Schlechtes Gewissen: Erfolgreichste App aus dem Apple-Store entfernt
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Schlechtes GewissenErfolgreichste App aus dem Apple-Store entfernt

Mit der Aktualisierung auf iOS 9 kann Werbung auf dem Handy unterbunden werden. Jetzt hat ein Entwickler seinen Adblocker zurückgezogen.

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pst
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Mit der Aktualisierung auf iOS 9 gibt Apple Nutzern nicht nur verschiedene Möglichkeiten, ...

Mit der Aktualisierung auf iOS 9 gibt Apple Nutzern nicht nur verschiedene Möglichkeiten, ...

... über die Safari-Einstellungen Online-Werbung zu reduzieren. Auch sogenannte Adblocker, also Programme, die Werbung komplett blockieren, können jetzt auf iPhones und iPads installiert werden.

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Apple/20 Minuten
Marco Arment, Entwickler der bis dato erfolgreichsten Adblocker-App Peace, hat seine Anwendung allerdings aus dem App Store entfernt, weil er «ein ungutes Gefühl» gehabt habe.

Marco Arment, Entwickler der bis dato erfolgreichsten Adblocker-App Peace, hat seine Anwendung allerdings aus dem App Store entfernt, weil er «ein ungutes Gefühl» gehabt habe.

Twitter/Marco Arment

Nach der Veröffentlichung des mobilen Apple-Betriebssystems iOS 9 ist eine Kontroverse um sogenannte Adblocker entbrannt. Denn neu können Werbeblocker im Safari-Browser installiert werden. Mit diesen Programmen wird Anzeigen auf Websites der Riegel geschoben. Die Möglichkeit, Adblocker zu installieren, gibt es für Desktop-Computer schon länger. iOS 9 läuft bereits auf der Hälfte aller Geräte, meldet Apple.

Entsprechende Apps dominieren den Downloadstore, wie Nakedsecurity.com schreibt. Als Reaktion auf diese Entwicklung haben erste Unternehmen wie etwa RTL oder das Newsportal Cnet.com angefangen, Usern von Werbeblockern keine Videos mehr zu zeigen.

«Es fühlt sich nicht gut an»

Der beliebteste Werbeblocker für iPhones war Peace, ein Programm, mit dessen Hilfe Nutzer online surfen können, ohne dass dabei Werbung eingeblendet wird. Entwickelt hat das Programm Marco Arment. Er ist Mitgründer der Blogging-Plattform Tumblr.

Nach nur zwei Tagen an der Spitze, hat Arment die 2,99 Dollar teure App wieder aus dem Store gelöscht. In einem Blogeintrag begründete er den Schritt: «Mit Peace einen so grossen Erfolg zu haben, fühlt sich nicht gut an. Ich habe das nicht vorausgesehen, hätte es aber sollen. Adblocker haben einen grossen Haken: Sie kommen zwar vielen Menschen in hohem Masse zugute, richten aber bei einigen Schaden an, die diesen nicht verdienen.»

Geld zurück für Käufer

Wer den Werbeblocker Peace bereits installiert hat, kann die App weiterhin nutzen. Allerdings wird es keine Updates mehr für das Programm geben. Wer Peace deshalb nicht mehr nutzen möchte, kann vom Entwickler das für die Anwendung bezahlte Geld zurückfordern.

In den Weiten des Internets gibt es viele aufwendig erstellte Websites, die nur dank Onlinewerbung existieren können. Zu ihnen gehört auch 20Minuten.ch. Nur durch die Schaltung von Werbung und die daraus resultierenden Einnahmen ist es möglich, dass zigtausende Leser täglich kostenlos, kompetent und schnell mit News versorgt werden. Dabei ist 20 Minuten nicht das einzige Newsportal, das sich zu grossen Teilen über Werbung finanziert.

Geld und Macht im Silicon Valley

Entwickler Arment findet, dass sich das Blockieren von Werbung zu einem regelrechten Krieg entwickelt hat. Für Nilay Patel, Chefredaktor der Tech-Plattform Theverge.com, sind die mobilen iOS-Adblocker ein klarer Angriff auf Google.

Es gehe dabei nur um Geld und Macht im Silicon Valley, schreibt Patel. «iOS 9 enthält eine ausgeklügelte Suche, die automatisch Inhalte vorschlägt und innerhalb von Apps suchen kann, Google Inhalte entzieht und dem Web Nutzer. Es erlaubt Anwendern, Inserate zu blockieren, und es bietet Publishern die Rettung in Form von Apple News an, innerhalb derer Apple fröhlich (unblockierbare!) Werbung ausliefert. Es verkauft sie sogar gerne für die Publisher für einen Anteil von nur 30 Prozent.»

Leidtragende dieses Krieges sind für Patel das Web und vor allem kleinere Publisher.

Anzeige-Ausnahmen

20 Minuten finanziert sich über Werbeeinnahmen. Wer das Newsportal nicht per App, sondern über die mobile Website besucht, hat bei den meisten Werbeblockern die Möglichkeit, gezielt Websites auf eine Whitelist zu setzen und Werbung teilweise wieder zu aktivieren. Wir danken für Ihre Unterstützung.

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