Vorsorge: Erhebliche Verschlechterung bei den Pensionskassen
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VorsorgeErhebliche Verschlechterung bei den Pensionskassen

Die Schweizer Pensionskassen spüren die Finanzkrise deutlich. Annähernd jede zweite Kasse dürfte nach Angaben des Bundesamtes für Sozialversicherung (BSV) in eine Unterdeckung gerutscht sein.

Allgemein sei eine erhebliche Verschlechterung gegenüber 2007 eingetreten, bestätigte Philipp Rohrbach vom BSV am Freitag eine Meldung der «Neuen Zürcher Zeitung» (»NZZ»). Es sei aber nicht so, dass es solche Situationen noch nie gegeben hätte, relativierte er. Die Lage sei vergleichbar mit jener von Ende 2002.

Der Anteil der Kassen mit Unterdeckung dürfte laut Rohrbach per Ende 2008 auf gegen 50 Prozent angestiegen sein. Unterdeckung ist dann gegeben, wenn eine Kasse nicht im Stande wäre, sämtliche versprochenen Leistungen umgehend zu erfüllen. Dies trifft aber ohnehin nicht ein. Unterdeckung sei also ein theoretischer Zustand, sagte Rohrbach.

Laufende Verpflichtungen nicht gefährdet

Die Rentenbeziehenden müssten denn auch keine Angst haben. Ihren laufenden Verpflichtungen könnten die Kassen durchaus nachkommen. Die Situation sei für jede Kasse verschieden, je nachdem, wie sich ihre Versicherten altersmässig zusammensetzten, sagte Rohrbach.

Für eine Kasse mit vorwiegend jungen Versicherten sei eine Unterdeckung weniger gravierend als für eine Kasse, bei der die meisten Versicherten in fortgeschrittenem Alter seien. Eine Unterdeckung könne denn auch unterschiedlich lange toleriert werden.

Es gebe verschiedene Massnahmen, um Gegensteuer zu geben. Bei der einen Kasse genüge es, Geduld zu haben und auf bessere Zeiten zu warten. Bei anderen seien griffige Massnahmen unabdingbar.

Möglich seien etwa eine Änderung der Anlagestrategie, ein Verzicht auf den Teuerungsausgleich und andere freiwillige Leistungen oder eine Anpassung der überobligatorischen Leistungen.

Es könne auch von den Versicherten ein Sanierungsbeitrag erhoben werden - laut Rohrbach ist dies aber «nicht die erste Massnahme».

Über allfällige Massnahmen entscheidet jeweils das paritätische oberste Organ einer Kasse. Dieses wird beraten von einem externen Experten für berufliche Vorsorge, den jede Kasse haben muss, wie Rohrbach sagte.

Verluste bis zu 31 Prozent

Dass die Verluste für die Kassen 2008 gross waren, geht aus den Pictet-BVG-Indizes hervor. Sie sind Abbilder von Portfolios mit Aktien, Obligationen, Immobilien und alternativen Anlagen wie Hedge-Funds und Private Equity. Je nachdem, welche Referenzwerte man heranzieht, liegen die Verluste höher oder tiefer.

Nimmt man die laut Rohrbach massgebenden BVG-Indizes 2000, so ergeben sich für 2008 Verluste von 9,88 Prozent (bei einem Aktienanteil von 25 Prozent), 17,28 Prozent (Aktienanteil 40) und 26,63 Prozent (Aktienanteil 60). Verwendet man die BVG-Indizes 2005, so liegen die Verluste gar bei 11,5 Prozent, 20,1 Prozent beziehungsweise 31 Prozent.

(sda)

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