Handelsstreit: Erhebt Trump Strafzölle auch auf Mercedes-Autos?
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HandelsstreitErhebt Trump Strafzölle auch auf Mercedes-Autos?

Eine weitere Eskalation des US-Handelsstreits könnte auch die Schweiz treffen. 20 Minuten klärt die wichtigsten Fragen.

von
Isabel Strassheim
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Flankiert von Stahlarbeitern verfügt Donald Trump per Unterschrift Schutzzölle von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium. Sie treten am 23. März in Kraft. (8. März 2018)

Flankiert von Stahlarbeitern verfügt Donald Trump per Unterschrift Schutzzölle von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium. Sie treten am 23. März in Kraft. (8. März 2018)

Keystone/MICHAEL REYNOLDS
Damit verteuern sich die Aludosen für Getränke in den USA ...

Damit verteuern sich die Aludosen für Getränke in den USA ...

AP/Wilfredo lee
... genauso wie der importierte Stahl für die US-Autoindustrie.

... genauso wie der importierte Stahl für die US-Autoindustrie.

Tyler Mallory

Warum führt US-Präsident Donald Trump Strafzölle ein?

Er will damit die US-Wirtschaft vor günstigen Importen schützen und erhebt auf Stahl 25 Prozent und auf Aluminium 10 Prozent Strafzoll. Diese Strafzölle müssen aber die Amerikaner selbst zahlen und nicht die ausländischen Lieferanten. Für die USA werden zum Beispiel Cola- oder Bierdosen aus Aluminium sowie der Stahl für die US-Autoindustrie zunächst teurer. Trump setzt aber darauf, dass die USA mittelfristig selbst mehr Stahl und Aluminium produzieren und so mehr heimische Jobs entstehen.

Kann das funktionieren?

Schon viele US-Präsidenten haben zu diesem Mittel gegriffen. Zuletzt Barack Obama, der 2009 Strafzölle auf Pneus aus China erhob und damit laut einer Studie rund 1200 US-Jobs in der Pneuindustrie rettete. Allerdings mussten dafür die US-Konsumenten für ihre Pneus mehr bezahlen und hatten weniger Geld für andere Ausgaben, was zulasten von Jobs in anderen Branchen ging.

Warum sind die US-Strafzölle eine Gefahr für die Weltwirtschaft?

Weil sie die Weltwirtschaft aus den Fugen und den aktuellen Aufschwung ins Stottern bringen können. «Kurzfristig treffen sie zwar nur die Exporteure, aber mittelfristig alle Beteiligten», warnt Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär.

Bislang waren China, Brasilien und Südkorea die Hauptlieferanten von Stahl und Aluminium in die USA. Nun könnten sie ihr Metall günstig in die EU liefern, was dann die europäischen Produzenten und den EU-Arbeitsmarkt unter Druck bringt. «Strafzölle können eine Kettenreaktion in Gang setzen», warnt Acket.

Ist das schon ein Handelskrieg?

Von einem Handelskrieg spricht man erst, wenn die Europäische Union (EU) oder andere Staaten tatsächlich mit eigenen Strafzöllen zurückschlagen und sich das Ganze weiter hochschaukelt. Für die Weltwirtschaft ist das die grösste Sorge, denn davon könnten viele Branchen betroffen sein und die Konjunktur könnte lahmen. Bislang hat die EU aber nur angedroht, Erdnussbutter, Bourbon Whisky und rund 200 andere US-Produktgruppen mit Strafzöllen zu belegen. Dennoch: Trump seinerseits hat schon jetzt gewarnt, dass er dann Autos aus der EU mit 25 Prozent besteuern würde. Dabei fielen ihm vor allem die deutschen Limousinen von Mercedes und BMW ein.

Wann trifft es die Schweiz?

Brenzlig für die Schweizer Wirtschaft wird es, wenn der Streit eskaliert. Bislang treffen sie die Strafzölle auf Stahl und Aluminium kaum – nur 2,7 Prozent der Stahl- und Aluminiumexporte von Schweizer Firmen gehen überhaupt in die USA, wie Economiesuisse mitteilt. Der mit Abstand generell wichtigste Handelspartner der Schweiz ist Deutschland. Aber wenn deutsche Autobauer wie BMW wegen neuer Strafzölle weniger in den USA verkaufen und die Produktion sinkt, dann leiden auch die rund 300 Schweizer Zuliefererfirmen mit ihren 24'000 Mitarbeitenden.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Strafzölle zwingen die Staaten zu Gesprächen. «Wir gehen davon aus, dass betroffene Länder zuerst den Verhandlungsweg wählen, bevor sie Gegenmassnahmen ergreifen», schreiben die Analysten der Zürcher Kantonalbank. Trump dürfte mit den Strafzöllen und seinen Drohungen darauf abzielen, seine Ausgangsposition zu stärken. Die ZKB wie auch viele andere Analysten schätzen die Gefahr eines Handelskrieges als gering ein. Julius Bär beziffert sie mit 20 Prozent.

Welche Rolle spielen Zölle generell noch?

Sie haben trotz der Welthandelsorganisation WTO weltweit einen starken Einfluss und verzerren den Wettbewerb zum Teil stark. Die EU etwa erhebt auf Autoimporte einen Zoll von 10 Prozent, die USA dagegen nur von 2,5 Prozent. Abgesehen von Zöllen wirken sich aber auch Subventionen stark auf den Welthandel aus. Mit ihren Zuschüssen unterstützen viele Staaten heimische Produkte, die so günstig auf dem Weltmarkt verkauft werden können. «Hier ist keiner ohne Sünde», sagt Chefökonom Acket. Versteckte Massnahmen wie Subventionen scheinen zwar nicht so aggressiv wie Trumps Strafzölle. «Aber sie wirken auch preisverzerrend.»

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