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Lieber Phil GeldErhalte ich trotz Arbeitsunfall Lohn?

Roberto (22) ist aufgrund eines Berufsunfalls zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Wie sieht es mit der Lohnfortzahlungspflicht aus?

Wer sich bei der Arbeit verletzt und arbeitsunfähig ist, erhält trotzdem Lohn. (Bild: Odyssey)

Wer sich bei der Arbeit verletzt und arbeitsunfähig ist, erhält trotzdem Lohn. (Bild: Odyssey)

Lieber Phil Geld

Ich habe mich letzte Woche während der Arbeit verletzt. Mein Arzt hat mir nun für einen Monat Arbeitsunfähigkeit attestiert. Kann ich Ende Monat dennoch mit meinem Lohn rechnen?

Lieber Roberto

Gemäss Art. 1a Abs. 1 Unfallversicherungsgesetz (UVG) sind grundsätzlich alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden gegen Berufsunfälle, Nichtberufsunfälle und Berufskrankheiten obligatorisch versichert.

Als Berufsunfälle gelten jene, die sich bei Arbeiten ereignen, die auf Anordnung des Arbeitgebers oder in dessen Interessen ausgeführt werden. Als Nichtberufsunfälle gelten demzufolge alle anderen Unfälle – seien es solche auf dem Arbeitsweg, Sportunfälle oder Unfälle in der Freizeit. Nichtberufsunfälle sind bei teilzeitbeschäftigten Arbeitnehmenden erst dann versichert, wenn die wöchentliche Arbeitszeit mindestens acht Stunden beträgt.

Ist der Arbeitnehmende infolge eines Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, hat er Anspruch auf ein Taggeld. Dieses beträgt bei voller Arbeitsunfähigkeit 80 Prozent des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird es entsprechend gekürzt (Art. 17 Abs. 1 UVG).

Der Anspruch auf das Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Folglich musst du zwei Tage warten, bis das Taggeld der obligatorischen Unfallversicherung fliesst. Der Anspruch erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente oder mit dem Tod des Versicherten (Art. 16 Abs. 2 UVG).

Die Lohnzahlungspflicht deines Arbeitgebers gemäss Art. 324a OR ist entsprechend stark eingeschränkt. Du kriegst von ihm grundsätzlich nur während der zwei erwähnten Wartetage Lohn ausbezahlt (Art. 324b Abs. 3 OR, Art. 16 Abs. 2 UVG). Das dient der Ausgleichung der Differenz, sollte die für die beschränkte Zeit geschuldeten Versicherungsleistungen nicht mindestens 80 Prozent des Lohnes abdecken (Art. 324b Abs. 1 OR).

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

(20 Minuten)

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