Aktualisiert 20.01.2014 12:07

SVPler misstrauischErhalten Randständige mit Hund mehr Geld?

SVP-Stadtratskandidat Roland Scheck vermutet, dass Zürcher Randständige Geld für ihre Hunde kassieren und so das Sozialsystem ausbeuten. Oft seien die Tiere zudem unterernährt.

von
som
Stadtratskandidat Roland Scheck befürchtet, dass obdachlose Hündeler einen Zustupf von der Stadt erhalten.

Stadtratskandidat Roland Scheck befürchtet, dass obdachlose Hündeler einen Zustupf von der Stadt erhalten.

Dass Randständige oft mit Hunden unterwegs sind, nervt SVP-Stadtratskandidat Roland Scheck. In einer Anfrage an den Stadtrat schreibt er: «Oft sind das pro Person gleich mehrere Hunde.» Hinter der Hundehaltung wittert er deshalb laut dem «Tages-Anzeiger» ein staatliches Anreizsystem.

Scheck glaubt, dass obdachlose Hündeler von der Stadt einen Zustupf für ihre Tiere erhalten. Er habe mehrere Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. «Mir tun diese Hunde wirklich leid», sagt Scheck, der derzeit Gemeinde- und Kantonsrat ist. Die Tiere seien oft unterernährt, ihre Rippen seien deutlich sichtbar, ihr Fell sei ungepflegt, und viele hätten zu wenig Zugang zu frischem Wasser.

Guido Schwarz, Sprecher der Sozialen Dienste, dementiert: «Randständige mit Hund erhalten genau dieselben Leistungen wie jene ohne Hund.» Es sei die Aufgabe des Sozialamtes, einen Unterstützungsbeitrag bereitzustellen, der den Grundbedarf des Lebensunterhalts abdecke. Bei Einzelpersonen beträgt dieser pauschal 986 Franken pro Monat. Dazu übernehmen die Sozialen Dienste die effektiven Wohnkosten, für einen Einpersonenhaushalt höchstens 1100 Franken, und die Grundversicherung der Krankenkasse. Wofür die Sozialhilfeempfänger ihr Geld einsetzten, sei allein deren Sache. «Die einen kaufen sich vom Beitrag Zigaretten, die anderen eben Hundefutter.»

«Randständige bemühen sich um ihre Hunde»

Kein Verständnis für den Vorstoss hat Mirjam Spring, Leiterin des Projekts Gassentierarzt. Die Institution der Sozialwerke Pfarrer Sieber bietet Randständigen jeweils am Montagnachmittag eine ambulante Tierarztsprechstunde und die veterinäre Grundversorgung zu einem reduzierten Tarif an. «Randständige halten ihre Tiere nicht besser und nicht schlechter als andere Hundehalter», sagt sie. Im Gegenteil seien ihre Kunden bemüht, ihre Hunde zu impfen sowie zu entwurmen, und besuchten mit ihnen die vorgeschriebenen Hundekurse.

Auch in anderen Kantonen sind Hunde von Randständigen ein Thema. Die Berner FDP-Grossrätin Marianne Staub fordert, die Hundezahl von Randständigen sei auf ein Tier zu beschränken. Der Kanton gab dieser Forderung aber nicht nach. Randständigen sei es wie jedem anderen Bürger freigestellt, wie viele Hunde sie halten wollten. In St. Gallen wollte 2011 die Tierambulanz Hunde Randständiger mit Futter versorgen, wurde von den Behörden dann aber zurückgepfiffen.

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