Aktualisiert 16.02.2006 00:03

Erfolgswelle

Wakeboarden ist die Sommer-Trendsportart schlechthin. Sie bietet alle nötigen Zutaten: meterhohe Sprünge, Geschwindigkeitsrausch und literweise pures Adrenalin.

Ein Loch im Trommelfell, einen krummen Finger, gerissene Fussbänder, eine Hirnerschütterung und gequetschte Rippen – die Unfallbilanz, die Ana Heydarian (29) nach gut zehn Jahren Wakeboarden aufweist, ist nicht gerade erbaulich. Und dennoch versichert die Wakeboard-Lehrerin lachend: «So gefährlich, wies aussieht, ist Wakeboarden nicht. Um so viel zu erleiden wie ich, muss man sich ziemlich wild gebärden.» Ernsthaft lädiert entsteigt jedenfalls fast niemand dem Zürichsee, an dessen Ufer die Wakeboard Academy Wollishofen angesiedelt ist.

Und das, obwohl sich an sonnigen Wochenenden bis zu 200 Wakeboarder inklusive Boot aufs Wasser wagen, um diese Mischung aus Surfen, Wasserski und Boarden zu zelebrieren. Die Sportart boomt – auch wenn die Idee dazu ironischerweise einer Flaute entspringt: Gelangweilte kalifornische Wellenreiter liessen sich in den Achtzigerjahren bei Windstille von einem Motorboot übers Wasser ziehen und benutzten die Bugwelle (englisch Wake) als Brandungsersatz. Weil die Surfboards zu lang waren, wurde 1990 das erste echte, kurze Wakeboard entwickelt. Inzwischen surft von Krethi und Plethi bis zum Mister Schweiz das halbe Land auf der Bugwelle mit. Sogar eine Aufnahme ins Olympia-Programm wird diskutiert.

«Wakeboarden ist viel einfacher als Surfen», erklärt Ana. «Man ermüdet weniger und ist viel freier.» Besteht die Kunst für Anfänger erst mal darin, Körperhaltung zu bewahren, setzen geübte Wakeboarder zu atemraubenden Stunts an: Die Liste der Figuren geht vom Raley, einer Art Superman-Position, über den Rückwärtssalto Tantrum bis zum komplizierteren Heel Side Back Side 360.

Sascha Gattiker kennt sie alle. Der 14-jährige Stammgast bei der Wakeboard Academy boardet, seit er denken kann. Heute fährt er für Trainingscamps regelmässig in die USA – und ist an den letzten Weltmeisterschaften an die Weltspitze gesurft.

Gewinnen ist allerdings nicht alles. Nach dem Trip auf dem Wasser findet der Wakeboard-Lifestyle im Whirlpool oder beim Grillen seine Fortsetzung. «Früher waren die Wakeboarder eine eingeschworene Szene», weiss Ana. Seit sich sogar Partys im Zürcher Kaufleuten rund ums Wakeboarden drehen, hat sich der enge Kreis zwar geöffnet. Aber egal. «Es geht um Style und Fun», sagt Ana. Und dafür nimmt man sogar ein paar gequetschte Rippen gern in Kauf.

Text -- Claudia Schlup

Fotos -- Dina Haas

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