Gegen Messerstechereien: Erfolg in Deutschland – braucht es in Schweizer Partyzonen Waffenverbote?
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Gegen MesserstechereienErfolg in Deutschland – braucht es in Schweizer Partyzonen Waffenverbote?

Düsseldorf und Köln vermelden Erfolge mit Waffenverboten in Partyzonen. Auch in der Schweiz nehmen Messerstechereien zu – über Sinn und Unsinn von Verboten wird aber gestritten.

von
Daniel Graf
Thomas Obrecht
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Immer öfter nehme junge Menschen Messer mit in den Ausgang. 

Immer öfter nehme junge Menschen Messer mit in den Ausgang. 

Madeleine Schoder
Dieser Eindruck bestätigte sich, als 20 Minuten für eine Reportage zum Thema die Partyszene an der Langstrasse beleuchtete. 

Dieser Eindruck bestätigte sich, als 20 Minuten für eine Reportage zum Thema die Partyszene an der Langstrasse beleuchtete. 

Helena Mueller
Zwei junge Männer, die mit einem Messer in den Ausgang gehen.

Zwei junge Männer, die mit einem Messer in den Ausgang gehen.

helena mueller

Darum gehts 

  • Immer mehr Jugendliche nehmen Messer mit in den Ausgang. Messerstechereien unter Jungen nehmen zu. 

  • In verschiedenen deutschen Städten wurden in den Wochenendnächten deshalb Waffenverbote verhängt: Auch grundsätzlich legale Messer oder Pfefferspray sind in diesen Zonen zu bestimmten Zeiten verboten. 

  • Düsseldorf und Köln machen damit gute Erfahrungen. Auch in der Schweiz sympathisieren Politikerinnen und Politiker mit der Idee. 

  • Langfristig helfe aber nur eine umfassende Prävention, sagt Gewaltforscher Dirk Baier. 

In verschiedenen deutschen Städten ist das Tragen von Waffen zu bestimmten Zeiten in den Partymeilen verboten. In Düsseldorf und Köln hat die Polizei gute Erfahrungen gemacht, die Zonen könnten auf weitere Städte ausgeweitet werden. Grund für die Verbote sind verschiedene Ausschreitungen in der Vergangenheit. Nur schon in Düsseldorf wurden von Januar bis März dieses Jahres 70 Fälle festgestellt, in denen gefährliche Gegenstände, meist Messer, mitgeführt wurden. 

Auch in der Schweiz führen immer mehr Personen ein Messer mit im Ausgang. FDP-Nationalrätin Doris Fiala kann der Idee einer Waffenverbotszone deshalb viel Positives abgewinnen. «Es gibt keinen Grund, ein Messer oder Ähnliches mit in den Ausgang zu nehmen.» Gerade auch nach erhöhtem Alkoholkonsum oder anderem Drogenmissbrauch steige oftmals die Gewaltbereitschaft und damit allenfalls auch der Griff zum Messer. «Eine solche Massnahme dürfte der Prävention und Sicherheit dienen», so Fiala.

«Pilotprojekte durchaus sinnvoll»

SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel sagt: «Es ist traurig, dass wir als Gesellschaft so weit gekommen sind, dass wir so etwas diskutieren müssen. Aber wenn es hilft, Messerstechereien zu verhindern, fände ich Pilotprojekte in diese Richtung durchaus prüfenswert.» Klar ist für Büchel: «Solche Massnahmen müssten ganz klar zeitlich und örtlich beschränkt sein. Es kann nicht sein, dass plötzlich jemand irgendwo gebüsst wird, weil er wie seit eh und je ein Schweizer Taschenmesser bei sich hat.»

SP-Nationalrätin Tamara Funiciello dagegen hält von solchen Massnahmen wenig. «Die Frage ist doch, warum Leute mit der Waffe in den Ausgang gehen.» Man müsse nicht die Symptome bekämpfen, sondern mittels Prävention dieses Problem bereits im Ursprung verhindern. Zudem kann sich Funiciello nicht vorstellen, wie diese Massnahme durchgesetzt werden sollte. «Es können niemals alle Waffen entdeckt werden und sollte tatsächlich eine Waffe zum Einsatz kommen, ist dies vom Strafrecht erfasst.» Ein generelles Waffenverbot würde sich deshalb erübrigen.

Gewaltforscher sieht nur kurzfristige Effekte

Für Alexander Bücheli, Mediensprecher der Bar- und Clubkommission, lösen Waffenverbotszonen alleine das Problem nicht: «Doch wenn die Erfahrungen aus dem Ausland positiv sind, wären solche Zonen auch in Zürich als Bestandteil eines Gesamtkonzeptes durchaus vorstellbar.» Wichtig wäre für Bücheli, dass schon in den Schulen gelehrt würde, dass ein Messer oder eine andere Waffe zum eigenen Schutz völlig der falsche Weg sei. «Die Gefahr, zum Täter zu werden, erhöht sich durch das Tragen einer Waffe massiv», sagt Bücheli.

Dass Waffenverbotszonen zumindest kurzfristig einen positiven Effekt erzielen könnten, glaubt Dirk Baier, Gewaltforscher an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften: «Durch solch einen Schritt würde die Gesellschaft generell für das Thema Waffentragen im öffentlichen Raum sensibilisiert. Manche Menschen würden sicherlich auch abgeschreckt, Waffen mit sich zu führen.»

«Langfristiger Nutzen ist nicht belegt»

Die Erfahrungen in Deutschland seien allerdings durchzogen: «Den eher ermutigenden Ergebnissen jetzt in Nordrhein-Westfalen stehen weniger ermutigende Ergebnisse eines Projekts in Leipzig gegenüber, das dazu geführt hat, dass die Verbotszonen dort wieder aufgehoben wurden», sagt Baier.

Aus seiner Sicht brauche es deshalb noch keine solchen Massnahmen in der Schweiz: «Einerseits kann die Polizei bereits jetzt Menschen auf das Mitführen von Waffen kontrollieren. Andererseits haben wir in der Schweiz nur wenige wirkliche Hotspots, die sich für solche Zonen tatsächlich eignen würden. Zuletzt ist der langfristige Nutzen solcher Zonen bislang nicht belegt.»

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