20.01.2016 17:14

Umwelt-Aktivistin

Erin Brockovich tritt wieder in Aktion

Dank Julia Roberts ist Erin Brockovich weltberühmt. Jetzt hat die echte Aktivistin einen neuen Fall in der US-Stadt Flint.

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Ein grosser Teil der Bevölkerung von Flint, Michigan, ist vergiftet: Bei Kindern wird eine Verdoppelung der Bleiwerte festgestellt, die Einwohner der US-Stadt klagen über Hautausschlag, Erbrechen und Haarausfall. Längerfristig hat das Problem noch gravierendere Folgen: Blei kann über Generationen hinweg Lern- und Verhaltensstörungen verursachen.

Hintergrund der Vergiftungen sind Sparmassnahmen: Statt das Wasser wie bisher gegen eine Gebühr aus dem Wassernetz des nahe gelegenen Detroit zu beziehen, begann man im Frühjahr 2014 damit, den Flint-Fluss anzuzapfen. Doch das ätzende Wasser löste Blei aus den Rohren, das sich nun im Blut der Bewohner findet.

Michael Moore und Erin Brockovich spannen zusammen

Jetzt ziehen die betroffenen Bürger vor Gericht. Laut einer Klage von Bürgerrechtlern hatte die Umweltbehörde des Bundesstaates die Genehmigung erteilt, Wasser aus dem Fluss zu nutzen, obwohl die Kläranlage der Stadt das Flusswasser nicht den Trinkwasservorschriften entsprechend aufbereiten kann.

Flint ist die Heimatstadt von Starregisseur Michael Moore. Dieser forderte in einem offenen Brief die Festnahme von Gouverneur Rick Snyder. «Dank Ihrer und der vorsätzlichen Handlungen Ihrer Regierung sind anscheinend praktisch alle Kinder in meiner Heimatstadt vergiftet worden», schrieb der Filmemacher. «Dafür gehören Sie ins Gefängnis.»

Wer seit Monaten für sauberes Wasser für Flint kämpft, ist die berühmte Umweltaktivistin Erin Brockovich. Laut «Daily Beast» kann die ehemalige Anwaltsgehilfin einen ersten Erfolg vermelden: Nachdem sie Barack Obama um Hilfe gebeten hatte, rief der US-Präsident den Notstand aus und ordnete Bundeshilfe für die Stadt an. Zu den Massnahmen der Regierung zählen die Bereitstellung von Trinkwasser, Wasserfiltern und Test-Sets für eine Dauer von bis zu drei Monaten.

In Flint droht eine Fortsetzung des Wasserskandals

Erin Brockovich wurde im Jahr 2000 – dank des gleichnamigen Oscar-gekrönten Films mit Julia Roberts – weltweit bekannt. Die wahre Geschichte um die alleinstehende, arbeitslose Mutter, die einen Umweltskandal aufdeckt, hatte Millionen Menschen in die Kinos gelockt.

Damals waren es die Bewohner des kleinen Ortes Hinkley im Staat Kalifornien, die jahrzehntelang unter einer massiven Chrom-VI-Belastung gelitten hatten. Diese war durch die nahe gelegene Fabrik des Stromriesen Pacific Gas and Electric (PG&E) verursacht worden. Mithilfe der Anwaltsgehilfin Brockovich klagten die Menschen gegen die Firma – und gewannen den Prozess. PG&E musste eine Rekordsumme von 334 Millionen Franken Schadenersatz zahlen.

«Wasser ist alles»

Seither deckt Brockovich mit ihrer Firma Brockovich Research & Consulting Fälle von Umweltverschmutzung im ganzen Land auf. Sie führt sogar eine Karte im Netz, auf der Benutzer selbst Konfliktzonen markieren können.

Wasser ist nicht ihr einziges Thema: Brockovichs Fälle umfassen Unfallversicherungsklagen, Pharma- und Verhütungsklagen oder Whistleblower-Fälle. Doch Wasser ist und bleibt das Steckenpferd der Aktivistin. Denn wie sie selbst im Dokumentarfilm «Last Call at the Oasis» sagte: «Wasser ist das einzige und notwendigste Element für jeden von uns, um zu überleben. Wasser ist alles.»

Szene aus dem Film «Erin Brockvich»: Die Firma PG&E bietet den Betroffenen 20 Millionen Dollar. (Quelle: Youtube/Movieclips)

Szene aus dem Film «Erin Brockovich»: PG&E muss den Betroffenen 333 Millionen Dollar bezahlen. (Quelle: Youtube/Movieclips)

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