Initiative laut Tamedia-Umfrage wesentlich höher als in der Deutschschweiz (46% Ja). «Wenn es tatsächlich hart auf hart kommt, wäre das Ständemehr für die Initianten eine grosse Hürde», so Milic. Eine Mehrheit der Kantone zu erzielen, sei speziell für linke Initiativen sehr schwierig.

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